PUNCH! Fotoausstellung von Jürgen Bürgin in Gernsbach

PUNCH! (c) Jürgen Bürgin

Fotoausstellung
PUNCH!
Geschichten aus der Welt des Boxens
Fotografien von Jürgen Bürgin

29. Oktober bis 30. Dezember 2022

Rathaus Gernsbach
Igelbachstraße 11
76593 Gernsbach

Öffnungszeiten
Montag – Mittwoch 08:00 – 12:00 Uhr
Donnerstag 08:00 – 18:00 Uhr
Freitag 08:00 – 13:00 Uhr

Vernissage: Samstag, 29. Oktober 2022, 11 Uhr
Einführungsrede durch die Journalistin und Autorin Kristina Hortenbach

PUNCH! ist eine visuelle Reise in die Welt des Boxens. Die Serie untersucht die Emotionen, den Schmerz, das Leiden, die Leidenschaft und die Begeisterung der Boxer. PUNCH! erzählt mit fotografischen Mitteln die Geschichten von Boxerinnen und Boxern vom Training über die Vorbereitung auf den Wettkampf über den Kampf bis hin zum Sieg und zur Niederlage. PUNCH! ist keine Sportreportage, sondern eine emotionale, persönliche, dokumentarische Annäherung an die Welt der Boxer.

“Each boxing match is a story – a unique and highly condensed drama without words”.
Joyce Carol Oates

Ende 2022 wird der Fotobildband PUNCH! erscheinen.

Kontakt:
Jürgen Bürgin
info@juergenbuergin.com
www.juergenbuergin.com
mobil: +49-174-3156411

Druckfähiges Bildmaterial können Sie auf Anfrage gerne erhalten.

Biografie

Jürgen Bürgin ist 1971 in Lörrach geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin als freier Autor und Fotograf. Seine Genres sind die Dokumentarfotografie und die Straßenfotografie. Seine dokumentarischen Serien erzählen von besonderen Welten, etwa von der Welt des Boxens oder von Zirkussen. Bürgin sucht in den Großstädten, in denen er fotografiert, das Besondere, das Poetische, das Überraschende im Alltäglichen. Seine Fotografien waren weltweit in etlichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Seine Werke wurden in die Sammlungen vieler Galerien, Museen und Bibliotheken aufgenommen.

www.juergenbuergin.com   

AUSSTELLUNGEN (Auswahl; G=Gruppenausstellung)

2022

Close Encounters. Gemeinschaftshaus Langwasser, Nürnberg.

City Lights. Villa Berberich, Bad Säckingen. Mit Jan Medau.

2020

Urban Fever. Gastfeld, Bremen.

2018

Intimate Strangers. Amerika Haus, Tübingen. Mit Jörg Rubbert.

Depth of Field. Center for Photographic Art, Carmel, California (G)

2017

Exposure. Mit Texten von Anna-Sophie Jürgens. Luisa Catucci Gallery, Berlin.

Circus. Galerie Barcelona. Belgrad, Serbien.

Urban Fever. Head On Photo Festival, Sydney, Australien.

Nightshift. Mit Jörg Rubbert. Central European House of Photography, Bratislava.

2016

Lichter der Manege. Universitätsbibliothek, Marburg.

Mensch und Metropole. Galerie im Saalbau, Berlin.

2015

Urban Nights. Fotogalerie Potsdam, Potsdam.

30 Jahre Fotogalerie Friedrichshain – Retrospektive. Berlin (G).

2014

Das Glück in großen Städten. Galerie Lardon, Ahrenshoop.

Urban Places. Galerie Aspekt, Neustadt an der Weinstraße (G).

2013

Urban Ballads. Fotogalerie Friedrichshain, Berlin.

2012

Street Shots/NYC.  South Street Seaport Museum, New York (G).

PUBLIKATIONEN (Auswahl)

Jürgen Bürgin: PUNCH. A visual story. Fotobildband. Chumbo, Lissabon 2023.

Jürgen Bürgin: Urban Fever. Scenes from City Life. Berlin, 2016.

Anna-Sophie Jürgens: Poetik des Zirkus. Mit Zirkusfotografien von Jürgen Bürgin.

Über PUNCH!

Als ich die Treppen zum Gleason’s Gym, dem berühmten New Yorker Boxstudio in Brooklyn hochstieg, um ein New Yorker Boxturnier zu fotografieren, hatte ich noch kaum Ahnung vom Boxen. Ich kannte die berühmtesten Namen, vor allem der Boxer aus den deutschen Boxställen, ich hatte vielleicht weniger als fünf Boxkämpfe im Fernsehen gesehen, ich hatte When We Were Kings, den Dokumentarfilm über den berühmten Kampf zwischen Ali und Foreman 1974 in Zaire, im Kino gesehen. Und ich kannte einige berühmte Boxfotos, allen voran das großartige Ali-Foto von Thomas Hoepker: Ali streckt der Kamera seine Faust entgegen und ist selbst nur in der Unschärfe im Hintergrund zu sehen.

