Ein texanisches Roadmovie als Bildband: „GTX” von Jörg Rubbert im Kettler Verlag

Jörg Rub­bert: Heavy rain on TX 35 South, Port Lava­ca, Nov. 2023

Was freue ich mich immer, wenn ich bei Fotografie-Bild­bän­den eine Assozi­a­tion zu Kinofil­men habe, schließlich ist der Film, noch weit mehr als die Fotografie, jene Kun­st­form, die mich schon (fast) mein ganzes Leben begleit­et, jeden­falls spätestens, seit ich mit elf Jahren in der Kle­in­stadt, in der ich aufgewach­sen bin, Steven Spiel­bergs E.T. gese­hen habe. Irgend­wann, Ende der Achtziger­jahre, vielle­icht auch Anfang der Neun­ziger, habe ich das bis damals existierende Oeu­vre von Wim Wen­ders durchgeschaut. Und ein­er jen­er Wen­ders-Filme ist es, an die mich Jörg Rub­berts neuer Bild­band mit dem Kurzti­tel „GTX” erin­nert. Der Unter­ti­tel des Buchs lautet „Galveston/TX and the Gulf Coast. Road Trips 1987 – 2024”. Ist der Film, den ich meine vielle­icht „Paris Texas”, kön­nte man meinen? Läge vom Titel her nahe, ist es aber nicht, es han­delt sich um „Alice in den Städten”, jen­em 1974 auf rauem 16mm-Film gedreht­en Road­movie, mit Rüdi­ger Vogler in der Haup­trol­le und der damals 10-jähri­gen Yel­la Rot­tlän­der, die im Film die titel­gebende „Alice” spielte.

Obwohl ich von Jörg Rub­berts Bild­bän­den (von denen ich die Ehre hat­te eines mit ihm gemein­sam zu machen, näm­lich unser wun­der­volles New York-Pro­jekt „Livin’ in the hood”, wie auch GTX bei Ket­tler erschienen) gewohnt bin, dass der Fotograf mir in seinen wun­der­baren Tex­ten einiges über das The­ma, einige erlebte Anek­doten und viel darüber hin­aus­ge­hen­des Wis­senswertes erzählen wird, schaue ich den­noch erst ein­mal bei Wikipedia vor­bei, was denn da über dieses Galve­ston ste­ht: 53.000 Ein­wohn­er, knapp größer als meine Geburtsstadt Lör­rach; 80 Kilo­me­ter südöstlich von Hous­ton, in Galve­ston herrscht „Ost­seit­en­kli­ma”. Was ich ja bei Wikipedia-Ein­trä­gen über Städte immer am span­nend­sten finde, ist die Liste der Per­sön­lichkeit­en, die aus der entsprechen­den Stadt stam­men. Zwei Namen fall­en mir bei Galve­ston ins Auge: Bar­ry White, der berühmte Soul-Sänger („You’re the first the last my every­thing”) stammt aus Galve­ston, und der andere Name ist King Vidor, der Film­regis­seur der klas­sis­chen Hol­ly­wood­phase: „The Big Parade” kenne ich, noch aus der Stumm­film­phase, später „Nord­west-Pas­sage”, „Duell in der Sonne” und die „Krieg und Frieden”-Verfilmung mit Audrey Hep­burn und Hen­ry Fon­da.

