Es krabbelt im Kino: Der deutsche Dokumentarfilm „INSEKTEN – Helden im Verborgenen” läuft ab 16. Juli 2026 im Kino

„INSEKTEN – Helden im Ver­bor­ge­nen” läuft ab 16. Juli 2026 im Kino.

Vor etlichen Jahren hat­te ich beru­flich viel mit IMAX-Doku­men­ta­tio­nen zu tun, damals, als ich in Berlin erst für das Dis­cov­ery Chan­nel IMAX The­ater am Pots­damer Platz, dann für das Cines­tar IMAX im Sony Cen­ter und schließlich bun­desweit für die Fir­ma IMAX Pub­lic Rela­tions gemacht habe. Ich habe ins­beson­dere die Arbeit für die Natur­dokus geliebt: GRAND CANYON, HAIE 3D, DER BLAUE NIL, DELFINE UND WALE 3D, SHACKLETON, SPACE STATION, DIE GEISTER DER TITANIC. Was habe ich es geliebt, Koop­er­a­tio­nen mit dem Zoo, mit dem Plan­e­tar­i­um etc. auszuar­beit­en, Spe­cial Inter­est-Zeitschriften auszu­graben, die sich mit Bergen, Tieren, Wel­traum oder dem Meer beschäftigten. Die IMAX-Dokus, ob in 3D auf der flachen, aber riesi­gen Lein­wand, oder 2D in der Kup­pel­pro­jek­tion im Dis­cov­ery Chan­nel IMAX The­ater, jene wohl größte Lein­wand Deutsch­lands (Europas?) – damals, bevor erst das eine, dann das andere IMAX schloss. Immer spielte auch Musik eine wichtige Rolle, entwed­er in Form von sym­phonis­chen Klangtep­pichen oder mit regionalen Anklän­gen, je nach­dem in welchem Land die entsprechende Doku­men­ta­tion spielte. Das waren spek­takuläre Filme, bisweilen etwas klis­chee­be­laden, sel­ten kine­matographisch wertvoll – aber immer beein­druck­end und span­nend. Oft gab es auch noch berühmte Schaus­piel­er, die den Text zu den IMAX-Fil­men einge­sprochen haben – zumin­d­est im englis­chsprachi­gen Orig­i­nal.

Jet­zt, am 16. Juli 2026, kommt ein Film in die deutschen Kinos, der mich von sein­er Machart her immer ein biss­chen an die alten IMAX-Dokus erin­nert. Grandiose Bilder, toll erzählt, liebevoll gemacht – und mit pro­fes­sionellem Off-Kom­men­tar, in diesem Fall von Katha­ri­na Thal­bach. Nepo­muk Pfaff heißt der Regis­seur des Films. „Bei unserem Film gab es zwei große Her­aus­forderun­gen”, erzählt er: „Cineast­is­che Bilder in ein­er Mikrow­elt zu erzeu­gen und eine Geschichte in einem Kos­mos zu erzählen, den wir selb­st erst anfan­gen zu ver­ste­hen, mit Akteuren, die wir nicht steuern kön­nen. Unser Ziel war aber genau das.” INSEKTEN ist sein Erstlings­film, zuvor gewann er mit dem Kurz­film „Kalter Hund” den Deutschen Jugend­film­preis und den Jugend­film­preis Schleswig-Hol­stein. „Im Rauschen des All­t­ags und den täglichen Her­aus­forderun­gen, ist die Natur ein beruhi­gen­der Ort, der die Wurzeln der eige­nen Bedürfnisse offen­baren kann”, erzählt er. „Die Gerüche eines Waldes kön­nen einen auf den Boden brin­gen. Das dumpfe Gefühl beim Wan­dern über den erdi­gen Wald­bo­den entspan­nen. In ihrer Schön­heit und Kom­plex­ität ist die Natur unübertrof­fen. Eine einzelne Blüte strahlt in ihrer Farbin­ten­sität und Maß an Detail, mehr als durch das bloße Auge erkennbar. Die Vielfalt an Far­ben, Über­leben­stech­niken und Sym­biosen über­wältigt. In der Natur ist alles da, was es braucht, aber von nichts zu viel. Durch das Streben nach dem Energiem­i­ni­mum hat sie über viele Gen­er­a­tio­nen der Evo­lu­tion das geschaf­fen, was der Per­fek­tion am näch­sten kommt.”

„INSEKTEN – Helden im Ver­bor­ge­nen” läuft ab 16. Juli 2026 im Kino.

