Franz K. von Agnieszka Holland ab 23.10.2025 im Kino

Franz K. Von Agniesz­ka Hol­land, X Ver­leih, Mar­lene Film Pro­duc­tion

Prag, Anfang des 20. Jahrhun­derts: Franz Kaf­ka ist zer­ris­sen zwis­chen der Autorität des fordern­den Vaters, der Rou­tine im Ver­sicherungs­büro und der stillen Sehn­sucht nach kün­st­lerisch­er Ent­fal­tung. Während seine Texte erste Leser find­en, begin­nt die Reise eines jun­gen Mannes, der sich nach Nor­mal­ität sehnt, jedoch den Wider­sprüchen des Lebens begeg­net, dabei Lit­er­aturgeschichte schreibt und sich immer wieder Hals über Kopf ver­liebt. Getrieben von Liebe, Fan­tasie und dem Wun­sch nach Respekt, unter­stützt von seinem Fre­und und Ver­leger Max Brod, ent­fal­tet sich das eben­so berührende wie skur­rile Porträt eines der faszinierend­sten Denker der Mod­erne. Ein Film wie Kafkas Werk selb­st: über­raschend, poet­isch, unvergesslich. Die renom­mierte Regis­seurin Agniesz­ka Hol­land erschafft mit FRANZ K. ein eben­so kom­plex­es wie humor­volles Werk.
Sie gibt uns einen ganz eige­nen Ein­blick in das Wesen und Wirken des Phänomens namens Franz Kaf­ka. Dabei fängt sie die Monot­o­nie und Beength­eit seines All­t­ags genau­so ein wie die Vielschichtigkeit seines Wesens und
Viel­sprachigkeit sein­er Zeit. Idan Weiss als Franz Kaf­ka verkör­pert den zer­ris­se­nen Schrift­steller mit bemerkenswert­er Inten­sität. Mit Peter Kurth (u.a. BABYLON BERLIN, ZWEI ZU EINS, HERBERT, GOLD) als her­rischem Vater Her­mann, Katha­ri­na Stark (u.a. DEUTSCHES HAUS, Euro­pean Shoot­ing Star 2025) als eigensin­nige Schwest­er Ott­la und Car­ol Schuler (u.a. TATORT ZÜRICH) als Ver­lobte Felice Bauer ste­ht ein hochk­las­siges Ensem­ble an sein­er Seite. Für das Drehbuch ver­ant­wortlich war Marek Epstein, die Bildgestal­tung über­nahm Tomasz Nau­miuk. [Pres­se­text X Ver­leih]

Dies ist nicht die erste Ver­fil­mung von Kafkas Leben, doch Agniesz­ka Hol­land gelingt eine rauschhafte, sur­reale Film­bi­ografie, die dem Schrift­steller so nahekommt, wie sel­ten zuvor.

Prag, Ende des 19. Jahrhun­derts. Bere­its als Kind lei­det Franz Kaf­ka unter seinem autoritären Vater. Später ist es das „dumme Geschreib­sel“, das der Vater ablehnt und die Arbeit in der Ver­sicherung, die den ange­hen­den Schrift­steller nicht aus­füllt. Kaf­ka durch­lebt den Zwies­palt zwis­chen seinen Äng­sten, seinen Selb­stzweifeln und sein­er Sehn­sucht nach lit­er­arischem Erfolg. Diese Zer­ris­senheit spiegelt sich auch in seinem Ver­hält­nis zu den Men­schen in seinem Umfeld wider: zu seinem Fre­und und Men­tor Max Brod, zu sein­er liebevollen Schwest­er Ott­la – und in den schwieri­gen Beziehun­gen zu den Frauen in seinem Leben.