Aber zunächst zum Fotografen: Jörg Rub­bert ist 1963 in Bad Sege­berg geboren, lebt heute als Fotograf in Berlin. Sein Genre ist die klas­sis­che Straßen­fo­tografie, er fotografiert das echte Leben, ungestellt, mit ein­er human­is­tis­chen Herange­hensweise. Die Men­schen ste­hen im Zen­trum sein­er Bilder, selb­st wenn er uns Bilder zeigt, in denen keine Men­schen zu sehen sind, wer­den wir Spuren des Men­schlichen ent­deck­en. Es ist Jörgs Beobach­tungs­gabe, seine Empathie und sein Gespür für die Details, die seinen Bildern etwas Beson­deres, etwas Atmo­sphärisches, etwas Erzäh­lerisches ver­lei­hen. Er fotografiert immer ana­log, mit Film, die meis­ten sein­er Serien sind Schwarzweiß, so auch beim vor­liegen­den Buch. Nach „Paris–New York-Berlin” (2015), „Days gone by” (2017), „Beach Lovers” (2020), „Paris au cours du temps” (2021), „Livin’ in the hood” (2023) und „ITALY – Street Pho­tographs 1978−−1986” (2024) ist „GTX-Galve­ston and the Texas Gulf Coast” bere­its seine siebtes Buch.

1987 bereiste Jörg erst­mal die tex­anis­che Ostküste. Was ihn damals schon faszinierte, schreibt er im Vor­wort, war, dass man von der Küsten­straße aus fast durchge­hend das Meer sah. Und so wird das Meer, so viel sei schon­mal gesagt, auf den Fotografien eine immer wieder bedeu­tende Rolle spie­len – und übri­gens auch jenes bere­its erwäh­nte Ost­seit­en­kli­ma, das immer wieder durch Nieder­schläge gekennze­ich­net ist, auch im Som­mer. Und wie erhofft und ver­mutet schildert Jörg Rub­bert uns zunächst ein­mal auch die Geschichte von Texas, ins­beson­dere jenes Küsten­streifen, um den es im Bildteil des Buch­es gehen wird – und auch da streifen wir wiederum the­ma­tisch Wet­ter­phänomene, näm­lich bedeu­tende Zer­störun­gen, die durch Hur­ri­canes im Lauf der Zeit immer wieder vorka­men. „With its open-heart­ed, down-to-earth and proud res­i­dents who pre­serve their indi­vid­u­al­i­ty, for me, Texas is a typ­i­cal piece of Amer­i­ca”, schreibt Jörg am Ende des Vor­worts – und leit­et damit schon ein­mal zu einem der wichti­gen The­men des Bild­ban­des über: die Men­schen, ins­beson­dere die Tex­an­er.

Im Haupt- und Bildteil des Buch­es begleit­en wir Rub­bert auf seinen Road­trips, von der Upper Coast über Galve­ston und Galve­ston Island, die Mid­dle Coast, dann Cor­pus Christi, Mus­tang Island und Brownsville zur Low­er Coast um mit einem Exkurs ins Rio Grande Val­ley zu schließen. Den einzel­nen Kapiteln vor­angestellt sind Geschichts­beschrei­bun­gen, Land­schafts­beschrei­bun­gen, voller wun­der­bar­er Details. Das ist span­nend und lehrre­ich – was aber, und da greife ich schon­mal vor, das Buch zu einem wun­der­baren, per­sön­lichen, emo­tionalen, erzäh­lerischen Buch macht sind jene kurzen Anek­doten, die uns Jörg immer wieder mit­ten im Bildteil erzählt. Ich werde, um das näher zu erläutern, später noch auf die eine oder andere Anek­dote zurück­kom­men.

