DEIN TICKET INS WELTALL im Knesebeck Verlag

Kate Peridot stammt aus Großbritannien, lebt aber mit ihrer Familie in Südfrankreich. Sie ist Kinderbuchautorin und schreibt fiktionale Bücher als auch Sachbücher – und zwar zu allem, was mit Tieren, Menschen und MINT-Fächern zu tun hat. „Meine Geschichten wecken den Mut, etwas zu schaffen, die Wissbegierde und den Abenteuergeist“, schreibt sie auf ihrer Internetseite. „Ich liebe es, mit fesselnden Erzähltechniken meine jungen Leser, ihre Eltern und Lehrer gleichermaßen zu begeistern. Meine Recherchekompetenz habe ich durch meine Liebe zu Büchern und mein Studium der Literaturwissenschaften verfeinert.“ Zu den Themen, über die sie bisher Kinderbücher verfasste, gehören Wale, Katzen, Bären – und überhaupt Tiere. Und jetzt die Raumfahrt.

Terri Po ist Illustratorin. Sie stammt aus Hongkong und lebt in den schottischen Highlands. „I draw things for all sorts!“, schreibt sie auf ihrer Internetseite „I create editorial illustrations, infographics, illustrated books, as well as doing live graphic facilitation.“ Auf Instagram kann man sich ihre aktuellen Illustrationen ansehen: https://www.instagram.com/iiterripo – ich kann gar nicht aufhören in ihren wunderbaren Illustrationen zu schmökern. Flugzeuge, Tiere und Natur tauchen besonders oft auf, und jetzt eben die Raumfahrt.

In den Bücherregalen meines Sohnes befindet sich ein ausuferndes Maß an Weltraumbüchern. Das Interesse an Astronomie, Raumfahrt und Co. hat mein Sohn von mir geerbt. Naja gut, ich hab es ihm nahegelegt. Aber kann man sich denn überhaupt nicht fürs Weltall interessieren? Das liegt doch auf der Hand. Mein Interesse damals begann mit einem kleinen Büchlein, das dem Yps-Heft beigelegt war, in dem es ums Weltall ging. Und bald genug startete das erste Space Shuttle und ich hörte bis heute nicht mehr auf, mich fürs Weltall zu interessieren. Ich habe willkürlich in eines seiner Regale gegriffen und folgende Bücher herausgefischt:

Andrea de Santis und Steve Parker: Space Kids. Eine Einführung in den Weltraum. Ich mochte es ganz gerne, mir ist es bisweilen etwas zu eigenwillig und zu wenig an der Exaktheit der Wissenschaften interessiert.

Ich weiß jetzt 100 Dinge mehr: Weltall und Raumfahrt. Da gibt’s viel zu entdecken, einiges wusste ich auch nicht, die hundert ein- bis zweiseitigen Kapitel kommen dem Gehirn mit Ablenkungstendenz entgegen.

Was ist was Band 102: Universum. Der Was ist was-Reihe bin ich vor allem deswegen dankbar, weil es eine Kinderbuchreihe mit Fotografien ist. Ich will nicht immer nur Illustrationen. Es gibt ein Kapitel über Exoplaneten. Wenn ich mal ein Kindersachbuch schreiben werde, dann über Exoplaneten. Vielleicht klaut ja auch wer die Idee.

Chris Wormell und Raman Prinja: Eintritt frei! Das Planetarium. Das vielleicht prächtigste aller Weltraumkinderbücher, beeindruckend zum Beispiel das Kapitel „Der Lebenszyklus von Sternen“.

Kelsey Oseid: Was wir in den Sternen sehen. Erst fürchtete ich Astrologisches, ist es aber nicht. Es ist reichlich eigenwillig. Ich bin mir etwas unsicher, ob es Kinder nicht auch schnell überfordert.

Dorling Kindersley-Verlag: Wundervolle Welt der Sterne. Auch prachtvoll und schön und außergewöhnlich mit Kapiteln wie „Gravitationslinse“ und „Der Lokale Superhaufen“.

