Mit der Super 8‑Kamera in Italien: FÜR IMMER 16 ab 27. August 2026 im Kino

FÜR IMMER 16

Klingt erst­mal wie eine Teenag­er-Com­ing-of-age-Komödie, ist es aber nicht. Char­lotte, Hele­na und Oskar sind drei Fre­unde, die sich nach langer, langer Zeit wieder ein­mal tre­f­fen. Gemein­sam fahren sie in den Urlaub, mit­tler­weile haben sie sich verän­dert und weit­er­en­twick­elt. Char­lotte beispiel­sweise ist eine reiche und bekan­nte Schaus­pielerin, sog­ar der Tax­i­fahrer erken­nt sie. Hele­na und Oskar hinge­gen sind sehr, sehr arm. Char­lotte lädt die bei­den in den Urlaub in den Süden ein. Früher waren sie die exper­i­mentelle Film­gruppe „Für immer 16”, aber dann hat­ten sie sich zer­strit­ten. Jet­zt, wo sie es noch ein­mal ver­suchen, brechen lei­der doch wieder Stre­it und Neid und und und wieder aus. Aber kurz­er­hand drehen sie dann doch vor Ort noch einen neuen Under­groundin­de­pen­dent­film: „Demen­zia”. Über eine män­ner­mor­dende Irre. Aber welch­es psy­chol­o­gis­che Motiv soll die Pro­tag­o­nistin haben?


Brezel Göring, der Regis­seur des Films, erzählt: „Der Film ‚Für immer 16’ beruht auf einem Roman von Françoise Cac­tus. Sie hat sich vorgestellt wie es wäre alt zu sein und die Kumpels von früher wiederzuse­hen: also Sci­ence-Fic­tion, bezo­gen auf die Indi­vid­u­alpsy­cholo­gie. Sie machen da weit­er, wo sie aufge­hört haben: 1. sie drehen einen Film und 2. sie zanken sich! Neben den Rival­itäten und Stre­it­ereien stellen sich auch grund­sät­zliche Fra­gen: wie altern Sub­ver­sion, schwarz­er Humor, Anti­moral, Gen­deri­den­titäten, Fem­i­nis­mus, jugendliche Fun­da­men­talop­po­si­tion? Und wie kann man ver­hin­dern, dass Sub­ver­sion Teil des Main­streams und der Ver­w­er­tungskul­tur wird? Die drei Haupt­per­so­n­en ste­hen für unter­schiedliche For­men des Scheit­erns: Char­lotte kom­merzial­isiert sich, Hele­na ver­bit­tert über der Erfol­glosigkeit und Oskar gibt resig­niert die Kun­st auf. Die fik­tive Kun­st­gruppe, um die es geht, drehte Super-8-Filme. Dieses preiswerte For­mat, ursprünglich für den Heimge­brauch und Urlaub­s­filme entwick­elt, wurde das Sym­bol kul­tureller Dis­si­denz und die Ästhetik des antikom­merziellen Wider­stands jenes
Zeital­ters, in dem dieses dilet­tan­tisch-geniale Trio aktiv war. Der Film ‚Für immer 16’ wurde eben­falls auf Super-8-Mate­r­i­al gedreht. Das Leben der Pro­tag­o­nistIn­nen zeich­net sich durch den rauen, grobkörni­gen Charme, die traum­gle­iche Unschärfe und die Indif­ferenz des Ama­teur­for­mats aus. Die Umw­er­tung der Werte find­et auch an der Periph­erie statt.”

Bei der Gele­gen­heit fällt mir übri­gens Michael Bryn­ntrups wun­der­bares Buch „Super 8”, 2022 von Salzge­ber her­aus­gegeben, ein. Damals schrieb ich: „Michael Bryn­ntrup – und dem Salzge­ber-Buchver­lag – gelingt also so Vieles mit diesem großar­ti­gen, bisweilen auch humor­vollen und selb­stiro­nis­chen (um noch zwei Attribute zu nen­nen) Buch: Neben der eige­nen, also Bryn­ntrups, Super-8-Geschichte erzählt das Buch darüber hin­aus viel über einen kaum erfassten Zweig der Filmgeschichte, gibt aber auch einen tiefen, faszinieren­den Ein­blick in einen Teil der (vor allem) Berlin­er Kul­turgeschichte, auch der queeren Berlin­er Kul­turgeschichte und in eine Zeit, die ich in Berlin eben noch nicht erlebt habe, die auch, glaube ich, in Vergessen­heit zu ger­at­en dro­ht – aber doch auch bis heute ihre Spuren hin­ter­lassen hat – und sei es im bis heute existieren­den Inter­film Fes­ti­val.” Aber das nur neben­bei.

Zurück also zum Film. In seinen „Noti­zen” schreibt Brezel Göring: „Ich glaube, die Ner­ven und die Intel­li­genz des Pub­likums sind sehr belast­bar. Vielle­icht ist die psy­chol­o­gis­che Glaub­würdigkeit der Per­so­n­en im Film das Wichtig­ste. Mit viel Fleiß und Geld kön­nte ich eine per­fek­tere Kinoil­lu­sion als diesen Film her­stellen. Aber ich halte das für sinn­los. Am analo­gen Super-8-Film schätze ich die Unschärfe und die Unklarheit.” Meine Ner­ven und meine Intel­li­genz sind aber ganz früh aus­gestiegen. Lei­der. Und das liegt über­haupt gar nicht an den Super 8‑Bildern, obwohl natür­lich die Bildqual­ität der Stop-Motion-Filme meines elfjähri­gen Sohnes bess­er ist, als die von „Für immer 16”, aber das ist gar nicht das Prob­lem. Tech­nisch „schlechte” Bilder ken­nen wir in jün­ger­er Ver­gan­gen­heit ja auch aus dem dig­i­tal­en Bere­ich, ich mag an den auf ein­er ural­ten Handykam­era gedreht­en DRY LEAF von Alek­san­dre Koberidze erin­nern, der dieses Jahr in die Kinos kam. Hab ich geliebt, trotz der Pix­el­bilder. Manch­mal auch wegen der Pix­el­bilder. „Alek­san­dre Koberidze gelingt ein wun­der­volles, kleines/großes Meis­ter­w­erk der geor­gis­chen Filmgeschichte. Den­noch schlage ich vor, dass wir zusam­men­le­gen und ihm für seinen näch­sten Film eine neue Kam­era spendieren”, schrieb ich damals. Oder erin­nern wir uns an alle Filme von Hong Sang-soo, unge­fähr jährlich auf der Berli­nale zu sehen.

Aber lei­der holt mich dann die son­der­bar darüberge­sup­pte „Synchron”-Tonspur von FÜR IMMER 16 ab Sekunde eins aus dem Film her­aus und ich bekomme Ton und Bild in meinem Kopf nicht zusam­menge­bracht. Tut mir leid.

So sehe ich mich lei­der nicht in der Lage, was Schlaues über den Film zu schreiben und kann nur rat­en: Schaut euch den Film sel­ber an, aber seid auf diese Ton-Bild-Diskrepanz vor­bere­it­et. Ihr schafft das, ich glaube ihr seid da offen­er als ich.

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