Ashkal von Youssef Chebbi beim Filmfestival Mannheim Heidelberg

Ashkal von Youssef Cheb­bi beim Film­fes­ti­val Mannheim Hei­del­berg

ENGLISH VERSION BELOW

Regie: Youssef Cheb­bi

Land: Tune­sien, Frankre­ich

Deutsch­land­premiere

2022 | 92 min. | Ara­bisch

Unter­ti­tel: Deutsch, Englisch

Darsteller*innen_ Fat­ma Ous­saifi, Mohamed Houcine Grayaa, Rami Harra­bi, Hichem Riahi, Nabil Tra­bel­si, Bahri Rahali

Drehbuch_ Youssef Cheb­bi, François-Michel Alle­gri­ni

Kamera_ Hazem Berrabah

Produzent*in_ Farès Lad­ji­mi Rechte_ The Par­ty Film Sales

Les jardins de Carthage, ein Wohn­vier­tel im Nor­den von Tunis. Es sollte für die Wür­den­träger des alten Regimes gebaut wer­den, doch als eine Selb­stver­bren­nung den ara­bis­chen Früh­ling und den Sturz Ben Alis aus­löste, wurde der Bau gestoppt. Jahre­lang standen die Beton­gerippe der unfer­ti­gen Häuser herum. Nun wur­den die Bauar­beit­en wieder aufgenom­men. Doch schon bald wird in einem der unfer­ti­gen Baut­en die ver­bran­nte Leiche eines Wach­mannes gefun­den. Kein­er weiß, ob es eine Selb­stver­bren­nung war, oder ob er ermordet wurde. Fat­ma, eine mod­ern lebende, rebel­lis­che Polizistin nimmt gemein­sam mit ihrem Kol­le­gen Batal die Ermit­tlun­gen in dem Fall auf. Es gibt Hin­weise und Aus­sagen, die auf einen Suizid deuten, doch die bei­den Polizis­ten sind skep­tisch, die glauben nicht daran – warum hätte das unter Auss­chluss der Öffentlichkeit stat­tfind­en sollen, qua­si als Protest, den über­haupt nie­mand mit­bekommt? Sie ver­suchen her­auszufind­en, ob es etwa Span­nun­gen zwis­chen den tune­sis­chen und den sub­sa­harischen Arbeit­ern gegeben haben kön­nte.

Die Gerichtsmedi­zin stellt fest, dass der Mann sich mit Ben­zin über­gossen hat, aber auf­fäl­lig ist, dass er kein­er­lei Anze­ichen von Stößen hat­te, die bei Ver­bren­nun­gen in der Panik eigentlich passieren, so als ob er sich regungs­los der Ver­bren­nung hingegeben hätte. Aber: Es war Selb­st­mord, kon­sta­tiert die Gerichtsmedi­ziner­in.

Die 18-jährige Hajer Mahoub, ein Dien­st­mäd­chen, ist die näch­ste Bran­dle­iche, ähn­lich wie die erste. Mit Ben­zin über­gossen, angezün­det. Ihre Leiche ist bere­its beerdigt. Bouh­lel hat in dem Vier­tel das Sagen bei der Polizei. Die junge Frau, sagt er, sei von zwei Arbeit­ern angezün­det wor­den, die sie zuvor verge­waltigt hät­ten. Batal bezweifelt das, es habe keine Anze­ichen für eine Verge­wal­ti­gung gegeben. Aber man fand auch keine Hin­weise auf Suizid. Man ver­sucht Zusam­men­hänge zur anderen Ver­bren­nung zu find­en. Doch die der Verge­wal­ti­gung beschuldigten machen eine inter­es­sante Aus­sage: Ein Mann sei bei Hajer gewe­sen, habe sie „mit der Hand“ angezün­det und sie sei, als sie bran­nte, ruhig geblieben, nackt, ohne sich zu wehren. Eine merk­würdi­ge Aus­sage, aber die Beobach­tung deckt sich mit dem, was die Gerichtsmedi­ziner­in fest­gestellt hat­te.

Unter­dessen unter­sucht die „Kom­mis­sion für Wahrheit und Würde“ die Willkür der Behör­den unter der ehe­ma­li­gen Regierung. Die Opfer sollen gehört, die Schuldigen vor Gericht gebracht wer­den. Es soll Frieden und Aussöh­nung im Land geben. Und auch Fat­ma macht die Beobach­tung ein­er mys­ter­iösen Gestalt…

ASHKAL ist ein ver­stören­der Film über die Zeit uner­füll­ter gesellschaftlich­er und poli­tis­ch­er Hoff­nun­gen in der Gegen­wart Tune­siens. Youssef Cheb­bi, der auch Musik­er ist, gewann mit sein­er doku­men­tarische Co-Regiear­beit „Baby­lon“, über libysche Geflüchtete in Tune­sien, die auch im MoMa zu sehen war, den Großen Preis beim Doku­men­tarfilm­fes­ti­val in Mar­seille. ASHKAL ist sein Lang­filmde­büt. ASHKAL besitzt eine beein­druck­ende Bild­sprache, die unfer­ti­gen Beton­baut­en liefern einen rauen, unwirk­lichen Hin­ter­grund der Filmerzäh­lung. Ich per­sön­lich finde zu der sper­ri­gen Erzäh­lung nicht immer ein­fach Zugang, manch­mal lässt er mich – trotz der ein­dringlichen Musik – merk­würdig kalt, den­noch ist es ein beein­druck­end erzählter Film und ein wichtiger Beitrag zum tune­sis­chen Gegen­wart­ski­no.