Wir begin­nen also im Nor­dosten, an der Gren­ze zu Louisiana, mit einem Bild eines Willkom­menss­childes an alle, die den Staat Texas hier betreten, in der Nähe des Sabi­na Lakes. Aufmerk­same Leser wer­den erken­nen, wie dieses Bild am Ende noch eine Klam­mer bilden wird. Was ich ja bei dieser Art von Bild­band – und erst reicht bei Jörg Rub­berts Bild­bän­den – liebe, ist die Detail­ver­liebtheit, mit der er in den Bil­dun­ter­schriften angibt, wo wir uns befind­en. Gehen wir auf Seite 23, „Lake­view Clean­er, Sta­di­um Road, Port Arthur, Nov. 2023”, lautet die Bil­dun­ter­schrift. Anhand der abge­bilde­ten Straßen­schilder und der Haus­num­mer kann man den Ort exakt definieren – und bei Google Streetview nach­se­hen. Und so liebe ich es, hin und wieder Jörgs Reisen – wenn ich auch selb­st noch nie in Texas war – wenig­stens ein biss­chen mit Google Streetview nachvol­lziehen zu kön­nen. Was uns Jörgs Bild schon erzählt, bestätigt der Blick auf Streetview: Wir befind­en uns in ein­er recht trost­losen Ecke, viele der gegenüber­liegen­den Geschäfte scheinen schon geschlossen zu haben, immer­hin sieht es so aus, als ob die Lake­view-Reini­gung noch in Betrieb ist. Port Arthur, schreibt Jörg im Text zu diesem Kapi­tel, hat um die 60.000 Ein­wohn­er, und es lohnt sich, wirk­lich vom Foto nochmal zum Text zurück­zublät­tern: Port Arthur wurde in den 1840ern als „Auro­ra” gegrün­det, es ging um einen Hafen, der die Eisen­bahn mit dem Golf von Mexiko ver­band. Wer auf Google Maps nach­sieht, sieht genau diese Verknüp­fung der Bahn­strecke mit dem Hafen, ein paar Kilo­me­ter süd­west­lich von der Stelle, an der das Bild von der Reini­gung ent­stand. Ölfunde zu Beginn des 20. Jahrhun­derts steigerten die Bedeu­tung dieses Hafens schla­gar­tig – und die Ölin­dus­trie ist bis heute von Bedeu­tung für die Gegend. Ich kann nur anre­gen, sich Zeit zu lassen bei der Lek­türe und der Betra­ch­tung des Buchs, vor und zurück­zublät­tern und ruhig ein­mal par­al­lel auf Google Streetview oder in Wikipedia nachzu­ver­fol­gen, wo wir uns eigentlich befind­en. So und auch jet­zt begebe ich mich wieder in meine Lieblingswikipedi­arubrik: Gibt es bekan­nte Men­schen, die in Port Arthur geboren wur­den? Oh ja! Janis Joplin ist 1943 dort geboren! Und der Maler Robert Rauschen­berg! In Port Arthur gibt es übri­gens das „Muse­um of the Gulf Coast”, keine Ahnung ob Jörg dort gewe­sen ist, jeden­falls geht es da außer um die Geschichte der Region eben auch um Janis Joplin. Und im Geschenke­laden des Muse­ums kann man für 100US$ Back­steine von dem Haus kaufen, in dem Janis Joplin ihre Kind­heit ver­bracht hat. Wie cool ist das.

Jörg Rub­bert: Lake­view Clean­er, Sta­di­um Road, Port Arthur, Nov. 2023

Aber steigen wir wieder bei Jörg ins Auto und fahren wir Rich­tung Süd­west­en, so langsam näh­ern wir uns dem titel­geben­den Galve­ston, TX, nicht ohne vorher an einem son­der­baren Stelzen­haus auf der Boli­var Penin­su­la haltzu­machen – hier begeg­nen wir auch der ersten per­sön­lichen Anek­dote – Stich­wort „Stech­mück­en”. Wir lassen einen über­fahre­nen Kojoten hin­ter uns – und fahren dann mit der Fähre von Port Boli­var rüber nach Galve­ston. Dreißig Minuten dauert die Fahrt, ins­beson­dere nachts mit ein­er ganz beson­deren Atmo­sphäre, schildert Jörg. Und schon sind wir im zweit­en Haup­tkapi­tel, „Galve­ston und Galve­ston Island” – wir befind­en uns unweit von Hous­ton. Und auch jet­zt tauchen wir wieder tief in die Geschichte dieser Gegend ein, über die Auswirkun­gen der Hur­ri­canes, über die Zeit als Glücksspiel­paradies, über den sink­enden Stern der Stadt, den Rück­gang der Bevölkerungszahlen seit den 60ern. Heute ist es vor allem der Galve­ston Beach und der Touris­mus, der die Stadt prägt.

