Ferdinand Hodler in der Berlinischen Galerie

Ferdinand Hodler, Der Tag, 1899-1900, Foto: © Kunstmuseum Bern

Als ich unseren in Berlin wohnhaften Schweizer Freunden erzählte, dass die Berlinische Galerie das Werk des Schweizer Malers Ferdinand Hodler, antworteten die mir, ob ich denn wisse, wem ein nennenswerter Teil des Werkes Hodlers gehöre? Ahnungslos zuckte ich mit den Schultern. „Christoph Blocher. Du weißt wer Christoph Blocher ist?“ fragte mich Rebekka, eben unsere aus dem Berner Oberland stammende Freundin. Oh ja, wusste ich. Ich bin direkt an der Schweizer Grenze aufgewachsen, in Lörrach, und dort sahen wir täglich die Schweizer Nachrichtensendung im Fernsehen. Und daher wusste ich auch, dass Christoph Blocher ein rechtskonservativer Schweizer Politiker ist, wahrscheinlich so etwas wie der – ich gehe davon aus, dass der Vergleich an allen Ecken hinkt – Schweizer Le Pen. Vorsichtshalber kurz nachgegoogelt: Stimmt, Blocher gehören etliche Hodler. Aber dafür kann ja Hodler nichts.

Der nächste Gedanke, der mich beschäftigte: Was um alles in der Welt stellt die Berlinische Galerie, die sich ja auf beeindruckende Weise um das Berliner Kunstschaffen kümmert, das Werk Hodlers aus? Oder anders gefragt: Was hat der 1853 in Bern geborene Maler überhaupt mit Berlin zu tun? Der Ausstellungstext klärt mich auf: „Hodlers Weg zum Ruhm führte über Berlin.“ Und in der Tat: Hodler war an Dutzenden von Ausstellungen in Berlin beteiligt. Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie zeigt Hodler dann auch als wichtigen Teil der Berliner Moderne.

Ferdinand Hodler, Die Nacht, 1889-1890, Foto: © Kunstmuseum Bern

Dabei hatten die Berliner Kunstinteressierten mit den symbolistischen Figurenbildern des Schweizers zunächst ihre Probleme. Die Kunstwelt selbst, Künstlerinnen und Künstler, Kritikerinnen und Kritiker, die mit der Moderne vertraut waren, hatten weniger Probleme. Die Öffentlichkeit rümpfte bisweilen noch die Nase. Doch Hodler selbst und seine Unterstützer blieben hartnäckig und so wurde Hodlers Werk immer mehr zu einer Erfolgsgeschichte in Berlin.

Paul Cassirer, der Berliner Verleger, Kunsthändler und Galerist bezog in einem klugen Schachzug 1907 Hodlers gefälligeres, naturalistisches Frühwerk in eine Gruppeneinstellung mit ein und konnte so dafür sorgen, dass der Schweizer in Berlin mehr Akzeptanz erfuhr. Im Jahr 1911 gelang es Cassirer dann, Hodlers Werk in einer erfolgreichen Einzelausstellung zu zeigen.

Ferdinand Hodler, Die Lebensmüden, um 1892, Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, Winterthur, Foto: © SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz)

Die Berlinische Galerie zeigt nun ungefähr 50 Werke Hodlers, gemeinsam mit etlichen Referenzwerken der Berliner Moderne. Wie schon so oft überzeugt die Berlinische Galerie mit einer hervorragend ausgewählten und unterhaltsam präsentierten Ausstellung. Kuratiert haben Dr. Stefanie Heckmann und Dr. Janina Nentwig. Sie entstand als Kooperation mit dem Kunstmuseum Bern, aus dem alleine 30 Werke stammen. Noch bis zum 17. Januar 2022 ist „Ferdinand Hodler und die Berliner Moderne“ zu sehen. Der gleichermaßen hervorragende Katalog ist im Wienand-Verlag erschienen und kostet 34,80€ (Museumsausgabe).

Ferdinand Hodler, Heilige Stunde, 1911, © Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, Winterthur; © SKKG, 2020 // SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz)

„Ferdinand Hodler und die Berliner Moderne“, bis 17. Januar 2022

Berlinische Galerie

Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur

Alte Jakobstraße 124–128

10969 Berlin

Öffnungszeiten: Mi – Mo 10 – 18 Uhr

Ferdinand Hodler, Bildnis Hélène Weiglé, 1888, Foto: © bpk / Städel Museum / Ursula Edelmann

Ferdinand Hodler, Lied in der Ferne, 1904/05, Foto: © Kunsthalle Mannheim / Rainer Diehl

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