Über Florian Dietrichs Film TOUBAB

TOUBAB – Regie: Florian Dietrich – Camino Film —

Endlich wird Babtou (Farba Dieng) aus dem Gefängnis entlassen. Sein Freund Dennis (Julius Nitschkoff) draußen und feiert ihn erstmal mit einer Silvesterrakete. Schon ewig sind die beiden engste Freunde. Nach einem gemeinsamen Einbruch hatte Babtou Dennis gedeckt und ging alleine ins Gefängnis.  Endlich sind sie wieder zusammen draußen und können zusammen abhängen. Aber die Willkommensparty läuft aus dem Ruder und der Tag ist noch nicht vergangen, da hat Babtou schon wieder Handschellen an. Aber diesmal verliert er auch seine Aufenthaltsgenehmigung und muss innerhalb von zwei Wochen in den Senegal, sonst wird er abgeschoben. Den Senegal kennt er aber gar nicht, das Land ist ihm völlig fremd, seit 25 Jahren ist er in Deutschland, also muss er alles versuchen, um hier zu bleiben. Dennis will ihm dabei helfen.

TOUBAB

Babtous Anwältin rät ihm zur Hochzeit mit einer Deutschen, sonst sieht er keine Chance. Doch bei den Frauen im Kiez kommt er nicht gut an. Was tun? Kurzerhand hält er um Dennis‘ Hand an. Der mag das kaum glauben, schließlich ist er auch verlobt und seine Freundin schwanger, aber um das Problem zu lösen, willigt er halt ein. Sie heiraten in der Tat, aber so leicht ist das nicht: Sie werden der Scheinehe verdächtigt. Dennis muss bei Babtou einziehen – ohne es mit seiner Freundin Manu (Nina Gummich) zu klären. Und nun tut sich die unerwartete Welt der Queerness für die beiden auf…

TOUBAB ist eine erfreulich frische Mischung aus Drama und Komödie. Einer der Höhepunkte ist das getrennte Verhör der beiden Ehepartner… Wie oft sie miteinander Sex hätten, werden sie unter anderem gefragt, was aber zu reichlich unterschiedlichen Antworten führt. TOUBAB ist ernst, TOUBAB macht Spaß – alles in allem eine sehr erfreuliche deutsche Gegenwartskomödie!

Florian Dietrich wurde 1986 in Wiesbaden geboren. Nach dem Abitur arbeitete er als Regieassistent am Staatstheater Wiesbaden und studierte von 2005 bis 2007 Mediendramaturgie in Mainz und ab 2007 Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und der Tel Aviv University. TOUBAB ist Florian Dietrichs Abschlussfilm an der dffb und zugleich sein Spielfilmdebüt.

Über die Idee zum Film schreibt er: „Zusammen mit Co-Autor Arne Dechow habe ich in der JVA in Wiesbaden immer wieder Theater- und Kunstprojekte gemacht. Die Idee zu TOUBAB ist aus den Begegnungen mit den jungen Gefangenen im Vollzug entstanden, mit denen wir an den Projekten zusammengearbeitet haben. Viele von ihnen sind schon mit 15 – 16 auffällig geworden und dadurch im
Jugendgefängnis gelandet. Einige hatten ein Abschiebeverfahren am Hals, und das, obwohl sie in Deutschland geboren sind. Es gab Teilnehmer, die wurden nach der Haft tatsächlich in die Länder abgeschoben, aus denen sie ihren Pass haben. Sie haben 16 Jahre ihres Lebens in Deutschland als Deutsche verbracht von Duldung zu Duldung zu Duldung. Und dann wurden sie abgeschoben – nach Angola oder in die Türkei… Länder, die sie vielleicht aus ihrem Sommerurlaub kannten, wo sie ihre
Familie besucht haben, aber die sie eben nicht als Heimat sahen. Diese unfassbare Ungerechtigkeit war für uns der erste Anstoß, sich dieses Thema vorzuknöpfen.“

TOUBAB läuft derzeit im Kino.

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