THE VANISHING SOLDIER von Danny Rosenberg beim Jüdischen Filmfest Berlin Brandenburg

Im Gaza­s­treifen. Shlo­mi, 18 Jahre, israelis­ch­er Sol­dat. Man hat sich in ein­er Woh­nung ver­bar­rikadiert, kocht sich was zu essen, har­rt nächt­ens der Dinge. Dann: Ein­satz, Stim­men, Befehle, alle ren­nen raus in den Ein­satz, man greift an. Alle, außer Shlo­mi. Keine helden­hafte Tat, eher spon­tan, er will nicht raus, abgek­nallt zu wer­den liegt ihm nicht so. Er bleibt zurück. Ver­steckt sich hin­ter ein­er Matratze. Als es Tag ist traut er sich raus, ren­nt Kindern über den Weg, die erst vor ihm abhauen, dann wiederum vor seinen Kol­le­gen abhauen, vor denen Shlo­mi sich nun auch ver­steck­en will. War ja nicht in Ord­nung, ein­fach zurück­zubleiben. Leichen liegen rum, das nicht mehr benötigte Auto eines erschosse­nen Palästi­nenser schnappt sich Shlo­mi und fährt ein­fach mal drauf los, Rich­tung israelis­ch­er Gren­ze, wo er hän­gen­bleibt. Stachel­draht. Wohin? Was tun? Zu Fuß weit­er. Wildes Schlagzeug begleit­et seine Flucht auf der Ton­spur. Shlo­mi ren­nt. Er ren­nt nach Hause. Wo ger­ade kein­er ist. Aber da klopfen irgendwelche Sol­dat­en oder Polizei oder so und zu Hause erwis­cht wer­den ist nun der ungün­stig­ste aller Orte, also radelt er davon. Dann mit dem Bus und wieder mit dem Fahrrad durch die Stadt, da ist Lufta­larm, aber egal. Er trifft seine Fre­undin an ihrem Arbeit­splatz. Sie glaubt, er sei über­raschend auf Fron­turlaub, um sie zu sehen, bevor sie ins Aus­land fliegt. Schnell geht er ans Meer, um sich kurz zu waschen. Trifft auf Urlauber am Strand – grotesker geht es kaum – die Son­nen­baden und ihm kurz­er­hand für seinen Kriegs­di­enst danken, eingeölt mit Son­nen­milch. Er hat sie kurz gebeten, auf sein Gewehr aufzu­passen. Aber die Gele­gen­heit ist gün­stig, als die bei­den im Wass­er sind, klaut er sich die zivilen Klam­ot­ten des Mannes, inklu­sive dessen Handy, schul­tert das Gewehr und radelt weit­er. Bald sind ihm auch noch der Klam­ot­tenbe­sitzer und seine Frau auf den Fersen, also geht die Flucht weit­er. Zunächst kommt er bei sein­er Oma unter…

„The Van­ish­ing Sol­dier“ ist eine grandiose Groteske vor dem Hin­ter­grund des Krieges, eine bril­lante Fluchtkomödie – wie auch Dra­ma. „Mir ging es nicht darum, einen poli­tis­chen Film in der Tra­di­tion von jeman­dem wie Cos­ta-Gavras zu drehen. Eher würde ich Para­noia-Thriller der Siebziger als Ref­erenz her­anziehen”, erzählt Dan­ny Rosen­berg in einem Inter­view. Die Art des Erzäh­lens erin­nert mich übri­gens in manchen Teilen an „Lola ren­nt“. Wer weiß, ob der Regis­seur das vielle­icht auch im Kopf gehabt hat. Großar­tig die kleinen Szenen und Wen­dun­gen, die er ein­baut, gerne mit Aus­las­sun­gen, die wir uns selb­st wieder zusam­men­reimen müssen, grandiose Wen­dun­gen, die bisweilen nur angeteasert und nicht aus­ge­spielt wer­den (etwa der anzügliche Liebes­brief, den Shlo­mi im Restau­rant mal eben schnell an seine Fre­undin in der Küche schreibt, den aber der Küchenchef oder so in die Hände kriegt und auf sich bezieht). Bei der Groß­mut­ter, bei der er sich ver­steckt wech­selt dann kurz­er­hand die Stim­mung. Schw­er­mut. Grandios, wie Rosen­berg Tem­po und Gefühlslage wech­selt. Vir­tu­os bedi­ent er die Klaviatur des filmis­chen Erzäh­lens, pack­end, berührend, drama­tisch, grotesk, komisch, poet­isch.

Dan­ny Rosen­berg studierte Film an der Sam Spiegel Film School in Jerusalem. Sein erster Film, „The Death of Cin­e­ma and my Father Too“, war in der offiziellen Auswahl der Film­fest­spiele von Cannes im Jahr 2020 und er gewann das Jerusalem Film Fes­ti­val. „The Van­ish­ing Sol­dier“ ist sein zweit­er Spielfilm, ein großar­tiger Beitrag zum diesjähri­gen Jüdis­chen Film­fest Berlin Bran­den­burg.

CREDITS
Orig­i­nali­tel THE VANISHING SOLDIER
Inter­na­tionaler Titel THE VANISHING SOLDIER
Deutsch­er Titel THE VANISHING SOLDIER
JFBB Sek­tion WETTBEWERB SPIELFILM
Regis­seur DANI ROSENBERG

Land/Länder IL
Jahr 2023
Dauer 98 Minuten

AUFFÜHRUNGEN
20.06.2024 18:00
Berlin: Bun­de­splatz-Kino
OmU

21.06.2024 19:00
Berlin: Filmkun­st 66 Saal 1
OmU

22.06.2024 20:30
Pots­dam: Thalia — Das Pro­grammki­no
OmU

Im Anschluss an alle Filmvor­führun­gen find­en Gespräche mit dem anwe­senden Haupt­darsteller Ido Tako statt.

https://jfbb.info/programm/filme/the-vanishing-soldier

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