Jörg Rub­bert: Beach­front house on stilts, SH 87 near High Island, Boli­var Penin­su­la, Nov. 2022

Auf der Dop­pel­seite 5455 tre­f­fen wir wieder auf das „Ost­seit­en­wet­ter” und zwar auf einem düsteren Gewit­ter­fo­to aus dem Juli 1987. Auf dieser Dop­pel­seite, wie auch öfters im Buch zitiert Jörg aus einem Roman von Nic Piz­zo­lat­to – „Galve­ston”. Wir fahren zunächst in den Out­skirts von Galve­ston, wir sehen ein Kreuz am Straßen­rand „R.I.P. Lupe”. Ein paar Straßen weit­er auf einem anderen Foto sehen wir einen alten Cadil­lac, Weißwan­dreifen, große Ros­tlöch­er. Ein Blick auf Google Street View: Dort ste­ht der Cadil­lac noch, was bei Jörg Schwarzweiß ist, ist bei Google ein leuch­t­en­des Mint­grün. Im Hin­ter­grund auf Google fährt ein Güterzug vor­bei. Jörg zeigt uns zunächst die trost­los­es­ten Eck­en von Galve­ston, Schrot­tau­tos, leer­ste­hende Häuser und Geschäfte, zu verkaufende Grund­stücke, bröck­el­nde Fas­saden. Und dann begeg­nen wir Sid­ney (S. 69), Sid­ney Stef­fen mit seinem Weimaran­er. Ein weißbär­tiger, lang­haariger älter­er Mann mit Hut, Son­nen­brille ans T‑Shirt gehängt, während der Hund aufmerk­sam aber friedlich schaut, scheint Sid­ney ins Leere zu star­ren. Jörg berichtet von sein­er Begeg­nung mit Sid­ney und dem Hund, Sid­neys Vor­fahren sind Auswan­der­er aus Deutsch­land, die Ren­o­va­tion des Haus­es ist teuer und zieht sich hin, aber die Nähe zum Meer macht das Pro­jekt lohnenswert, schreibt Jörg. Über Sid­neys Kopf prangt ein Met­allschild: „1900 Storm Sur­vivor”. Es bezieht sich auf jene Zer­störun­gen des Hur­ri­canes aus dem Jahr 1900, von denen Jörg auch in seinem Text spricht: „The Great Galve­ston Storm”, Jörg hat Details dazu recher­chiert. Die Naturkatas­tro­phe ging damals weltweit durch die Medi­en. Der Köl­ner Localanzeiger vom 16. Sep­tem­ber 1900 schrieb zum Beispiel über die Auswirkun­gen in Galve­ston:

