ACHTUNG BERLIN: Filmkritik SCHWERE L O S

SCHWERE L O S

Die junge, selb­st­be­wusste, gutausse­hende Maria passt regelmäßig auf einen kleinen Jun­gen auf. Die Mut­ter des Kindes ist ganz zufrieden mit ihrem Leben, hat bisweilen was an ihrem Mann auszuset­zen: Dass er mal sportlich war, heute aber nur noch einen Schwabbel­bauch hat; dass er sich mal besof­fen ein Tat­too stechen lassen hat, das heute ziem­lich abger­anzt aussieht. Maria hört sich ihre Beschw­er­den an. Und lässt sich nichts anmerken, sie hat näm­lich was mit eben jen­em Schwabbel­bauch­tat­toomann. Nach dem let­zten Mal Sex sagt er Maria, dass er sich von sein­er Frau tren­nen wolle.

Marias schwan­gere Fre­undin, zu der sie zu Besuch ist, hat regelmäßig Stress mit ihrem Lebens­ge­fährten. Über Essen, Frauen und so weit­er. Aber die Beziehung der bei­den Fre­undin­nen zueinan­der ist eng, zärtlich, ver­ständ­nisvoll.

„Ich hab so ein biss­chen den Ver­dacht, du glaub­st an die Leg­ende, dass Frauen auf Män­ner mit Humor ste­hen“, sagt sie einem der Män­ner, Clemens, mit denen sie sich trifft. Sie macht mit ihm rum tanzt die Nacht durch und kommt dann mor­gens zu ihrer Fre­undin nach Hause, die aber angesäuert ist, weil sie erst so spät nach Hause kommt. Und Kat­ja, ihre Fre­undin käme auch bald und die hätte kein Ver­ständ­nis dafür, dass sie frisch aus dem Club gefall­en nach Hause kommt. Und außer­dem würde Kat­ja die Paten­tante des Kindes, weil Kat­ja wäre ja da, und Maria nicht.

Und später taucht Clemens auf, und bringt Brötchen mit, Kat­ja ist auch schon da. Und dann schlafen Clemens und Maria zusam­men, was außer­halb zu hören war. Und was Marias Fre­undin ihr vorhält. „Weißt du eigentlich, warum du nicht Paten­tante wirst? Weil du wie ein Virus bist. Du steckst andere Leute mit deinem Scheißleben an.“ Sagt ihre Fre­undin ver­bit­tert zu ihr. Eine enge Fre­und­schaft geht zu Ende.

In Gedanken ver­sunken läuft Maria durch die Stadt und wird dabei fast von ein­er Frau mit dem Auto ange­fahren. Eigentlich nichts passiert. Die Aut­o­fahrerin will gle­ich die Polizei anrufen, aber eine Pas­san­tin greift ein und nimmt Maria mit auf einen Spielplatz mit Schiff. Sie latschen zusam­men durch Neukölln, gehen zu ihr nach Hause, sie ist etwas schräg drauf.

Maria zieht weit­er, trifft auf einen weit­eren Kerl, den sie mit zu Clemens nimmt, dort machen sie zu dritt rum. Der Typ geht, Maria bleibt bei Clemens, der sie dann aber rauss­chmeißt. Und dann macht Maria einen Schwanger­schaft­stest…

Man fol­gt Maria auf dem Weg durch Berlin und begleit­et sie bei ihrer Erken­nt­nis, dass die Leere in ihr größer wird, ihre Dis­tanz zu den Fre­un­den zunimmt, weil sie keine Ver­ant­wor­tung übern­immt, keine Ziele im Leben hat. Aber bisweilen überkommt einen dabei ein zwiespältiges Gefühl: Man lernt die Neben­fig­uren zum Teil viel zu wenig ken­nen, kann ihre Moti­va­tio­nen kaum nachvol­lziehen. Und eigentlich gön­nt man Maria doch ihren Hedo­nis­mus. In der Summe wirkt vieles in dem Film zu kon­stru­iert und gewollt, zu unfer­tig. Trotz allem gibt es schöne, berührende Momente.

Vielle­icht ist sog­ar ein kleines Spielzeug, das in dem – anson­sten schwarzweißen – Film Farb­mo­mente set­zt, die in Erin­nerung bleiben: Die einzel­nen „Kapi­tel“ des Films sind unter­brochen von Farb­bildern von Tieren aus Afri­ka. Diese Farb­bilder entstam­men einem Spielzeugk­lick­fernse­her, in dem man rein­schauen kann, und den Maria bei dem Kind, auf das sie auf­passte, mitgenom­men hat­te. Diese Bilder ver­weisen auf die Kind­heit, auf die Zeit, in der man sich eben noch keine Ziele im Leben set­zen musste, son­dern es dabei bleiben durfte, dass man träumte, von der Ferne, von Afri­ka. Und in dieser Sit­u­a­tion ist Maria steck­enge­blieben.

Regie Alex­ej Her­mann, Eike Wein­re­ich
Buch Lau­ra Pala­cios, Eike Wein­re­ich
Schaus­piel Sina Martens, Andreas Döh­ler, Julia Hart­mann, Katrin Wich­mann, Sascha Göpel, Ben­jamin Lil­lie, Klara Deutschmann
Kam­era & Schnitt Alex­ej Her­mann
Ton Tarik Badaoui, Daniel Paul­mann
Musik Philipp Thimm

Eike Wein­re­ich *1985 in Old­en­burg. Schaus­piel­studi­um an der Hochschule für Musik und The­ater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. Film­studi­um an der Hochschule für bildende Kün­ste Ham­burg. Tätig als Schaus­piel­er, Regis­seur und Drehbuchau­tor.

Alex­ej Her­mann *1985 in Kasach­stan Freie Kun­st und Visuelle Kom­mu­nika­tion an der Hochschule für bildende Kün­ste Ham­burg. Er ist als Regis­seur, Kam­era­mann und Medi­enkün­stler tätig.

SCHWERE L O S läuft beim Achtung Berlin Film­fes­ti­val:

Vor­führun­gen am

FR 22.04. 19:45 Baby­lon 1

MO 25.04. 22:00 Baby­lon 3

SA 23.4 18:00 Acud 1

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