PUNCH! Fotoausstellung von Jürgen Bürgin in Gernsbach

PUNCH! © Jür­gen Bür­gin

Fotoausstel­lung
PUNCH!
Geschicht­en aus der Welt des Box­ens
Fotografien von Jür­gen Bür­gin

29. Okto­ber 2022 bis 18. Jan­u­ar 2023

Rathaus Gerns­bach
Igel­bach­straße 11
76593 Gerns­bach

Öff­nungszeit­en
Mon­tag – Mittwoch 08:00 – 12:00 Uhr
Don­ner­stag 08:00 – 18:00 Uhr
Fre­itag 08:00 – 13:00 Uhr

Vernissage: Sam­stag, 29. Okto­ber 2022, 11 Uhr
Ein­führungsrede durch die Jour­nal­istin und Autorin Kristi­na Hort­en­bach

PUNCH! ist eine visuelle Reise in die Welt des Box­ens. Die Serie unter­sucht die Emo­tio­nen, den Schmerz, das Lei­den, die Lei­den­schaft und die Begeis­terung der Box­er. PUNCH! erzählt mit fotografis­chen Mit­teln die Geschicht­en von Box­erin­nen und Box­ern vom Train­ing über die Vor­bere­itung auf den Wet­tkampf über den Kampf bis hin zum Sieg und zur Nieder­lage. PUNCH! ist keine Sportre­portage, son­dern eine emo­tionale, per­sön­liche, doku­men­tarische Annäherung an die Welt der Box­er.

“Each box­ing match is a sto­ry – a unique and high­ly con­densed dra­ma without words”.
Joyce Car­ol Oates

Ende 2022 wird der Foto­bild­band PUNCH! erscheinen.

Kon­takt:
Jür­gen Bür­gin
info@juergenbuergin.com
www.juergenbuergin.com
mobil: +49–174-3156411

Druck­fähiges Bild­ma­te­r­i­al kön­nen Sie auf Anfrage gerne erhal­ten.

Biografie

Jür­gen Bür­gin ist 1971 in Lör­rach geboren. Er lebt und arbeit­et in Berlin als freier Autor und Fotograf. Seine Gen­res sind die Doku­men­tar­fo­tografie und die Straßen­fo­tografie. Seine doku­men­tarischen Serien erzählen von beson­deren Wel­ten, etwa von der Welt des Box­ens oder von Zirkussen. Bür­gin sucht in den Großstädten, in denen er fotografiert, das Beson­dere, das Poet­is­che, das Über­raschende im Alltäglichen. Seine Fotografien waren weltweit in etlichen Einzel- und Grup­pe­nausstel­lun­gen zu sehen. Seine Werke wur­den in die Samm­lun­gen viel­er Gale­rien, Museen und Bib­lio­theken aufgenom­men.

www.juergenbuergin.com   

AUSSTELLUNGEN (Auswahl; G=Gruppenausstellung)

2022

Close Encoun­ters. Gemein­schaft­shaus Lang­wass­er, Nürn­berg.

City Lights. Vil­la Berberich, Bad Säckin­gen. Mit Jan Medau.

2020

Urban Fever. Gast­feld, Bre­men.

2018

Inti­mate Strangers. Ameri­ka Haus, Tübin­gen. Mit Jörg Rub­bert.

Depth of Field. Cen­ter for Pho­to­graph­ic Art, Carmel, Cal­i­for­nia (G)

2017

Expo­sure. Mit Tex­ten von Anna-Sophie Jür­gens. Luisa Catuc­ci Gallery, Berlin.

Cir­cus. Galerie Barcelona. Bel­grad, Ser­bi­en.

Urban Fever. Head On Pho­to Fes­ti­val, Syd­ney, Aus­tralien.

Night­shift. Mit Jörg Rub­bert. Cen­tral Euro­pean House of Pho­tog­ra­phy, Bratisla­va.

2016

Lichter der Manège. Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek, Mar­burg.

Men­sch und Metro­pole. Galerie im Saal­bau, Berlin.