„Die Flut ließ einen zolldick­en Schleim über der ganzen Stadt zurück. Wenn die Leichen nicht schnell beerdigt wer­den, entste­ht die Gefahr ein­er Seuche. Es wird eine Woche dauern, um eine Liste der Toten, Ver­let­zten und Ver­mißten aufzustellen. Häu­fig sieht man Dampf­boote, Schon­er und Austern­boote zehn englis­che Meilen weit lan­dein­wärts, wohin sie der Orkan getrieben hat. Nach Kabelmel­dun­gen der Frankf. Ztg. sind außer Galve­ston etwa zwanzig kleinere Städte an der tex­anis­chen Küste teil­weise zer­stört wor­den. Die Schätzun­gen der Mor­gen­blät­ter bewe­gen sich zwis­chen 3000 und 10,000 Toten. In Galve­ston ist großer Nahrungs­man­gel sowie Krankheit­en infolge von Mias­men, erzeugt durch die infolge großer Hitze rasch ver­we­senden Leichen und faulen­den Pflanzen­reste. Die Toten wer­den auf Schlepp­kähne geladen und ins Meer hin­aus­ge­bracht, da eine nor­male Beerdi­gung unmöglich ist. Alle öffentlichen Anla­gen, wie die elek­trischen Werke und Straßen­bah­nen, sind demoliert, eben­so haupt­säch­lich Indus­trieetab­lisse­ments, wie die Baum­woll­fab­riken, so daß der Betrieb lange Zeit ruhen muß. Zehn Oce­an­dampfer gin­gen ver­loren, kleinere Fahrzeuge wur­den weit ins Land geführt. Eine Ueber­sicht über den Schaden der Baum­wollernte ist noch unmöglich, indessen ist sich­er, daß der Sturm auf weite Streck­en die Pflanzen umwe­hte. Das Stan­drecht ist in Galve­ston proklamiert und die Miliz zusam­men­berufen wor­den. Die Stadt wird scharf patroul­liert; mehrere N[…] wur­den bere­its erschossen. Die Verbindung ist man­gel­haft und nur per Boot möglich. Der Men­schen­ver­lust ist noch unbes­timmt. Samm­lun­gen wer­den im ganzen Land in großem Stil organ­isiert. Aerzte und Pro­viant sind von New York ange­gan­gen. Bürg­er­meis­ter Jones von Galve­ston schätzt die Zahl der umgekomme­nen Per­so­n­en auf 3000. 500. Fam­i­lien sind obdach­los. Es herrscht große Not. Die halbe Stadt ist zer­stört; kein Gebäude ist ver­schont geblieben.”

Jörg Rub­bert: Sid­ney Stef­fen with his Weimaran­er dog Erie, 26th Street & Post Office Street, Galve­ston, Nov. 2023

Das Haus, in dem Sid­ney Stef­fen heute wohnt, hat die Katas­tro­phe wohl über­standen. Und das tolle ist, auch das Haus von Sid­ney find­et man auf Google Streetview. Es leuchtet in blau, vor dem Haus prangt ein Schild „Beware of Dog”, nur den auf der Treppe sitzen­den Sid­ney und seinen Weimaran­er ver­misst man. Im Hof ste­ht ein Vogelkä­fig und ein Fahrrad. Sid­ney saß auf der schmalen Haus­seite, ent­lang der anderen Straße ist es richtig repräsen­ta­tiv und groß. Jörg, verzeih, dass ich etwas weit­er recher­chiert habe: Wenn man „mol­lie harvey’s house galve­ston” googelt, stößt man darauf, dass das wohl ein altes Bor­dell gewe­sen ist, im 19. Jahrhun­dert. Und zwar ein Edel­bor­dell. Inklu­sive geheimnisvoller Todes­fälle. Span­nend. Ein paar Straßen weit­er, sagt mir Google, ist übri­gens das Galve­ston Rail­road Muse­um.

Auf Seite 73 stoße ich auf eines mein­er Lieblings­the­men: alte ver­lassene Kinos. Im Novem­ber 2022 hat Jörg das Mar­ti­ni Movie The­atre in der Moody Avenue in Galve­ston fotografiert. Ein Kino im Art Deco-Stil, natür­lich ste­ht es leer, Galve­ston hat heute noch drei, vier Kinos, aber das Mar­ti­ni scheint seine guten Tage schon lange hin­ter sich zu haben. Heute sieht es reich­lich ungenutzt aus. Alte, geschlossene Kinos sind oft im Inter­net erstaunlich gut recher­chiert. Man erfährt, dass das Mar­ti­ni 1937 eröffnet wurde und 1979 schloss, seit bald 50 Jahren scheint nichts passiert zu sein. 2025 erschien ein faszinieren­der Artikel über das Kino, inklu­sive alter Fotos, aus der Zeit, als es noch geöffnet war: https://www.chron.com/gulf-coast/article/galveston-texas-martini-theater-21116935.php . Irgend­wo sieht man da auch den alten Besitzer, Attilio Mar­ti­ni. Acht Kinos besaßen die Mar­ti­nis irgend­wann. 1978 ist ange­blich der The­ater­leit­er festgenom­men wor­den, weil „adult films” gezeigt wur­den.