Und so hören wir dann die Stimme von Katha­ri­na Thal­bach am Anfang des Films, das Bild ist noch dunkel. Vom Ster­nen­him­mel erzählt sie, von der unvorstell­baren Weite, von der Per­spek­tive der Insek­ten, für die die Grashalme mächtig groß sind. „Betreten wir den Mikrokos­mos, die Welt der Insek­ten.” Schon sind zwei Dinge mit mir passiert: Wie eigentlich immer bin ich in die großar­tige, rauchige, rauhe Stimme von Katha­ri­na Thal­bach ver­liebt – und: Ich bin in die Welt der Insek­ten einge­taucht, genau so, wie ich damals immer in die Welt der IMAX-Filme einge­taucht bin. Die Worte sind genau IMAX-Doku-Style, auch wenn wir INSEKTEN natür­lich nur auf der nor­malen Kinolein­wand zu sehen bekom­men. Wie habe ich diesen IMAX-Sprech ver­misst.

Die Kam­era streift durch das Gras, wir begeg­nen Bienen, Grashüpfern, Käfern, etc., faszinierende Bilder, fast möchte man meinen, es wären Ani­ma­tio­nen, A BUG’S LIFE lässt grüßen, aber nein, hier ist alles noch bess­er, die Bilder sind echt, keine KI, keine Ani­ma­tion: ein­fach nur großar­tiges Kön­nen im Umgang mit der Kam­era und der Bildgestal­tung. Diese Welt, erzählt uns Katha­ri­na Thal­bach, ist das Fun­da­ment unser­er Welt. Dann begin­nen wir mehr über die Welt der Insek­ten und deren Entste­hung zu ler­nen. Wir sprin­gen 480 Mil­lio­nen Jahre zurück, als die Insek­ten ent­standen sind, in die Zeit vor 400 Mil­lio­nen Jahren, als die Insek­ten zu fliegen lern­ten, als erste Tierk­lasse. In traumhaften Zeitlu­pen und makroskopis­chen Auf­nah­men sehen wir fliegende Schmetter­linge und erfahren, dass die Flugfähigkeit­en der Insek­ten möglicher­weise auf den Schwimm­fähigkeit­en ihrer Vor­fahren beruht. Die Flügel als weit­er­en­twick­elte Flossen.

Vor 140 Mil­lio­nen Jahren fol­gen wir der „Hum­mel Hugo” auf der recht ein­töni­gen Erde, in ein­er Welt, in der die Bestäubung von Pflanzen lediglich auf dem Zufall­sprinzip und auf dem Weit­er­tra­gen der Samen durch den Wind beruht. Dann entste­ht eine wun­der­bare Sym­biose zwis­chen Blütenpflanzen, die den Insek­ten den süßen Nek­tar als Nahrung zur Ver­fü­gung stellen und den Insek­ten, die dafür die Bestäubung der Pflanzen übernehmen. In beein­druck­ender Ko-Evo­lu­tion entste­ht dabei eine beein­druck­ende Vielfalt an Pflanzen- und Insek­te­narten. Eine Mil­lion Insek­te­narten sind heute bekan­nt, es wer­den noch weit­ere fünf Mil­lio­nen unent­deck­ter Insek­te­narten ver­mutet. Vor 100 Mil­lio­nen Jahren schließlich erweit­ert sich die Bio­di­ver­sität noch mehr: Dank des riesi­gen Nahrungsange­botes, das die Insek­ten bieten, entwick­eln sich Räu­ber, die sich von ihnen ernähren: die Vögel. Wir sehen beein­druck­ende Bilder von Bienen­fressern auf der Jagd nach Insek­ten.

Dann, vor 300.000 Jahren gewin­nt ein weit­er­er Play­er an Bedeu­tung: Homo sapi­ens. In kürzester Zeit begin­nt er, das Ökosys­tem zu bee­in­flussen und zu verän­dern. Er erfind­et die Land­wirtschaft und sorgt für eine gigan­tis­che Pro­duk­tiv­itätssteigerung bei der Nahrungserzeu­gung. Die Fol­gen sind Monokul­turen, der Rück­gang der Arten­vielfalt, das Sinken der Pop­u­la­tio­nen der Insek­ten, der Vögel und der wild leben­den Säugetiere.

„Man muss nicht in den Ama­zonas reisen, um erstaunliche Naturgeschicht­en und einzi­gar­tige Bilder zu ent­deck­en” erk­lären die Film­pro­duzen­ten. „Zum Glück ermöglicht ein Makro-Objek­tiv einen tiefen Blick in die kle­in­sten Winkel und enthüllt den Zauber direkt vor unser­er Haustür. Im Mikrokos­mos wird ein Schreibtisch mit Ter­rar­i­um zu einem Hol­ly­wood­stu­dio, eine Schreibtis­chlampe zu einem Flut­licht. Und für Außen­drehs passt das Equip­ment in zwei Boller­wa­gen anstatt 7,5 Ton­nen LKWs. In unserem winzi­gen Team, das im Kern aus drei Leuten bestand, set­zten wir auf dieses Prinzip. Unser Mikro Bud­get glichen wir mit Exper­tise, ein­er Menge Spaß und Moti­va­tion aus. Wir haben Schmetter­linge, die spon­tan schlüpften auf der eige­nen Waschmas­chine, statt im Stu­dio gedreht.”

