THE END OF THE PALE HOUR beim Nippon Connection Festival in Frankfurt

The End of the Pale Hour, by Hana Matsumoto, Nippon Connection Filmfestival

“The End of the Pale Hour” heißt der Roman des japanischen Autors Masahiko Katsuse, der der jungen Regisseurin Hana Matsumoto als Vorlage für ihren gleichnamigen Film diente. Katsuses Roman sprach sich in den sozialen Medien herum und wurde dadurch zum Erfolg. Hana Matsumoto ist 1998 in Osaka geboren, ist also gerade mal Anfang 20. „The End of the Pale Hour“ ist bereits ihr dritter Langfilm, nach “Dadadada Seventeen” (den sie mit 18 Jahren drehte) und “Kiss Cam”.

Tokio im April 2012. Ein junger Student wird zu einem Treffen mit Kommilitonen eingeladen. Die Teilnehmer feiern sich selbst. Siegertypen seien sie, weil sie alle Jobangebote von großen Konzernen erhalten haben. Der junge Mann hat ein Angebot einer großen Druckerei, aber er kann mit dieser Veranstaltung nichts anfangen – und damit geht es ihm ebenso wie einer jungen Studentin, die sich bald von der Feier verabschiedet, sich die Handynummer des jungen Studenten erschleicht und ihm schließlich eine SMS schreibt: „Mit mir zu trinken macht vielleicht mehr Spaß.“ Da hat sie vielleicht recht, denkt er sich und verlässt den Laden. Im Whale Park in der Nähe treffen sie sich, auf einem Spielplatz. Ein Bierchen, ein Wort ergibt da andere, sie quatschen die ganze Nacht. Erzählen von ihren Jobs, sie werden, sagt sie, in einer kleinen, nachhaltigen Modefirma arbeiten, er eben in einer Druckerei. Sie verabreden sich zu einer Theateraufführung und verbringen danach viel Zeit miteinander, reden über Theater, Essen, das Leben. Schließlich traut er sich, sie zu fragen, ob sie die Nacht mit ihm verbringen will. Will sie. In einem Hotelzimmer nähern sie sich langsam aneinander an. „Wir sind wie Teenager“, meint sie. Aber es wird eine leidenschaftliche Nacht. Als morgens der Wecker klingelt, hören sie gemeinsam das Lied des Handyweckers an. Voller Glück und inniger Zuneigung verbringen sie viel Zeit miteinander.

The End of the Pale Hour, by Hana Matsumoto, Nippon Connection Filmfestival

Doch dann beginnen sich die Dinge auseinanderzuentwickeln: Während sie in ihrer Arbeit in der Modebranche Erfüllung findet, erfüllen sich seine Wünsche und Ideale in der Druckerei, in der er nun arbeitet, nicht. Seine Arbeit ist stupide und voller sinnlosem bürokratischem Blödsinn, sein Arbeitsumfeld ist uninspiriert. Immerhin findet er Trost und Ablenkung bei seiner Freundin und bei einem befreundeten Arbeitskollegen. Die drei verbringen viel Zeit miteinander, beschließen „Shibuya zu entführen“ – kurz gesagt sich ins Nachtleben jenes berühmten Tokioter Stadtviertels zu stürzen. Karaoke, Bier, Lebensfreude, bis zum Morgengrauen. „Drifting, nothing in mind“, sagt sie. „Ich möchte nicht, dass es Morgen wird“, sagt der Freund. „Geh nicht auf!“ versucht sie die Sonne zu beschwören. Doch der nächste stupide Arbeitstag droht – und auch der Liebesbeziehung der beiden droht Gefahr…

„The End of the Pale Hour” erzählt vom unterwürfigen, stupiden Ethos in Tokios Arbeitswelt, in der der sinnlose Respekt vor Vorgesetzten über allem steht. Die Welt derer droht, die morgens früher als der Chef zur Arbeit auftauchen und abends als letzte gehen, um zu zeigen, wie fleißig man ist, die Welt derer, die sich vor den Vorgesetzten verbeugen, um ihren Respekt zu zeigen. Hana Matsumoto zeigt junge Menschen auf de Schwelle zu dieser qualvollen Phase des Lebens – aber sie deckt auch auf, dass es Auswege gibt, Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen, Sinnvolles zu tun, auch bei Arbeit Spaß zu haben – die junge Frau lebt dies vor. Der Film berichtet aber auch von den Wirrungen und Unwägbarkeiten der Liebe.

The End of the Pale Hour, by Hana Matsumoto, Nippon Connection Filmfestival

Hana Matsumoto erzählt vom Leben von jungen Menschen, in ihrem Alter, fordert ein, den Weg zum Glück, zur Selbstständigkeit, zur Eigenständigkeit zu finden. Der Film weist eine unglaubliche Reife auf, die aus der Authentizität, aus der Lebensnähe des Stoffs rührt. Matsumoto könnte zur filmischen Stimme einer jungen Generation von Japaner*innen werden, für die Erfolg und Gehorsam nicht an erster Stelle stehen, sondern Erfüllung, Glück, Nachhaltigkeit. Ich hoffe und prognostiziere Hana Matsumoto, die nicht nur Filme dreht, sondern auch Musikvideos macht, fotografiert und Werbefilme produziert, eine erfolgreiche – vor allem aber erfüllende – Zukunft als Filmemacherin.

Bleiben noch die beiden Protagonist*innen: Takumi Kitamura in der männlichen Hauptrolle und Yuina Kuroshima in der weiblichen Hauptrolle ergänzen sich wunderbar, spielen großartig zusammen, beide sind preisgekrönte junge japanische Schauspieler*innen.

Dem Nippon Connection-Filmfestival in Frankfurt am Main ist es zu verdanken, dass dieser wunderbare Film nach Deutschland kommt. Zu sehen ist er zu folgendem Termin:

Do., 26. Mai 2022, 16:30 Uhr Mousonturm Saal
Tickets und weitere Informationen gibt es unter folgendem Link:
https://db.nipponconnection.com/de/event/1187/the-end-of-the-pale-hour

Das Festival läuft vom 24. bis zum 29. Mai 2022
https://nipponconnection.com/

Japan 2021, 116 Minuten.

The End of the Pale Hour, by Hana Matsumoto, Nippon Connection Filmfestival

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.