Jörg Rub­bert: Mar­ti­ni movie the­atre on Moody Ave., Galve­ston, Nov. 2022

Ich stöbere noch Stun­den durch Jörgs Buch, durch Galve­ston, durch Texas, und ich kön­nte hier noch mehr Geschicht­en erzählen, etwa jene von Jörgs Lieblingsrestau­rant in Galve­ston; die vom Hous­ton low rider’s car club; vom Stran­dleben am Matagor­da Beach; ich kön­nte recher­chieren, ob ich etwas zur Geschichte des „Chero­kee Rose Trad­ing Post” in Rosharon her­aus­finde; ich würde nach dem Flugzeugträger USS Lex­ing­ton googeln, den Jörg fotografiert hat; ich kön­nte vom post office der Arm­strong Ranch bericht­en, über die Jörg schreibt – und einem weit­eren, leer­ste­hen­den Kino begeg­nen wir später auch noch ein­mal, dem Texas The­atre in Kingsville.

Jörg Rub­berts „GTX” ist ein umfan­gre­ich­er Bild­band mit ein­er Vielzahl von Tex­ten und Bildern, ein lehrre­ich­es, inspiri­eren­des, atmo­sphärisches Buch, das tief ein­taucht in das Leben und die Geschichte von Galve­ston und der tex­anis­chen Küste. Es ist ein grandios­er Bild­band, mit ein­er beein­druck­enden und wun­der­schö­nen Ausstat­tung wie; und er erzählt eine per­sön­liche, emo­tionale Sto­ry voller wun­der­bar­er Anek­doten. „Rub­bert ver­tritt die human­is­tis­che Rich­tung in der Pho­togra­phie, deren Ziel es ist – mit Fokus auf den Men­schen in seinem sozialen Umfeld – auch die kleinen Geschicht­en des All­t­agslebens in den Mit­telpunkt zu rück­en”, schrieb der Kun­sthis­torik­er Michael Nungess­er einst – und das gilt bis heute.

Und im let­zten Drit­tel über­rascht mich das Buch dann erneut, mit Bildern zu einem der The­men, die mich schon seit mein­er Kind­heit begleit­en: Wel­traum­fahrt. Wir sehen Bilder von der SpaceX Raketen­fab­rik in Boca Chi­ca, und noch ein­mal sehen wir damit ein ganz anderes Texas.

Und Jörg wäre nicht Jörg, würde er uns am Schluss des Buch­es nicht mit einem wun­der­baren Anhang belohnen, mit Aus­las­sun­gen zu sein­er Kam­er­at­e­ch­nik, zur Idee zum Buch, ein­er aus­führlichen Auflis­tung sein­er sechs fotografis­chen Texas-Trips, die die Grund­lage zu diesem Buch bilde­ten. Und zu aller­let­zt gehört meine Bewun­derung nicht nur Jörg Rub­berts Lei­den­schaft, Detail­ver­liebtheit und sein­er Kreativ­ität: Einen wichti­gen Part bei Jörgs Büch­ern spielt seit vie­len Jahren der Buchde­sign­er Yunus Şems Pleger, der sich jedes Mal neu über­trifft und der auch dieses Mal eine großar­tige Arbeit ablieferte.

Info
GTX – Galveston/TX and the Gulf Coast
Autor: Jörg Rub­bert | Hrsg.: Jörg Rub­bert | Hard­cov­er, 352 Seit­en | 27 × 32 cm, en | 978−3−98741−224−0 | Dezem­ber 2025 | 58,00 €

https://www.verlag-kettler.de/de/buecher/gtx

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