AT THE SEA im Wettbewerb der Berlinale 2026

Amy Adams. At the Sea von Kornél Mundruczó. USA, HUN 2026, Wettbewerb · Berlinale Special. © 2026 ATS Production LLC. —

Cape Cod ist eine Halbinsel und ein beliebtes Urlaubsziel in Massachusetts. Zur Orientierung: Cape Cod liegt zwischen New York und Boston, so viereinhalb Stunden mit dem Auto von New York weg, eine gute Stunde von Boston. Einst landete dort die Mayflower, JFK hatte dort sein Sommerdomizil, „Kabeljau, Kennedys und Cranberries“ lautet der Untertitel einer mareTV-Doku. Herrliche Sandstrände, Whale Watching, Kunstgalerien und Fischrestaurants. „Our charming coastal New England destination offers a perfect blend of iconic landscapes, historic charm and stunning beaches“, fasst die offizielle Internetseite den Urlaubsort zusammen. Ich weiß nicht, ob die Filmgeschichte von Cape Cod schon geschrieben ist, aber jedenfalls mag ich mich erinnern, schon etliche Filme gesehen zu haben, die dort spielen oder zumindest eine entsprechende Urlaubsszene dort spielen lassen.

At the sea, am Meer. Bevor Laura zurück in ihr großes Anwesen nach Cape Cod zurück darf, muss ihr Arzt in der Entzugsklinik guter Dinge darüber sein, dass ihre Rückfallgefahr gering ist. Ein letztes Mal nimmt sie noch am Trommelkurs teil, dann kann sie die Familienfotos in ihrem Zimmer abhängen. Einst war sie eine berühmte Tänzerin, doch heute weist ihr Bein eine lange Narbe auf. Aber sie ist, oder war? die Besitzerin, Leiterin, Heschäftsführerin der berühmten Tanzkompanie ihres Vaters, der mindestens eine zwiespältige Figur war, wie wir in häufigen Rückblenden erkennen – eine glückliche Kindheit hat Laura wohl nicht gehabt. Ihren Alkoholismus hat man lange verdrängt – und dass sie auf Entziehungskur war, hat man selbst in ihrem engen Umfeld verheimlicht. Auf Bali sei sie gewesen. Auf Recherchereise. Die unzähligen Anrufe ihres Assistenten Peter hat sie ignoriert, bzw. ignorieren müssen, in der Klinik musste sie ihr Habdy abgeben. Und nun kommt sie zurück, zu ihrem Mann Martin, der offensichtlich der Abtrieb in der Verheimlichungs- und Verdrängungsstrategie war, der aber immerhin die Familie und das Anwesen in Ordnung gehalten hat. Da ist ihr junger Sohn Felix, der ihr übel genommen hat, dass sie so lange weg war – und der noch unter dem Unfall leidet, den seine Mutter verursacht hat, der Anlass für ihre Einweisung. Und da ist ihre Tochter Josie, eigentlich die einzige, die halbwegs durchblickt, was läuft, eindeutig der stärkste aller anwesenden Charaktere. Zu ihrer Mutter hat sie inzwischen eine große Distanz, sie kann ihr nicht verzeihen, was alles gewesen ist. Das Familienleben hatte seinen Gang genommen – und nun ist sie wieder da, verändert und konfrontiert mitvdem Leben, das auch ohne sie seinen Lauf nahm. Und nun muss sich Laura in ein Leben einfinden, das komplett verändert ist. Wird sie ihre Karriere im Tanzbusiness weiterführen? Will sie das überhaupt? Schafft sie es, die Verantwortung für ihren Sohn zu übernehmen? Wird ihre Beziehung zur Teenagertochter geflickt werden können? Wie kann ihr Leben weitergehen?

Zu sehr wandelt Kornél Mundruczós Film auf den Pfaden des Klischees, vieles ist erwartbar und wenig überraschend. Etwa dass der erste Ausflug Lauras mit Felix zum Strand schiefgeht, weil sie nicht genügend darauf aufpasst, dass er nicht in die Feuerquallen fasst. Und und und. Einzig ihr Verhältnis zu ihrer Tochter umschifft die erzählerischen Klischeeklippen – und die Nicht-Beziehung der beiden zueinander ist in der Tat der beste Teil des Films, der einen doch für einiges versöhnt, was vorger geschehen ist. Das ist übrigens, gegen Ende, dann auch der fimischste Teil des Films.

Kornél Mundruczó ist ein ungarischer Film- und Theaterregisseur, Jahrgang 1975. In Budapest studierte er Film. Mit nennenswerten Theaterinszenierungen machte er sich auch in Deutschland einen Namen. „Pieces of a Woman“ aus dem Jahr 2020 war schließlich sein erster englischsprachiger Film. Er lief in Venedig, zum Cast gehörten Vanessa Kirby und Shia LaBeouf, derzeit ist der Film auf Netflix zu sehen. Sein letzter Film war „Evolution“, der in Cannes lief, eine dreiteilige mit dem Trauma des Holocaust verknüpfte Geschichte. Der Film wird derzeit unter anderem auf „filmfriend“ gestreamt.

von Kornél Mundruczó | mit Amy Adams, Murray Bartlett, Chloe East, Brett Goldstein, Dan Levy
USA / Ungarn 2026

https://www.berlinale.de/de/2026/programm/202608333.html

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