FOREST UP IN THE MOUNTAIN von Sofía Bordenave im Forum der Berlinale

Forest up in the Mountain von Sofía Bordenave
ARG 2026, Forum
© Ezequiel Salinas

Es ist gut zehn Jahre her, dass ich dieses wunderbare Land Argentinien besucht habe, Buenos Aires, diese vibrierende und wunderbare Hauptstadt, das Tigre-Delta, in dem wir einige Tage auf einer einsamen kleinen Insel die wunderbare Natur und das großartige Gastgeberehepaar genossen, Patagonien, wo unser Reisebus in den Graben fuhr, Gott sei Dank gab es keine Verletzten, nur eine beschädigte Windschutzscheibe, Feuerland, wo wir durch den winterlichen Nationalpark wanderten, in einer unglaublichen Einsamkeit und Ruhe. Seither versuche ich, wo es geht, argentinische Filme zu sehen, ob Spielfilme oder Dokumentarfilme, ob unterhaltsame oder politische Stoffen, ob Komödien oder Dramen. Viel zu viel verpasse ich doch – wirklich zu viel, als dass ich mich irgendwie als einen Spezialisten für den argentinischen Film bezeichnen könnte.

Sofía Bordenave ist gleichzeitig Filmemacherin als auch Menschenrechtsanwältin. Sie wurde in Córdoba geboren, ein paar hundert Kilometer nordwestlich von Buenos Aires. Ihr Film Estrella Roja lief 2021 beim Filmfestival von Mar del Plata und gewann den Young Critics Award für den besten Debütfilm. Zur Zeit entsteht ihr Debüt-Spielfilm, All the Shipwrecks in the World. Seit mehr als 30 Jahren engagiert sie sich für die Rechte indigener Gemeinschaften.

Im Jahr 2017 wurde der junge Mapuche Rafael Nahuel in einem Waldgebiet bei Villa Mascardi in den patagonischen Anden von der Polizei der argentinischen Küstenwache getötet. Die nächstgrößere Stadt in der Nähe ist Bariloche, immerhin 120.000 Einwohner. Bordenave rekonstruiert nun das Verbrechen, wertet Gerichtsunterlagen, Satellitendaten, Beweisfotos, Bilder vom Tatort und Akten aus. Der Film ordnet die Tat in eine Reihe von staatlicher Gewalt gegen die indigene Bevölkerung Argentiniens ein. Dazu holt der Film in einem großen historischen Bogen aus, bis ins späte 19. Jahrhundert, in die Zeit der Kolonisierung nach der „Conquista del desierto“.

Bordenave deckt das Machtgefälle zwischen Staat und Indigenen auf und weist auf die industrielle Ausbeutung der indigenen Lebensräume hin. Menschen werden entwurzelt, verlieren ihre Heimat und den Bezug zu ihrer Geschichte. Der Wald wird dabei zum entscheidenden Ort und zum Platz des Widerstandes.

Bisweilen ist es nicht einfach, die Tatortuntersuchungen als Zuschauer einzusortieren und einzuordnen, es wird viel geredet, ohne dass ich genau verstehe, worüber gerade diskutiert wird. Es ist eine Menge Menschen am Tatort unterwegs und das macht mir das Verständnis nicht sehr einfach. Es gibt Zeugenaussagen, die ich nicht so recht verstehen und bewerten kann. Was ist denn genau passiert? Ich bräuchte unbedingt jemanden, der mich an der Hand nimmt und das, was da erzählt wird, einsortiert und einordnet – bewertet. Irgendwer erzählt, dass irgendwer irgendwo hingerannt ist. Interessanter wird es schließlich mit der Einordnung in den historischen Hintergrund, mit einer Vielzahl alter Bilder, damit kann ich dann mehr anfangen.

„Der Fall Rafael Nahuel sowie die Zeit unmittelbar vor und nach seiner Ermordung ermöglichten es der argentinischen Regierung, ein Narrativ zu konstruieren, das die Mapuche und ihre Gemeinschaften als Feinde der argentinischen Nation darstellte“, erzählt Bordenave in einem Interview. „Ein Diskurs, der die Mapuche-Identität mit Gewalt verknüpfte, etablierte sich zunehmend. Mehrere im Film gezeigte Personen, darunter Johanna, die die letzte Aussage machte, sowie zwei junge Männer, darunter Fausto, der später Suizid beging, und Lautaro, der in den Gerichtsakten auftaucht, wurden in offizielle Terrorlisten der argentinischen Regierung aufgenommen. Diese Menschen leben unter prekären sozioökonomischen Bedingungen und ernähren ihre Familien in äußerst schwierigen Lebenslagen. Infolgedessen polarisierte sich die öffentliche Debatte um den Fall stark.“

Jener Teil mit der historischen Einordnung der Geschichte der Mapuche ist in der Tat spannend und lehrreich, aber ich habe mir in den meisten anderen Teilen des Films so sehr gewünscht, dass mir jemand bei der Einordnung des Gezeigten und Erzählten hilft. Ein Off-Kommentar, erläuternde Zwischentitel oder Ähnliches. Das hat mich leider alleine gelassen und nicht abgeholt, was schade ist.

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