Und nun ist eben bei Knesebeck „Dein Ticket ins Weltall. Wie du von der Erde ins Universum durchstartest“ geschrieben von Kate Peridot, illustriert von Terri Po, erschienen. Ich habe ja zwei große Wünsche an naturwissenschaftliche Sachbücher: Erstens: Bitte naturwissenschaftliche Präzision bereits im Kinderbuch und keine verfälschende Vereinfachung. Zweitens: Bitte möglichst viele Details. Man ahnt ja kaum, wie sehr sich neugierige Kinder für Details interessieren. Mein Sohn war neun, als er die detailreichste Quelle der Raumfahrt anzapfte: Die Podcastfolge „Matthias Maurer, wie lebt es sich im All“ aus der Reihe „Alle gesagt?“, dem – fast – endlosen Podcast der ZEIT. Wer’s nicht kennt: Der Gast darf einzig und alleine entscheiden, wann der Podcast aufhört – Länge ist erwünscht. Matthias Maurer hat soweit ich weiß bis heute die längsten aller Folgen: 9 Stunden und 46 Minuten. Und da erfährt man dann wirklich alles, was man wissen will, mit Tausend tiefergehenden Details, sich wundernd, warum man das bisher noch nicht gefragt hat. Inzwischen hat sich mein Sohn die Folge nochmal angehört.

Ich finde bei diesen beiden Faktoren, Präzision und Detailverliebtheit, sind Peridot und Po schon einmal gar nicht so schlecht! „Gute Neuigkeiten!“, schreibt Peridot, „Du wurdest in einer Zeit großer technologischer Veränderungen geboren, in der die Menschheit daran arbeitet, den Weltraum zu bereisen wie nie zuvor.“ Und weiter schreibt sie: „Nie war es so leicht, ein Ticket für den Weltraum zu bekommen.“ Und um diese verschiedenen Möglichkeiten, in Zukunft in den Weltraum zu kommen, sie nennt es eben „Tickets“, geht es in dem Buch, 12 Tickets, 12 Wege ins All schildert sie uns. Und das ist in der Tat finde ich etwas Neues im Kinderbuchbereich: Wir blicken nämlich in die Zukunft. Wir schauen uns etwas an, was es bis jetzt zumindest in der Form noch gar nicht gibt. Und das ist toll: Ein Blick in die Zukunft. Falls es das noch nicht gibt: Das brauchen wir auch fürs Thema KI. Weil wenn die Gesellschaft und die Schule und die Eltern und die Lehrerinnen und Lehrer nicht in der Lage sind, unsere Kinder auf eine sich vermutlich durch KI komplett verändernde Welt vorzubereiten, vielleicht schafft es wenigstens ein Kinderbuch, die Kinder schon mal auf eine Welt vorzubereiten, in der die Berufswelt, aber auch der Alltag nicht mehr so aussehen wird wie jetzt. Was müssen unsere Kinder, wenn sie in zehn Jahren die Schule verlassen, am besten können? Kleiner Tipp: Die Lehrpläne sind auf diese Veränderungen nicht eingestellt. Da geht es immer noch um Noten, Auswendiglernen, Kompetenzen aus dem 19. Jahrhundert undundund. Aber ich schweife ab. Weltall.

Peridot und Po präsentieren uns zunächst die Ruhmeshalle der Raumfahrt, mit diversen Erstlingen und Rekordhalterinnen – und vier leeren Bildern, die mit zukünftigen Weltrekordhaltern – oder Weltallrekordhaltern ausgefüllt werden können: Der erste Mensch, der mit einer selbstgebauten Rakete ins All fliegt; die erste Frau auf dem Mond; das erste Kind im Weltraum; der erste Mensch auf dem Mars. „Eines Tages werden diese Meilensteine auch erreicht werden – vielleicht von jemandem in deinem Alter!“, schreibt Kate Peridot. Ja, spannende Frage.

Ticket 1 erzählt dann vom „Weltraumballon“, war mir nicht klar, dass so etwas technisch in Frage kommt. „Du schwebst in die Stratosphäre und durchquerst auf 15 Kilometern Höhe die unsichtbare Ozonschicht“. Vier Seiten sind jeweils pro „Ticket“ vorgesehen, bei jedem Ticket gibt es eine recht praktisch ausgerichtete „Missionsstatistik“, mit Angaben zum Trägerfahrzeug, zur Höhenlage, zum Zielort, zur Dauer des Aufenthalts, und, besonders interessant, zu den Ticketkosten. In dem Fall: 50000 bis 120000 Euro. Was mich jetzt, Stichwort Detailreichtum, als 10-jährigen (aber auch als Erwachsenen) interessiert hätte, wäre: Wie wahrscheinlich ist es, dass das umgesetzt wird? Und wie weit sind Forschungen und Entwicklungen dazu? Vielleicht auch eine Prognose, wann das denn verwirklicht werden könnte. Diese Infos fehlen mir jeweils schon, weil es ist ja schon von Interesse, ob etwas ein Wunschtraum, eine Phantasie ist – oder ob ganz konkret an der Umsetzung gearbeitet wird.