2015

Urban Nights. Foto­ga­lerie Pots­dam, Pots­dam.

30 Jahre Foto­ga­lerie Friedrichshain – Ret­ro­spek­tive. Berlin (G).

2014

Das Glück in großen Städten. Galerie Lar­don, Ahren­shoop.

Urban Places. Galerie Aspekt, Neustadt an der Wein­straße (G).

2013

Urban Bal­lads. Foto­ga­lerie Friedrichshain, Berlin.

2012

Street Shots/NYC.  South Street Sea­port Muse­um, New York (G).

PUBLIKATIONEN (Auswahl)

Jür­gen Bür­gin: PUNCH. A visu­al sto­ry. Foto­bild­band. Chum­bo, Liss­abon 2023.

Jür­gen Bür­gin: Urban Fever. Scenes from City Life. Berlin, 2016.

Anna-Sophie Jür­gens: Poet­ik des Zirkus. Mit Zirkus­fo­tografien von Jür­gen Bür­gin.

Über PUNCH!

Als ich die Trep­pen zum Gleason’s Gym, dem berühmten New York­er Boxs­tu­dio in Brook­lyn hochstieg, um ein New York­er Box­turnier zu fotografieren, hat­te ich noch kaum Ahnung vom Box­en. Ich kan­nte die berühmtesten Namen, vor allem der Box­er aus den deutschen Boxställen, ich hat­te vielle­icht weniger als fünf Boxkämpfe im Fernse­hen gese­hen, ich hat­te When We Were Kings, den Doku­men­tarfilm über den berühmten Kampf zwis­chen Ali und Fore­man 1974 in Zaïre, im Kino gese­hen. Und ich kan­nte einige berühmte Box­fo­tos, allen voran das großar­tige Ali-Foto von Thomas Hoep­ker: Ali streckt der Kam­era seine Faust ent­ge­gen und ist selb­st nur in der Unschärfe im Hin­ter­grund zu sehen.

Ich war über­rascht von dem beina­he famil­iären Ein­druck, den das Gleason’s Gym bei mir hin­ter­ließ. Es ist ein fre­undlich­er Ort, die Fam­i­lien und Fre­unde der Kämpfer waren da, um ihnen zuzuse­hen und sie anzufeuern. Großväter, die selb­st schon Box­er waren, fieberten mit den Enkeln bei deren ersten Boxver­suchen mit. Mäd­chen und junge Frauen kämpften mit ein­er Ver­bis­senheit, die der der Män­ner in nichts nach­stand. 

Das Gleason’s Gym liegt in Dum­bo, einem hip­pen und längst teuren Wohn­vier­tel in Brook­lyn, zwis­chen der Brook­lyn Bridge und der Man­hat­tan Bridge, einst ein für Mieter unat­trak­tives Indus­trievier­tel. Das Gym wurde 1937 in der Bronx gegrün­det, Muham­mad Ali soll dort mal trainiert haben, eben­so Jake LaM­ot­ta und Mike Tyson. Heute wirkt es, zwis­chen ange­sagten Geschäften, Gale­rien und Restau­rants und unweit des touris­tis­chen Brook­lyn Bridge Parks beina­he wie ein Fremd­kör­p­er.

Als ich nachts wieder die Straßen Brook­lyns betrat, hat­te das Turnier im Gleason’s Gym einige mein­er Klis­cheevorstel­lun­gen über Box­en ver­trieben – und es hat­te eine Fasz­i­na­tion für diesen Sport in mir ange­facht.

Zurück in Deutsch­land begann ich bei Box­train­ings zu fotografieren, bei Ama­teurkämpfen und schließlich auch bei ein paar Profikämpfen, wobei die intimere Atmo­sphäre bei Ama­teurkämpfen meist emo­tionalere Fotos zuließ als jene bei Profievents.

