ROSE von Markus Schleinzer im Wettbewerb der Berlinale

San­dra Hüller
Rose von Markus Schleinz­er
AUT, DEU 2026, Wet­tbe­werb
© 2026_Schubert, ROW Pic­tures, Walker+Worm Film, Ger­ald Kerkletz

Markus Schleinz­er, Jahrgang 1971, geboren in Wien. Ab 1995 trat er als Schaus­piel­er in Erschei­n­ung, sein Debüt gab er in „Ich gelobe” von Wolf­gang Murn­berg­er. Es fol­gten etliche Filme, meist Neben­rollen, oft Fernse­hfilme, „Die geliebte und der Priester”, „Die Ohrfeige”, „Die fremde Fam­i­lie”. Erstaunlich, dass seine Kar­riere dann mul­ti­pro­fes­sion­al wurde, ins­beson­dere war er dann irgend­wann als Cast­ing Direc­tor tätig, und das dur­chaus erfol­gre­ich: „Die Klavier­spielerin” von Michael Haneke, „Hund­stage” von Ulrich Sei­dl, „Slum­ming” von Michael Glawog­ger, „Die Fälsch­er” von Ste­fan Ruzow­itzky, „Das weiße Band” wiederum von Michael Haneke – und immer wieder unzäh­lige Filme von Wolf­gang Murn­berg­er. Im Jahr 2011 schließlich gab er sein Spielfilmde­büt, mit „Michael”. Der Film erzählt die Geschichte eines Mannes, der den zehn­jähri­gen Wolf­gang zu Hause bei sich einges­per­rt hat, ihn gefan­gen hält und ihn miss­braucht. „Michael” lief in Cannes. „Der Film, der die sex­uelle Gewalt nie direkt ins Bild fasst, entwick­elt seine nach­haltig ver­störende Wirkung ger­ade dadurch, dass er das Mon­ströse fest in die gesellschaftliche Nor­mal­ität ein­bindet”, schrieb Mar­tin Schwick­ert im Tagesspiegel.

Sein zweit­er Film, „Ange­lo” erschien 2018, spielt im 18. Jahrhun­dert, es ist die Geschichte eines Jun­gen, der aus Afri­ka ver­schleppt und nach Europa gebracht wird. DIE ZEIT schrieb: „Mit ana­lytis­ch­er Schärfe und fast hyp­no­tis­ch­er Konzen­tra­tion zielt der Film des öster­re­ichis­chen Regis­seurs Markus Schleinz­er ins Zen­trum gegen­wär­tiger Debat­ten über Fremd­heit, Zuschrei­bung, Iden­tität. ”

„Rose”, der nun im Wet­tbe­werb der 76. Berli­nale läuft, ist sein drit­ter Spielfilm, auch er zeigt wieder einen his­torischen Stoff, wir sind im 17. Jahrhun­dert, im Dreißigjähri­gen Krieg (wir erin­nern uns, 1618 bis 1648), irgend­wo in Deutsch­land kommt ein mys­ter­lös­er Sol­dat namens Rose in ein abgele­genes, protes­tantis­ches Dorf und behauptet er sei der recht­mäßige Erbe eines ver­lasse­nen Gut­shofs. Irgend­wie ist der Mann geheimnisvoll, die Dorf­be­wohn­er mis­strauen ihm hin­sichtlich sein­er Iden­tität. Tat­säch­lich, und das ver­schweigt bere­its nicht der Berli­nale-Fes­ti­val­text, han­delt es sich bei Rose um eine Frau. Übri­gens war das in früheren Zeit­en ein Ding, dass sich Frauen als Sol­dat­en verklei­de­ten und als Män­ner aus­gaben. Es gibt sog­ar eine Wikipedi­akat­e­gorie zu dem The­ma. Und man darf das auch hier in der Kri­tik erfahren, denn auch im Film erfährt man das von Anfang an. Rose überzeugt also die Dor­fof­fiziellen, dass sie/er der recht­mäßige Erbe des seit langem leer ste­hen­den Hofes sei. Schnell inte­gri­ert Rose sich als hil­fre­ich­es Mit­glied der Bevölkerung, ret­tet in einem Sturm die Schafe und erweist sich als sehr fleißig. Keine Prob­leme hat sie damit, ihr Geschlecht zu ver­heim­lichen – doch dann muss sie ihre Pflicht als Mann wahrnehmen: Sie muss heirat­en. Und damit begin­nt das Dra­ma.

Nun ist es ja so, dass ich einem Film, in dem San­dra Hüller mit­spielt, weit­ge­hend blind ver­traue, „Toni Erd­mann” aus dem Jahr 2016, „In den Gän­gen”, 2018 und ins­beson­dere aus dem Jahr 2023 gle­ich zwei Filme: „Anatomie eines Falls” und „The Zone of Inter­est” – für mich sind das vier der wichtig­sten Filme der let­zten zehn Jahre. Da kann auch mit „Rose” nicht viel anbren­nen. Ich finde ja auch Gode­hard Giese kön­nte bald in diese Kat­e­gorie nachrück­en: „Nie­mand ist bei den Käl­bern”, „Eine Mil­lion Minuten”, „Sad Jokes”. Und ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass wir von Caro Braun, die hier bei Markus Schleinz­er ihr Lang­film-Kin­ode­büt gibt, noch ganz viel hören und sehen wer­den.

Ich musste zunächst, als ich zum ersten Mal von dem Film gehört habe, zuallererst an „Des Teufels Bad” von Veroni­ka Franz und Sev­erin Fiala denken, der 2024 den Sil­ber­nen Bären der Berli­nale erhielt. „Rose”, ist dann aber doch anders. Es ist ein faszinieren­des Dra­ma, eine atem­ber­aubende Geschichte, voller bedrück­ender Wen­dun­gen und Über­raschun­gen. Ach ja, bei allem Dra­ma ist der Film manch­mal sog­ar witzig. In der Tat ist der Cast großar­tig, die Sto­ry beein­druck­end. Ein­er der wichtig­sten Filme dieser Berli­nale bis jet­zt.

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