Das Schaf im Kino: Sophie Deraspes Spielfilm HIRTEN läuft ab dem 10. September 2026 im Kino

Sophie Deraspes Spielfilm HIRTEN ab dem 10. Sep­tem­ber 2026 im Kino

Gäbe es so etwas wie das Kinoti­er des Jahres, dann müsste es nach dem recht amüsan­ten Schaf­skri­mi GLENNKILL mit Hugh Jack­man und dem ganz anders gelagerten Spielfilm HIRTEN von Sophie Deraspe, der am 10.9. in die Kinos kommt, eben das Schaf sein. Der berühmteste Gen­re­vertreter des Schaf­films ist natür­lich SHAUN DAS SCHAF, aber auch ins Hor­ror­genre ist das Tier min­destens ein­mal einge­drun­gen, im neuseeländis­chen Film BLACK SHEEP aus dem Jahr 2006 – und, auf ganz andere Weise, zulet­zt im Jahr 2021 in LAMB mit Noo­mi Rapace.

Das Leben in ein­er Schaf­sh­erde ist natür­lich weit­ge­hend mit dem ländlichen Leben verknüpft, jedoch begeg­net uns hier in der Großs­tadt doch auch regelmäßig eine kleine Schaf­sh­erde, auf dem Tem­pel­hofer Feld näm­lich, wo es genü­gend abzu­grasen gibt, solange die Frei­fläche nicht bebaut wird.

Die kanadis­che Filmemacherin Sophie Deraspe hat sich nun ein­er Buchvor­lage angenom­men, „Woher kommst du, Hirte?“ von Math­yas Lefebu­re. „Seit­dem diese Geschichte in den 2000er Jahren geschrieben wurde, ist einige Zeit ver­gan­gen”, erzählt die Filmemacherin. „Die Welt hat sich verän­dert, es gab eine Pan­demie, zahlre­iche Kon­flik­te, und die Kli­makrise – die damals zwar schon vorhan­den war – hat sich ver­schärft. Das hat bes­timmte Rich­tun­gen bee­in­flusst, die das Drehbuch­schreiben und die Drehar­beit­en selb­st ein­schla­gen kon­nten. Die Art des Zusam­men­bruchs, den wir ger­ade erleben, macht uns die Fragilität des Sys­tems bewusst und damit auch die Tat­sache, dass man daraus aussteigen kann – oder zumin­d­est davon träu­men kann, dass es anders geht. Dieser Traum, aus dem Sys­tem auszusteigen, hat es schon immer gegeben, aber Math­yas hat mehr getan, als nur davon zu träu­men. Er hat es getan, und zwar ohne große poli­tis­che Parolen zu ver­bre­it­en. Ein­fach indem er es tat. Es war inspiri­erend, zu diesem The­ma zurück­zukehren, das so ein­fach und zugle­ich so groß ist.”

Sophie Deraspes Spielfilm HIRTEN ab dem 10. Sep­tem­ber 2026 im Kino

In der Hitze Süd­frankre­ichs, in Arles, in einem kleinen Hotel gegenüber des antiken The­aters von Arles. Math­yas’ Kred­itkarte ist am Lim­it. „Aber ich komme nicht zurück”, zurück meint nach Mon­tréal, Kana­da, wo er als Wer­be­tex­ter arbeit­ete und einen stress­be­d­ingten Zusam­men­bruch erlebte. Eines Tages will er vielle­icht zurück­kehren, das weiß er noch nicht. Aber jet­zt ist Süd­frankre­ich erst ein­mal ein großar­tiger Ort, um sich von den Stra­pazen des heimis­chen Berufs und von der Großs­tadt zu erholen. Aber was dort tun? „Mein Gehirn sendet Sig­nale, die mein Herz ver­langsamen”, berichtet er in die Heimat. Aber jet­zt kippt er erst­mal vom Stuhl. Er sendet Nachricht­en nach Hause, in denen er mit sein­er Ver­gan­gen­heit abschließt – und abrech­net. So wie es war, kann sein Leben nicht weit­erge­hen. Da sitzt er also in Arles und denkt über Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukun­ft nach. In einem Anti­quar­i­at stößt er auf alte Werke wie „Der gute Schafhirte”. Oder ein Sach­buch darüber, wie man Schafe auf die Hochwei­de führt. Drei Schäfer­sach­büch­er, ein Mess­er und eine Wurst kauft er in dem Laden. Eine her­vor­ra­gende Grund­lage für die neue Kar­riere als Schäfer. Ein echt­es Schäfer­mess­er, handge­fer­tigt, erläutert der Verkäufer. Was meinen denn die anderen Men­schen in seinem Umfeld so? Dass er ein Roman­tik­er sei. Vielle­icht aber auch ungeeignet für den neuen Beruf. Oder ein Spin­ner? Aber wie wird man das über­haupt? Okay, mit Schafzüchtern sprechen, ist der Tipp. Stadtjunge, Kif­fer, etc. Man macht sich über ihn lustig. „Ich möchte das echte Leben erleben”, sagt Math­yas zu sein­er Vertei­di­gung. Aber die Geschäfte ste­hen schlecht, die indus­trielle Land­wirtschaft habe alles zer­stört. Aber Math­yas hat auch einen Für­sprech­er unter den Züchtern, der die Lei­den­schaft mag, die er ausstrahlt. Denn eigentlich gäbe es sehr wohl einen großen Bedarf an Schäfern. Also bekommt er die Chance, Mon­sieur Richard gewährt ihm diese. Aber Math­yas hat noch einen weit­eren Plan: Er will ein Buch über seine neue Beru­fung schreiben. Aber zunächst ein­mal: Die Wollepreise sind im Keller.