Ich blieb immer stiller Beobachter – kon­nte nie mitre­den, wenn meine Fotografenkol­le­gen über die Chan­cen des einen oder anderen Box­ers philoso­phierten. Den­noch lernte ich einiges. Zumin­d­est schnappte ich einiges in Gesprächen mit Train­ern, Box­ern und Gästen auf. Ich erfuhr, dass manch­er Boxvere­in in Deutsch­land Schwierigkeit­en hat, feste Train­ing­sorte zu find­en. Obwohl die besten Box­er in Deutsch­land Stars sind und die Welt­meis­ter­schaft­skämpfe Mil­lio­nen Zuschauer vor die Fernsehschirme lock­en, hat der Sport es auf Ama­teurebene schw­er, sich gegen Fußball durchzuset­zen. Ein Box­train­er, mit dem ich sprach, beschw­erte sich darüber und emp­fahl, Kinder eher in einen Boxvere­in als in einen Fußbal­lvere­in zu schick­en, wenn sie Fair­ness und Selb­stach­tung ler­nen sollen. Und in der Tat erlebte ich Train­er, die ihre jun­gen Kämpfer zusam­menpfif­f­en, wenn sie nach einem gewonnenen Kampf allzu sehr über ihre Geg­n­er tri­um­phierten. Box­en scheint früher wie heute dazu geeignet zu sein, junge Men­schen von der Straße wegzu­holen, ihre Aggres­sio­nen zu kanal­isieren und in die richtige Rich­tung zu lenken.

Der Boxs­port ist aber auch dabei, neue Wege einzuschla­gen: Immer weniger scheint Box­en mit ein­er krim­inellen Halb­welt zu tun zu haben, dafür gibt es immer mehr Man­ag­er und Geschäft­sleute, die das Box­train­ing als Aus­gle­ich für Bürostress und dro­hen­des Burnout nutzen. Und es gibt eine kleine, hippe, junge Szene von Men­schen, die Box­en mit Schach zum „chess box­ing“ kom­binieren, bei dem abwech­sel­nd geboxt und Schach gespielt wird – Gewin­ner ist, wer den Geg­n­er K. o. schlägt oder ihn Schachmatt set­zt.

Die Ästhetik des Box­ens beruht auf eini­gen archais­chen und emo­tion­al aufge­lade­nen Ele­menten: Schmerz, Blut und Schweiß, Sieg und Nieder­lage, Dynamik, Konzen­tra­tion, Kraft. Zum Boxkampf gehört eine begren­zte Anzahl an Pro­tag­o­nis­ten, die, an ein klas­sis­ches Dra­ma erin­nernd, zusam­men­wirken: der Kämpfer, der Train­er, der Cut­man, der Ringrichter, die Punk­trichter, der Box-Pro­mot­er. Und zu einem Boxwet­tkampf gehört ein fes­ter dra­matur­gis­ch­er Ablauf: vom Train­ing über das offizielle Wiegen bis zu den Vorkämpfen und zum Haup­tkampf am Wet­tkampf­tag. Box­en ist sich­er die Sportart, die in ihrer Dra­maturgie am ehesten mit einem klas­sis­chen Dra­ma ver­wandt ist. In ihrem Buch „On Box­ing” schrieb die amerikanis­che Schrift­stel­lerin Joyce Car­ol Oates: „Each box­ing match is a sto­ry – a unique and high­ly con­densed dra­ma with­out words“.

So ist es auch kein Zufall, dass einige wichtige Filme der Filmgeschichte sich ums Box­en drehen, sei es Mar­tin Scors­eses Wie ein wilder Sti­er (1980), Clint East­woods Mil­lion Dol­lar Baby (2004), David O. Rus­sells The Fight­er (2010) oder der berühmteste aller Box­filme, John G. Avild­sens Rocky. Alle diese Filme insze­nieren Box­erkar­ri­eren und Boxkämpfe als exis­ten­zielle Dra­men. Ihre Geschicht­en erzählen von Under­dogs, von Come­back­ver­suchen, von Emo­tio­nen – sowie vom schmalen Grat zwis­chen Sieg und Nieder­lage, Ruhm und Abstieg.

Jür­gen Bür­gin

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