Nepo­muk Pfaff gelin­gen beein­druck­ende Bilder und faszinierende Geschicht­en über das Leben der Insek­ten, ihre Evo­lu­tion und etwa über die Meta­mor­phose. Etwa in der Mitte des Films schwenkt Pfaff dur­chaus berechtigt ab und unter­sucht, wie in Biosphären­reser­vat­en und mit­tels scho­nen­der Land­wirtschaft die dahin­schwinden­den Insek­ten­pop­u­la­tio­nen gerettet wer­den kön­nen. Das ist wichtig und bedeu­tend und es ist schock­ierend, zu erfahren, wie sehr die Vögel- und Insek­ten­zahlen in den ver­gan­genen Jahrzehn­ten gesunken sind. Wer 40+ ist, hat das vielle­icht selb­st beobachtet und erlebt. Den­noch finde ich, dass der Film in diesem Teil etwas zu sehr abschweift und etwas zu viel will. In den IMAX-Fil­men wäre nun die faszinierende Tier­forscherin oder der charis­ma­tis­che Tief­see­tauch­er aufge­treten und hätte uns gezeigt, wie sehr die Natur in Gefahr ist, und was man tun kön­nte. Mir wird in dieser vielle­icht 15-minüti­gen Phase zu viel gere­det und zu wenig gezeigt – und das finde ich aus einem ganz bes­timmten Grund ein biss­chen schade: Diese 15 Minuten gehen zu sehr ins Detail und erzählen zu viel, als dass Kinder und Jugendliche, die vorher von den Bildern und den Erzäh­lun­gen kom­plett ins Boot geholt wer­den kon­nten, nun etwas außen vorge­hal­ten wer­den. Die 15 Minuten sind nicht so riesig Fam­i­lien­film-geeignet. Und das war halt immer das, was die IMAX-Filme so sehr aus­geze­ich­net hat: Sie waren für prak­tisch alle Altersstufen von Kind bis Erwach­sen­em geeignet.

Den­noch: Wer sich (vor allem als Kind) da ein biss­chen durchkämpft, wird dann wieder durch faszinierende Bilder und Erzäh­lun­gen zur Meta­mor­phose und zu den Far­ben der Insek­ten­flügeln belohnt. Der Film kriegt die Kurve wieder – und in der Tat vere­int er einige der beein­druck­end­sten Nat­u­rauf­nah­men, die ich in jün­ger­er Zeit in Fil­men gese­hen habe.

Noch ein­mal zurück zur Entste­hung des Films: „Wo die Wahrnehmung der Kam­era nicht mehr aus­re­ichte, set­zten wir auf inno­v­a­tive Tech­niken mit den weltweit führen­den Part­nern in ihrem Fach: Ste­fan Diller pro­duzierte weltweit einzi­gar­tige, bewegte Elek­tro­nen­mikroskopauf­nah­men von Mück­en und Fal­tern”, erzählen die Film­pro­duzen­ten. „Wir haben die besten jemals erzeugten Flu­gauf­nah­men von Insek­ten sowie einzi­gar­tige Time­lapse-Auf­nah­men aufge­hen­der Blüten von Jamie Scott. (…) Wenn wir an die Gren­zen der Mach­barkeit stießen, wie bei der Meta­mor­phose eines Schmetter­lings, wo man nicht genau weiß, was im Inneren der
Puppe stat­tfind­et und sich keine Auf­nah­men machen lassen, grif­f­en wir auf Chris Parks zurück, der unter anderem die Uni­ver­sum­sauf­nah­men in Tree of Life pro­duzierte. Wir kom­binierten sie mit extrem abstrak­ten Auf­nah­men, für die Regie und Kam­era­mann Paul Pack sich mehrere Tage in Berlin in ein Stu­dio ein­schlossen, und in die tiefen Wel­ten der abstrak­ten Pho­togra­phie abtaucht­en. In dieser Kom­bi­na­tion kon­nten wir die für das Auge nicht wahrnehm­bare Trans­for­ma­tion der Meta­mor­phose erleb­bar machen.”

Ab 16. Juli 2026 startet der Film in den deutschen Kinos.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert