BERENSHTEIN von ROMAN SHUMUNOV (Israel 2021) beim Jüdischen Filmfestival Berlin-Brandenburg

„This film is based on the sto­ry of a Jew­ish par­ti­san” – ste­ht am Anfang des Films. Wir befind­en uns im Jahr 1941, die deutschen Trup­pen sind in die Sow­je­tu­nion einge­fall­en. Die sow­jetis­che Armee ist weit in den Osten zurückge­drängt, die Vertei­di­gungslin­ie befind­et sich in der Nähe von Kiew. Die Sol­dat­en der Sow­je­tarmee wer­den im Schützen­graben von einem Luftan­griff der Deutschen über­rascht. Dies ist die Geschichte eines der Sol­dat­en, Leonid Beren­shtein – Ukrain­er und Jude, der sich nach dem Angriff inmit­ten von Leichen sein­er Kam­er­aden wiederge­fun­den hat­te, bewusst­los lag er da, erst nach zwei Tagen wachte er wieder auf. Beren­shtein selb­st erzählt uns heute, in sein­er Woh­nung in Israel kurz vor seinem Tod, in aus­führlichen Inter­views, die er dem Regis­seur gab, seine Geschichte. Wir sehen ihn immer wieder in Inter­viewauss­chnitte, hören seine Stimme aus dem Off, bis wir wieder in die Spielfilm­szenen hineinge­zo­gen wer­den – die übri­gens mit beein­druck­enden Bildern insze­niert sind.

Beren­shtein, schw­er am Bein ver­let­zt, kämpft sich ins nahegele­gene Dorf und kommt dort in ein­er Hütte unter, in der schon einige sein­er Kam­er­aden ver­steckt von einem alten Mann, der dort mit sein­er Enke­lin lebt, ver­steckt gehal­ten wer­den. Sie wollen in bei der Flucht nicht mit­nehmen, weil er mit sein­er Ver­let­zung zu langsam ist. Als die Deutschen in das Dorf ein­fall­en, die Bevölkerung ver­schlep­pen und einige Men­schen, die sie für Juden hal­ten, erschießen, wird die Sit­u­a­tion für Beren­shtein prekär. In let­zter Not entkommt er zwei Wache ste­hen­den Sol­dat­en durch den Schnee. Er kämpft sich durch den harten Win­ter und stößt schließlich auf die Partisan*innen, zu denen er sich durchkämpfen wollte. Im Früh­ling 1943 hat er sich soweit erholt. Er hält sich in den Wäldern von Smela in der Zen­tralukraine auf. Die Partisan*innen sind ein sehr gemis­chter Trupp, ein Kün­stler ist dabei, Sol­dat­en, die den Kon­takt zu ihrer Ein­heit ver­loren haben, ein Jugendlich­er, ein paar junge Frauen. Alle wer­den zum Kampf aus­ge­bildet, aber im Gegen­satz zu den offiziellen Mit­gliedern der Roten Armee, wür­den sie im Ern­st­fall auf sich alleine gestellt sein.  Nie­mand würde ihnen helfen kön­nen. Ihr Ziel: Die Güterzüge der Deutschen mit dem mil­itärischen Nach­schub aufzuhal­ten. Dazu muss der Wald ihr zu Hause wer­den, sie müssen sich gut ver­steck­en kön­nen, dem Feind zuvorkom­men. Immer wieder stoßen sie auf deutsche Sol­dat­en. Sie kom­men hinzu, wie ein Dorf niederge­bran­nt und die Bevölkerung zusam­mengetrieben wird. Die Bevölkerung, alle, Kinder, Alte, wer­den in eine Hütte einges­per­rt, alles wird angezün­det, aber die Par­ti­sa­nen kön­nen nichts tun.