Agniesz­ka Hol­land, eine der bedeu­tend­sten europäis­chen Regis­seurin­nen, ver­mei­det die bloße Aneinan­der­rei­hung biografis­ch­er Sta­tio­nen. Stattdessen greift sie zu ein­er Vielzahl kreativ­er, cineast­is­ch­er Mit­tel und fügt die Szenen zu einem assozia­tiv­en Kaf­ka-Porträt zusam­men. Die erzäh­lerischen Hin­ter­gründe hauchen dem Film Leben ein – das Juden­tum ins­beson­dere, aber auch die Stadt Prag. Die filmis­chen Mit­tel schaf­fen eine vielschichtige Atmo­sphäre und ver­lei­hen dem Werk eine sur­reale Wirkung – ins­beson­dere durch die Bild­sprache des Kam­era­manns Tomasz Nau­miuk. Immer wieder fall­en Fig­uren aus ihren Rollen und sprechen direkt zum Pub­likum: Max Brod zum Beispiel, oder Kafkas Schwest­er, die uns einen tiefen Ein­blick in die Psy­che des Pro­tag­o­nis­ten gewährt. Zur Vielfalt des Films gehören der düstere Humor, The­ater­szenen, Traum­se­quen­zen und Zeit­sprünge in die Naz­izeit und ins Prag der Gegen­wart. Dieses Mosaik kön­nte in seine Einzel­teile zer­fall­en, tut es aber nicht. Hol­land gelingt ein bril­lantes, schillern­des Werk, das dem Zuschauer einiges abfordert, das aber in manchen Szenen an die kraftvoll­ste aller Kaf­ka-Ver­fil­mungen erin­nert: „Der Prozess“ von Orson Welles.

Bleibt noch eine Frage: Wer spielt diesen Kaf­ka? Hol­land entsch­ied sich für einen Neul­ing, den jun­gen deutschen Schaus­piel­er Idan Weiss in sein­er ersten Kinorolle. Er ist die große Ent­deck­ung dieses Films. Man nimmt ihm seine Darstel­lung jed­erzeit ab, die Wider­sprüch­lichkeit der Haupt­fig­ur und den gelun­genen Ver­such, gegen alle Kaf­ka-Klis­chees anzus­pie­len.

„Ich kan­nte den Film ‚Hitler­junge, Salomon‘,‚Europa, Europa‘ ist der inter­na­tionale Titel. Und dann habe ich noch vor dem Cast­ing, glaube ich, ‚Green Bor­der‘ gese­hen. Die Arbeit war großar­tig. Sie ist ein­fach unfass­bar men­schlich in allem, was sie von sich gibt. Sie ist immer sehr konzen­tri­ert auf das, was sie macht, bringt immer diese gewisse Energie und Präsenz, mit der sie viel aus­löst. Ich habe viel von ihr ler­nen und auch Dinge anders betra­cht­en kön­nen, als es in der Branche üblich ist. Die Arbeit mit ihr war großar­tig. Sie ist ein wun­der­voller Men­sch. Es war eine kost­bare und auch vor allem eine ver­rück­te Zeit.“ „Sie schafft erst ein­mal einen Raum für Men­schen, sodass sich alle wohlfühlen. Ich weiß nicht, wie sie das genau macht, aber sie kreiert einen Raum, in dem alle wis­sen: Ok, hier entste­ht ger­ade etwas Wichtiges. Sie schafft so eine sehr beson­dere Atmo­sphäre. Bevor wir gedreht haben, haben wir uns getrof­fen und sind das Drehbuch durchge­gan­gen. Das waren Szenen, die für sie wichtig waren, und Szenen, die für mich wichtig waren. Darüber haben wir viel gesprochen. Sie hat immer eine sehr klare Vision, wie was sein soll. Und gle­ichzeit­ig – das ist so span­nend – gibt sie in ihrer klaren Vision trotz­dem viel Raum für Impro­vi­sa­tion. Ich hat­te also sehr viel Frei­heit, zu impro­visieren und Dinge auszupro­bieren. Es ist so eine Art Gemein­samkeit ent­standen.“ [Idan Weiß auf Radio Prague Inter­na­tion­al]

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