Ticket 2 ist dann das „Raumflugzeug“, also ein Raketenflugzeug, das von einem Flugzeug aus gestartet wird und ins Weltall fliegt, jedenfalls bis in 83 Kilometer Höhe. Nebenher werden dann immer Begriffe wie G-Kräfte, Schwerelosigkeit, Schub, Rückstoß und so weiter erklärt, ganz in meinem Sinne, was die Details angeht. Es folgen dann, ich will nicht auf alles en detail eingehen, Ticket 3, der Bau einer eigenen Rakete, Ticket 4, die Weltraumlotterie, Ticket 5, „Flieg die Rakete“ usw.

Daneben gibt es immer wieder Einschübe, etwa das Raumfahrttraining, wunderbar detailreich erzählt, erinnert mich in vielem an den Matthias Maurer-Podcast. Der nächste Einschub heißt „Die Ruhmeshalle der Raketen“ – genau genommen die der bemannten Weltraumfahrt, weshalb die Ariane auch fehlt. Hingegen ist das dänische Projekt „Spica“ vertreten. Dass die unbemannte Ariane fehlt, ist für uns persönlich nicht so schlimm, mein Sohn und ich besitzen das wichtigste Werk, das ich kenne, was Raketentypen angeht: „Raketen. Die internationale Enzyklopädie“ von Eugen Reichl und Dietmar Röttler aus dem Motorbuchverlag. Ein Buch mit einer Vielzahl von wunderbaren Illustrationen, weitgehend vollständig, detailreich, informativ – zum Beispiel wenn es um die Nutzungen der deutschen V2 nach dem Zweiten Weltkrieg geht.

Nach dem letzten Ticket, Nr. 12, „Nachrichten auf einem Lichtstrahl“ folgt dann in der Tat eine Doppelseite mit Prognosen, vielleicht auch keine schlechte Idee, das hier zusammenzufassen. Die Prognosen sind ganz interessant. Danach folgen Praxistipps, was das Kind so machen kann, um sich schon jetzt auf eine Weltraummission vorzubereiten, finde ich gut, sehr praxisnah: „Übe das Leben auf engem Raum“ oder „Achte auf Nachrichten zur Raumfahrt“, „Zelte unter dem Sternenhimmel“. Es folgen Quellen im Internet, in denen man kinderaffine Weltraumnachrichten finden kann, gut ausgewählt eigentlich (und an die deutsche Ausgabe angepasst, das DLR fehlt noch), und ein hilfreiches Glossar. Die ESA hätte dann auch mit ins Glossar gemusst, da findet sich nur die NASA.

Also: Ein grandioses Raumfahrtbuch, das die Kriterien Wissenschaftsnähe und Detailreichtum allemal erfüllt, wundervoll anregend, mit praktischem Nutzen, auf dem neuesten Stand und darüber hinaus. Die Idee, das Konzept, die Texte sind toll, danke Kate Peridot, die Illustrationen sind hervorragend, danke Terri Po. „Dein Ticket ins Weltall“ ist eines der schönsten Weltallkinderbücher der letzten Zeit, und jetzt fehlt noch ein Kommentar meines Sohnes Julius, zehn Jahre:

Er mochte es jedenfalls auch sehr: „Super!“ Ich glaub das mit den Details war’s dann auch, was ihn überzeugt hat.

Kate Peridot (Text), Terri Po (Ill.)

Dein Ticket ins Weltall
Wie du von der Erde ins Universum durchstartest

Gebunden, 64 Seiten, durchgehend farbig illustriert
aus dem Englischen von Silke Körber
Preis € 20,- [D] 20,60 [A]
ISBN 978-3-95728-940-7
Erscheinungstermin 27. Februar 2025
Ab 8 Jahren

https://www.knesebeck-verlag.de/dein_ticket_ins_weltall/t-1/1343

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