Und dann ist er mit­ten in der neuen Lei­den­schaft. Aber natür­lich hat er wenig Ahnung, die Kol­le­gen begeg­nen ihm mit Mis­strauen. Aber auch auf Kol­le­gen, die bere­it sind, ihm ihr Wis­sen zu ver­mit­teln. Sie teilen mit ihm die Philoso­phie des Schäfer­berufs. Und: Was hält er eigentlich von Wölfen? Aber kaum hat er damit ange­fan­gen, sich mit Schafen zu beschäfti­gen, scheint seine Kar­riere schon zu Ende: Sein Chef hat keine Kapaz­itäten, ihn auszu­bilden. Aber so schnell lässt er sich nicht beir­ren. Vielle­icht hil­ft man ihm auf dem Amt? Nein, aber immer­hin lernt er dort eine junge Beamtin ken­nen­ler­nen, Elise, für die er sich inter­essiert und mit der er in Kon­takt bleibt.

Dann kommt ein Anruf: Man kann ihn brauchen. Ger­ard, ein Züchter meldet sich bei ihm. Schwierig, sehr schwierig sei die Arbeit. Und so geht es am näch­sten Tag los. Der alte, erfahrene Schäfer Ahmed erzählt ihm, was er so wis­sen muss, wo der näch­ste Puff ist, und wie man mit Schafen umge­ht. Und so lernt er von Tag zu Tag – und macht sich Noti­zen. Aber was man da alles falsch machen kann. Hüten, Impfen, Schlacht­en, die Schafe beobacht­en, und was noch alles.

„Die Ver­fil­mung hat fast schon Märchen­charak­ter”, erzählt Sophie Deraspe. „Math­yas, mit all sein­er Unbe­fan­gen­heit und Aus­dauer, begin­nt trotz sein­er Uner­fahren­heit eine Wand­lung, die ihn in ver­schiedene Aben­teuer führen wird. Während er das Leben als Hirte ken­nen­lernt, wird er Teil ein­er mehr als tausend­jähri­gen Tra­di­tion: dem nomadis­chen Leben mit den Her­den. Die Natur prägt sein Wesen und eröffnet ihm einen inneren Raum, in dem Für­sorge für andere und Liebe trotz aller Schwierigkeit­en ihren Weg find­en kön­nen. Schon sehr früh bin ich nach Süd­frankre­ich und in die Alpen gereist, um auf den Spuren von Math­yas zu wan­deln. Ich musste die Welt der Hirten und Viehzüchter, ihre Beziehung zum Land und zu den Her­den spüren, sie hören und schmeck­en – meine Sinne mussten voll und ganz ange­sprochen wer­den, um all das anschließend in Drehbuch und Insze­nierung umset­zen zu kön­nen.”

Sophie Deraspes Hirten-Film ist an manchen Stellen etwas vorherse­hbar und auch ein Vier­tel­stünd­chen zu lang, aber den­noch ist es ein schön­er, berühren­der Film mit tollen Bildern. Mir hätte weniger Dia­log und mehr Schweigen, visuelles Erzählen bess­er gepasst, aber den­noch ver­set­zt man sich sehr gerne in die Rolle des Pro­tag­o­nis­ten. Noch ein­mal die Regis­seurin: „Eine Herde mit einem sehr guten Hirten und einem Hund lässt sich zwar mehr oder weniger dor­thin führen, wo man will, aber das ist auch nicht sich­er, und außer­dem kann sie nicht zweimal densel­ben Weg gehen. Als Regis­seurin ist es meine Auf­gabe, bere­it zu sein, Ver­trauen zu haben und dieses Ver­trauen dann meinem Team zu ver­mit­teln, damit sie wis­sen, dass es darauf ankommt, präsent, aufmerk­sam und wach­sam zu sein, um den richti­gen Moment einz­u­fan­gen. Und die Fähigkeit zu haben, sich schnell umzu­drehen. Was ich daran außergewöhn­lich finde, ist, dass die Real­ität oft reich­haltiger ist, als man es sich zu schreiben trauen würde.”

Regie SOPHIE DERASPE
Drehbuch SOPHIE DERASPE & MATHYAS LEFEBURE
Pro­duk­tion KIM McCRAW, LUC DÉRY, ÉLAINE HÉBERT
CAROLINE BONMARCHAND & XENIA SULYMA
Pro­duk­tions­fir­men MICRO_SCOPE & AVENUE B PRODUCTIONS
Kam­era VINCENT GONNEVILLE
Kün­st­lerische Leitung ANDRÉ-LINE BEAUPARLANT
Schnitt STÉPHANE LAFLEUR
Kostümgestal­tung ÉRIC POIRIER
Orig­i­nal­musik PHILIPPE BRAULT
Tonauf­nahme STEPHEN DE OLIVEIRA

BESETZUNG
Math­yas FÉLIX-ANTOINE DUVAL
Élise SOLÈNE RIGOT
Cécile Espriroux GUILAINE LONDEZ
Ahmed MICHEL BENIZRI
Dudu DAVID AYALA
Agnès Tel­li­er VÉRONIQUE RUGGIA SAURA
Nas­sim YOUNÈS BOUCIF
Gérard Tel­li­er BRUNO RAFFAELLI
Clotilde ALOÏSE SAUVAGE

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