
Etwas ganz Besonderes | Home Stories von Eva Trobisch
DEU 2026, Wettbewerb
© Adrian Campean / Trimafilm
„Etwas ganz Besonderes“ ist der dritte Spielfilm der Berliner Filmemacherin Eva Trobisch. Bereits mit ihrem Debütfilm „Alles ist gut“ erhielt sie 2018 beim Filmfest München, wo der Film seine Weltpremiere erlebte, den Förderpreis Neues Deutsches Kino und den FIPRESCI-Preis. „Ivo“ schließlich lief 2024 in der damals noch existierenden Sektion „Encounters“. Dazwischen war sie auch am Theater aktiv und inszenierte in Basel „Penthesilea“.
In einem Interview zu ihrem Film „Ivo“ sagte Eva Trobisch: „Menschen, Frauen wie Männer, können ja im einen Moment ein ratloses, aus dem Nest gefallenes Vögelchen sein und im nächsten ein ganzes Land regieren. Ich wehre mich etwas gegen diese allgemeinen Zuschreibungen von ’starken oder schwachen Figuren‘. Mich interessieren Helden genauso wenig wie Opfer. Aber vielleicht resonieren Figuren, die den Anspruch haben, Herr oder Frau im eigenen Laden zu sein insofern mit mir, als dass mich das Thema der Selbstbestimmung in beide Richtungen herausfordert.“
Im Jahr 2025 war Eva Trobisch in der Jury des Filmfestivals in Bozen, wo ein Jahr zuvor „Ivo“ gewonnen hatte. Zu jener Zeit, war „Etwas ganz Besonderes“ gerade in der Postproduktion. In einem Interview verriet sie damals einiges über ihren kommenden Film: „Es ist eine Familiengeschichte in der ostdeutschen Provinz, in Thüringen. Es geht um die Familie, die in Bewegung gerät, als die Tochter an einer Gesangs-Castingshow teilnimmt und weiterkommt. Nur steht weniger der Contest im Mittelpunkt des Films als vielmehr der Umstand, dass die Leute der Show zu ihnen nachhause kommen und eine Homestory drehen wollen. Die Show meint es gut, will nicht übergriffig sein, keine Stereotypen über die Leute stülpen, sondern versucht, aus den Familienmitgliedern heraus zu erzählen. Dafür wollen sie wissen, wie sie sich präsentieren wollen. Wer wollen sie sein, wenn sie es sich aussuchen können? Nur welche Geschichte erzählt man da? Die Idee zum Drehbuch hatte ich, als nach meinem ersten Film ein Fernsehteam zu mir kam und ein Porträt von mir drehen wollte. Da ratterten bei mir sofort die verschiedenen Szenarien durch den Kopf: Stelle ich mich vor mein schlaues Bücherregal, gehe ich zur Kiez-Bäckerei, so auf bodenständig, hole ich mit denen meinen Sohn ab und betone die Mutter in mir, oder doch lieber die Paris Bar? Ich war mit der Außenperspektive meiner Person beschäftigt und damit, wie ich wirken will. Das hat mich sehr angestrengt und beunruhigt. Aber auch interessiert. Und ich habe weitergedacht: was passiert, wenn man eine 16-Jährige vor diese Aufgabe stellt, die sich das vielleicht noch nie gefragt hat und plötzlich ihr mediales ich gestalten soll. Was macht das mit ihr und was macht das mit einer Familie, von der alle Mitglieder womöglich eine ganz andere Vorstellung davon haben, was die Geschichte ist, die es über sie zu erzählen gibt? Das dekliniert der Film dann durch die verschiedenen Beziehungen und Dynamiken innerhalb der Familie.“
Eva Trobisch hat in einem Interview die Entstehungsgeschichte des Filmes erzählt und erläutert, wo die Handlungsstränge der Geschichte herkommen – und das ist durchaus spannend und schön erzählt und charakterisiert. Die Regisseurin nannte als künstlerischen Einfluss „Yi Yi“ und „Shortcuts“ und das verstehe ich, auch wenn sich glaube ich in „Etwas ganz Besonderes“ insgesamt nicht zu sehr eine Geschlossenheit der vielfältigen Erzählungsteile ergibt, wie das in den beiden genannten Filmen der Fall ist. In der Tat hätte ich mir da doch noch einiges etwas ausführlicher erzählt lassen wollen – einer der seltenen Fälle bei Filmen, wo ich sagen würde: Ich hätte es besser gefunden, wenn der Film noch eine Dreiviertelstunde länger gedauert hätte.