Adventures of a mathematician

Der polnisch-amerikanische Mathematiker Stanisław Marcin Ulam wurde 1909 in Lemberg (heute Lwiw, Ukraine) geboren. Lemberg hatte damals eine große Mathematikertradition – und eine Kaffeehauskultur. Beides wurde bisweilen verknüpft und in den Lemberger Kaffeehäusern fanden emotionale Diskussionen zu mathematischen Themen statt. Ulam verschaffte sich einiges, auch internationales, Ansehen – woraufhin ihn 1938 der amerikanische Mathematiker George David Birkhoff nach Harvard holte. Den Einmarsch Deutschlands in Polen erlebte er bereits nur noch aus der Ferne. 1943 wurde er US-Bürger – und schließlich wurde er von seinem Freund John von Neumann zu einem streng geheimen Projekt eingeladen: dem Manhattan-Projekt, das darauf abzielte, Nuklearwaffen zu entwickeln, um Hitler-Deutschland zuvorzukommen, von dem man Ähnliches fürchtete.

ADVENTURES OF A MATHEMATICIAN setzt im August des Jahres 1944 ein, in der Wüste von New Mexico, Stanislaw Ulam, der von seinen Freunden Stasio genannt wird, marschiert mit seinen Wissenschaftlerkollegen durch die Wüste. Dann springt der Film zurück, nach Harvard, Juni 1941, wo Ulam mit seinem Bruder Adam zusammenwohnt. Die Kontakte in die Heimat sind schwierig, schließlich ist Krieg zu Hause; besonders Adam hat Heimweh. Stasio versucht, seine – jüdische -Familie zur Flucht zu bewegen, da sich die deutsche Armee nähert. Schließlich bekommt Stasio ein Jobangebot – beim Manhattan Project in Los Alamos; aber das würde bedeuten, dass er seinen Bruder zurücklassen müsste. Seine Freundin Francoise darf mit ihm gehen – weil sie heiraten. Doch in Los Alomos stockt Stasios Beitrag zur Entwicklung der Wasserstoffbombe, er stößt auf Gegenwind seines Kollegen Edward und hat täglich Auseinandersetzungen mit ihm. Stasio ist davon überzeugt, dass die Atombombe der richtige Weg ist – und nicht die Wasserstoffbombe. Er sieht ethische Probleme hinter der Zerstörungskraft einer Wasserstoffbombe.

Mai 1945. Der Krieg ist vorbei. Die Wissenschaftler feiern – aber der Krieg mit Japan dauert noch an. Die ersten Atombombentests stehen kurz bevor – aber J. R. Oppenheimer will auch die Wasserstoffbombe bauen. Ulam äußert seine ethischen Bedenken. Doch dann werden die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki geworfen…

ADVENTURES OF A MATHEMATICIAN ist ein leises, sich langsam entwickelndes Drama um Wissenschaft und Verantwortung. Edward meint irgendwann zu Ulam: „In Göttingen we used to say – a mathematician is a machine, that translates coffee into theorems”, ein Zitat, das dem ungarischen Mathematiker Alfréd Rényi zugeschrieben wird. Aber genau dieses Zitat verkennt das, was Ulam ausmacht: Er ist eben keine Maschine, die beliebige mathematische Probleme löst – egal zu welchem Zweck. Und darin besteht sein Konflikt und der Kern des Films. Ulam befindet sich in einem ethischen Dilemma, das keine einfache Lösung hat. Beeindruckend schafft der Film es, die ethische Problematik eines weltumspannenden Konfliktes in einer Person zu konzentrieren. Geschickt verwebt der Film diese Thematik mit der persönlichen Situation des Mathematikers Ulam und seiner Familie.

ADVENTURES OF A MATHEMATICIAN ist der zweite Film des Berliner Regisseurs Thor Klein, der an der dffb studiert hatte und mit seinem Debütfilm LOST PLACE aus dem Jahr 2013 den ersten deutschen Mystery-Thriller in 3D gedreht hatte. ADVENTURES OF A MATHEMATICIAN feierte beim International Palm Springs Film Festival seine Premiere und ist nun beim Jüdischen Filmfestival Berlin und Brandenburg zu sehen.

Originalitel ADVENTURES OF A MATHEMATICIAN

Internationaler Titel ADVENTURES OF A MATHEMATICIAN

Deutscher Titel ADVENTURES OF A MATHEMATICIAN

Im Wettbewerb des Jüdischen Filmfestivals Berlin und Brandenburg, JFBB, Sektion WETTBEWERB SPIELFILM

Regisseur THOR KLEIN

Land/Länder DE, PL, UK

Jahr 2020

Dauer 102 MIN

Kinostart n.n.

Drehbuch THOR KLEIN

Kamera TUDOR VLADIMIR PANDURU

Musik ANTONI ŁAZARKIEWICZ

Schnitt AGNIESZKA LIGGETT, MATTHIEU TAPONIER

Produzent NELL GREEN, EVANGELO KIOUSSIS, JOANNA SZYMANSKA, LENA VURMA

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