Beren­shtein entwick­elt sich zu einem geschick­ten, muti­gen Par­ti­sa­nen, der in der Lage ist, das Ver­hal­ten des Fein­des zu antizip­ieren und der zu einem geschick­ten Strate­gen wird, der seinen Trupp erfol­gre­ich anleit­et. Dass er Jude ist ver­heim­licht er meist. Er find­et sich aber auch in einem schw­eren Zwies­palt zwis­chen Moral und Befehl wieder, der ihn schw­er mit­nimmt, schließlich haben auch seine Geg­n­er Fam­i­lien oder Kinder. Auch die Moral in der Par­ti­sa­nen­truppe stellt eine Ehraus­forderung dar: Alle müssen hungern und es kommt immer öfter zu Auseinan­der­set­zun­gen zwis­chen den unter­schiedlichen Charak­teren. Dann ent­deckt Beren­shtein, dass Mit­glieder der Roten Armee die Zivil­bevölkerung aus­rauben und Frau verge­walti­gen. Das kann Beren­s­thein nicht dulden…

So beein­druck­end inten­siv die Schaus­piel­szenen sind und so ein­dringlich die Schilderun­gen Leonid Beren­shteins in den Inter­viewszenen sind, so ist die Kom­bi­na­tion von bei­dem zu viel. Ich hätte mir gerne einen Inter­view-Doku­men­tarfilm gewün­scht, eben­so wie einen ein­dringlichen Spielfilm, aber die Verknüp­fung der bei­den Gen­res nimmt sich gegen­seit­ig etwas weg und lässt den Film immer wieder in zwei Teile zer­fall­en, aus denen man jew­eils wieder her­aus­geris­sen wird. Der Doku­men­tarfilm ohne die schaus­pielerischen Teile wäre der stärkere, inten­si­vere Film gewe­sen, – und der Spielfilm hätte der Erläuterun­gen Beren­shteins in den Inter­viewszenen nicht bedurft.

Beren­shtein ist eine ein­drück­liche Per­sön­lichkeit, sowohl der hochbe­tagte Mann in den Inter­views, aber auch in der Darstel­lung durch den jun­gen Schaus­piel­er Yaroslav Kucherenko, der die Zer­ris­senheit des jun­gen Par­ti­sa­nen überzeu­gend spielt. Dem Regis­seur Roman Shu­munov gelingt es, den Film zwis­chen den Ver­brechen der Deutschen und denen von Mit­gliedern der Roten Armee zu verorten. Trotz der erwäh­n­ten Unterteilung in Doku und fik­tionale Darstel­lung gerät BERENSHTEIN so den­noch zu einem sehenswerten Film.

CREDITS

BERENSHTEIN

JFBB Sek­tion WETTBEWERB SPIELFILM

Regis­seur ROMAN SHUMUNOV

Land/Länder IL

Jahr 2021

Dauer 105

ROMAN SHUMUNOV ist ein israelis­ch­er Regis­seur, Drehbuchau­tor und Cut­ter. Er absolvierte mit Ausze­ich­nung die Film- und Fernsehstu­di­en am Sapir Aca­d­e­m­ic Col­lege und wurde bere­its mehrfach als ein­er der vielver­sprechend­sten jun­gen Regis­seure in Israel aus­geze­ich­net. 2016 eröffnete sein Doku­men­tarfilmde­büt „Baby­lon Dream­ers” das inter­na­tionale Film­fes­ti­val DocA­viv und gewann den ersten Preis. 2018 drehte er seinen nar­ra­tiv­en Spielfilm „Here and Now” – Gewin­ner des Ophir Awards (israelis­ch­er Oscar). Mit seinem drit­ten Film „Back to Cher­nobyl”, der 2020 her­auskam, kehrte Roman zum Doku­men­tarfilm zurück.

Das JÜDISCHE FILMFESTIVAL BERLIN-BRANDENBURG (14.–19. Juni 2022) zeigt BERENSHTEIN im Spielfilm-Wet­tbe­werb, Tick­ets für Berlin und Pots­dam gibt es jet­zt schon zu kaufen: https://jfbb.info/programm/filme/berenshtein

Das kom­plette Pro­gramm des Fes­ti­vals gibt es hier: https://jfbb.info/

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