Ich war überrascht von dem beinahe familiären Eindruck, den das Gleason’s Gym bei mir hinterließ. Es ist ein freundlicher Ort, die Familien und Freunde der Kämpfer waren da, um ihnen zuzusehen und sie anzufeuern. Großväter, die selbst schon Boxer waren, fieberten mit den Enkeln bei deren ersten Boxversuchen mit. Mädchen und junge Frauen kämpften mit einer Verbissenheit, die der der Männer in nichts nachstand. 

Das Gleason’s Gym liegt in Dumbo, einem hippen und längst teuren Wohnviertel in Brooklyn, zwischen der Brooklyn Bridge und der Manhattan Bridge, einst ein für Mieter unattraktives Industrieviertel. Das Gym wurde 1937 in der Bronx gegründet, Muhammad Ali soll dort mal trainiert haben, ebenso Jake LaMotta und Mike Tyson. Heute wirkt es, zwischen angesagten Geschäften, Galerien und Restaurants und unweit des touristischen Brooklyn Bridge Parks beinahe wie ein Fremdkörper.

Als ich nachts wieder die Straßen Brooklyns betrat, hatte das Turnier im Gleason’s Gym einige meiner Klischeevorstellungen über Boxen vertrieben – und es hatte eine Faszination für diesen Sport in mir angefacht.

Zurück in Deutschland begann ich bei Boxtrainings zu fotografieren, bei Amateurkämpfen und schließlich auch bei ein paar Profikämpfen, wobei die intimere Atmosphäre bei Amateurkämpfen meist emotionalere Fotos zuließ als jene bei Profievents.

Ich blieb immer stiller Beobachter – konnte nie mitreden, wenn meine Fotografenkollegen über die Chancen des einen oder anderen Boxers philosophierten. Dennoch lernte ich einiges. Zumindest schnappte ich einiges in Gesprächen mit Trainern, Boxern und Gästen auf. Ich erfuhr, dass mancher Boxverein in Deutschland Schwierigkeiten hat, feste Trainingsorte zu finden. Obwohl die besten Boxer in Deutschland Stars sind und die Weltmeisterschaftskämpfe Millionen Zuschauer vor die Fernsehschirme locken, hat der Sport es auf Amateurebene schwer, sich gegen Fußball durchzusetzen. Ein Boxtrainer, mit dem ich sprach, beschwerte sich darüber und empfahl, Kinder eher in einen Boxverein als in einen Fußballverein zu schicken, wenn sie Fairness und Selbstachtung lernen sollen. Und in der Tat erlebte ich Trainer, die ihre jungen Kämpfer zusammenpfiffen, wenn sie nach einem gewonnenen Kampf allzu sehr über ihre Gegner triumphierten. Boxen scheint früher wie heute dazu geeignet zu sein, junge Menschen von der Straße wegzuholen, ihre Aggressionen zu kanalisieren und in die richtige Richtung zu lenken.

Der Boxsport ist aber auch dabei, neue Wege einzuschlagen: Immer weniger scheint Boxen mit einer kriminellen Halbwelt zu tun zu haben, dafür gibt es immer mehr Manager und Geschäftsleute, die das Boxtraining als Ausgleich für Bürostress und drohendes Burnout nutzen. Und es gibt eine kleine, hippe, junge Szene von Menschen, die Boxen mit Schach zum „chess boxing“ kombinieren, bei dem abwechselnd geboxt und Schach gespielt wird – Gewinner ist, wer den Gegner K. o. schlägt oder ihn Schachmatt setzt.

Die Ästhetik des Boxens beruht auf einigen archaischen und emotional aufgeladenen Elementen: Schmerz, Blut und Schweiß, Sieg und Niederlage, Dynamik, Konzentration, Kraft. Zum Boxkampf gehört eine begrenzte Anzahl an Protagonisten, die, an ein klassisches Drama erinnernd, zusammenwirken: der Kämpfer, der Trainer, der Cutman, der Ringrichter, die Punktrichter, der Box-Promoter. Und zu einem Boxwettkampf gehört ein fester dramaturgischer Ablauf: vom Training über das offizielle Wiegen bis zu den Vorkämpfen und zum Hauptkampf am Wettkampftag. Boxen ist sicher die Sportart, die in ihrer Dramaturgie am ehesten mit einem klassischen Drama verwandt ist. In ihrem Buch „On Boxing“ schrieb die amerikanische Schriftstellerin Joyce Carol Oates: „Each boxing match is a story – a unique and highly condensed drama without words“.

So ist es auch kein Zufall, dass einige wichtige Filme der Filmgeschichte sich ums Boxen drehen, sei es Martin Scorseses Wie ein wilder Stier (1980), Clint Eastwoods Million Dollar Baby (2004), David O. Russells The Fighter (2010) oder der berühmteste aller Boxfilme, John G. Avildsens Rocky. Alle diese Filme inszenieren Boxerkarrieren und Boxkämpfe als existenzielle Dramen. Ihre Geschichten erzählen von Underdogs, von Comebackversuchen, von Emotionen – sowie vom schmalen Grat zwischen Sieg und Niederlage, Ruhm und Abstieg.

Jürgen Bürgin

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