Screen­ings

Dien­stag, 22.11.2022 21:00

mit Gästen

Mannheim Stadthaus N1

Dien­stag, 22.11.2022 18:15

mit Gästen

Hei­del­berg Glo­ria

Mittwoch, 23.11.2022 18:00

mit Gästen

Mannheim Atlantis

Son­ntag, 27.11.202218:00

Hei­del­berg Karl­storki­no Süd

ENGLISH VERSION

Ashkal by Youssef Cheb­bi at the Mannheim Hei­del­berg Film Fes­ti­val

Direct­ed by Youssef Cheb­bi

Coun­try: Tunisia, France

Ger­man pre­mière

2022 | 92 mins | Ara­bic

Sub­ti­tles: Ger­man, Eng­lish

Actors_ Fat­ma Ous­saifi, Mohamed Houcine Grayaa, Rami Harra­bi, Hichem Riahi, Nabil Tra­bel­si, Bahri Rahali

Screenplay_ Youssef Cheb­bi, François-Michel Alle­gri­ni

Camera_ Hazem Berrabah

Producer_ Farès Lad­ji­mi Rights_ The Par­ty Film Sales

Les jardins de Carthage, a res­i­den­tial area in the north of Tunis. It was sup­posed to be built for the dig­ni­taries of the old régime, but con­struc­tion was halt­ed when a self-immo­la­tion event sparked the Arab Spring and the fall of Ben Ali. The con­crete skele­tons of the unfin­ished hous­es stood around for years. The con­struc­tion work has now resumed. But soon the burned body of a secu­ri­ty guard is found in one of the unfin­ished build­ings. Nobody knows if it was a self-immo­la­tion or if he was mur­dered. Fat­ma, a mod­ern, rebel­lious police­woman, starts inves­ti­gat­ing the case togeth­er with her col­league Batal. There are indi­ca­tions and state­ments that point to a sui­cide, but the two police offi­cers are skep­ti­cal, they don’t believe in it – why should this have tak­en place behind closed doors, as a kind of protest that nobody even notices? They’re try­ing to fig­ure out if there might have been ten­sions between Tunisian and sub-Saha­ran work­ers.

The coro­ner notes that the man doused him­self in petrol, but it is strik­ing that he showed no signs of the phys­i­cal shock that nor­mal­ly occurs with pan­ic burns, as if he had been motion­less in the process of being burned. But: It was sui­cide, states the med­ical exam­in­er.

18-year-old Hajer Mahoub, a maid, is the next burned body, sim­i­lar to the first. Doused with gaso­line, set on fire. Her body is already buried. Bouh­lel is in charge of the police in the neigh­bor­hood. The young woman, he says, was set on fire by two work­ers who had pre­vi­ous­ly raped her. Batal doubts that, there were no signs of rape. But no evi­dence of sui­cide was found. One tries to find con­nec­tions to the oth­er com­bus­tion. But those accused of the rape make an inter­est­ing state­ment: a man was with Hajer, set her on fire „with his hand” and, as she burned, she remained calm, naked, with­out resist­ing. A strange state­ment, but the obser­va­tion is con­sis­tent with what the med­ical exam­in­er found.

Mean­while, the Truth and Dig­ni­ty Com­mis­sion is inves­ti­gat­ing the arbi­trari­ness of the author­i­ties under the for­mer gov­ern­ment. The vic­tims should be heard and the guilty brought to jus­tice. There should be peace and rec­on­cil­i­a­tion in the coun­try. And Fat­ma also observes a mys­te­ri­ous fig­ure…

ASHKAL is a dis­turb­ing film about the time of unful­filled social and polit­i­cal hopes in Tunisia today. Youssef Cheb­bi, who is also a musi­cian, won the Grand Prize at the Mar­seille Doc­u­men­tary Film Fes­ti­val with his co-direct­ed doc­u­men­tary Baby­lon, about Libyan refugees in Tunisia, which was also screened at MoMa. ASHKAL is his fea­ture film debut. ASHKAL has an impres­sive imagery, the unfin­ished con­crete build­ings pro­vide a raw, unre­al back­ground to the film’s nar­ra­tive. Per­son­al­ly, I don’t always find the bulky nar­ra­tive easy to access, some­times it leaves me strange­ly cold – despite the haunt­ing music – but it is an impres­sive­ly told film and an impor­tant con­tri­bu­tion to con­tem­po­rary Tunisian cin­e­ma.

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