GO EAST Filmfestival: Radu Munteans Film ÎNTREGALDE

INTREGALDE

Ein „Transsil­vanis­ches Road­movie“ nen­nt das Pro­grammheft des GO EAST-Film­fes­ti­vals in Wies­baden den Film des rumänis­chen Regis­seurs Radu Muntean, ÎNTREGALDE. Muntean, Jahrgang 1971, stammt aus Bukarest und ist ein namhafter rumänis­ch­er Regis­seur der rumänis­chen „New Wave“ des Kinos, die sich dem real­is­tis­chen Film ver­schrieben hat. Munteans Filme (u.a. „Die Wut“, 2002, „Boo­gie“ 2008, „Eine Etage tiefer“, 2015) schaf­fen es in wes­teu­ropäis­che Kinos oft nur auf Fes­ti­vallein­wände. Über „Boo­gie“ sagte einst der rumänis­che Filmkri­tik­er Mihai Ful­ger: „Mit diesem Streifen ist der rumänis­che Film endlich erwach­sen gewor­den. Bis jet­zt sind unsere Filmemach­er immer unter dem Begriff ‚Rumänis­ch­er Film‘ sub­sum­iert wor­den. Mit ‚Boo­gie‘ sind auch wir endlich beim europäis­chen Autoren­film angekom­men.“

Între­galde, sagt Wikipedia, sei eine Gemeinde im rumänis­chen Sieben­bür­gen, tief­ste Prov­inz, 94 Ein­wohn­er. Wenn man sich das auf google maps ansieht, dann sieht man vor allem Wald und nur ein dünnes Sträßchen dor­thin, ein paar Häuser, son­st nichts. Die nen­nenswerteste Sehenswürdigkeit ist wohl die Holzkirche aus dem 18. Jahrhun­dert.

Ein human­itäres Hil­f­spro­jekt sam­melt Wei­h­nachtspakete für die Bewohn­er abgele­gen­er Regio­nen im west­lichen Transsil­vanien. Maria, Dan und Ilin­ca stam­men aus Bukarest und helfen dabei, die Pakete zu verteilen. Mit ihrem Auto fahren sie die Dör­fer ab und ver­sor­gen vor allem die Kinder und alte Men­schen mit den Paketen. Je tiefer sie in die Waldge­gend kom­men, desto unbe­fes­tigter und schmaler wird die Straße.

Unter­wegs gabeln sie einen alten Mann auf, Kente Aron, der zu Fuß unter­wegs ist und zum Sägew­erk muss. Der Weg dor­thin führt über eine ver­matschte Straße, die dem Auto einige Schwierigkeit­en bere­it­et. Prompt bleiben sie steck­en. Der Mann geht inzwis­chen auch zu Fuß weit­er. Alle Ver­suche, das Auto aus dem Schlamm zu bekom­men, scheit­ern. Dan geht los zum Sägew­erk, um Hil­fe zu holen, die bei­den Frauen warten im Auto. Nach einiger Zeit kom­men zwei Män­ner im Auto vor­bei. Sie sagen, dass das Sägew­erk seit vie­len Jahren geschlossen ist. Sie ken­nen Kente und meinen, er sei nicht ganz richtig im Kopf. Beim Ver­such, den Wagen rauszuziehen, rutscht der aber noch mehr in den Schlamm. Sie fahren mit Ilin­ca zum Sägew­erk um Dan abzu­holen, Maria bleibt im Auto. Sie kann noch mit dem Handy bei den Kol­le­gen vom Hil­f­spro­jekt anrufen, aber sie weiß gar nicht, wo sie genau steck­en geblieben sind.

Inzwis­chen ist es Nacht gewor­den, die Män­ner kom­men mit Ilin­ca zurück. Aber beim Sägew­erk war nie­mand. Die Frauen sitzen im Auto, reden, warten. Irgend­wann kommt dann endlich Dan zurück, der inzwis­chen dem alten Mann geholfen, ihn aber zurück­ge­lassen hat­te. Und er ist stinksauer, dass das Auto nun noch mehr in den Graben gerutscht ist. Maria wiederum ist sauer, dass Dan den alten Mann ein­fach zurück­ge­lassen hat, die Ner­ven liegen blank…

Radu Muntean deckt mit ÎNTREGALDE die emo­tionale Ver­wund­barkeit von Men­schen in Extrem­si­t­u­a­tio­nen auf. Muntean bleibt dem Real­is­mus des rumänis­chen Gegen­wart­ski­no treu, schiebt aber immer wieder Gen­reele­mente des Psy­chothrillers, des Hor­ror­films oder des Road­movies ein, ohne die aus­ge­trete­nen Pfade dieser Film­gat­tun­gen zu gehen. Die Raf­fi­nesse des Films beste­ht darin, dass wir lange in im Ungewis­sen bleiben, ob der Film nicht noch drama­tis­chere Wen­dun­gen nimmt und in das eine oder andere Film­genre abbiegt. Die Haupt­darsteller überzeu­gen alle­samt, die Geschichte hält uns raf­finiert in der Schwebe.

Empfehlenswert.

ÎNTREGALDE

Rumänien 2021

105 minHD18

Regie:   Radu Muntean

Beset­zung: Maria Popis­tașu, Ilona Bre­zoianu

GO EAST FILMFESTIVAL
https://www.filmfestival-goeast.de/

19.–25.4.2022 WIESBADEN

Orig­inalti­tel:

ÎNTREGALDE

Regie:

Radu Muntean

Drehbuch:

Radu Muntean

Răz­van Răd­ules­cu

Alexan­dru Baciu

Pro­duk­tion:

Dra­gos Vil­cu

Kam­era:

Tudor Vladimir Pan­duru

Mon­tage:

Andu Radu

Sound Design:

André Rigaut

Elec­tric Broth­er

Julien Perez

Beset­zung:

Maria Popis­tașu

Ilona Bre­zoianu

Alex Bog­dan

Luca Sabin

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