A WOMAN (Une femme de notre temps) beim Filmfestival Mannheim Heidelberg

A WOMAN (Une femme de notre temps) beim Film­fes­ti­val Mannheim Hei­del­berg

Regie: Jean-Paul Civeyrac

ENGLISH VERSION BELOW

Land: Frankre­ich

2022 | 96 min. | Franzö­sisch

Darsteller*innen: Sophie Marceau, Johan Helden­bergh, Cristi­na Flu­tur, Héloïse Bous­quet, Michaël Erpeld­ing Drehbuch_ Jean-Paul Civeyrac Kamera_ Pierre-Hubert Mar­tin Produzent*in_ Frédéric Nie­der­may­er, Oury Mil­shtein Rechte_ Kinol­o­gy

Frankre­ich, in der Nähe von Paris. Juliane Ver­beke (Sophie Marceau) ist Polizeikom­mis­sarin, Sports­chützin mit Pfeil und Bogen aus Lei­den­schaft. Glück­lich lebt sie mit ihrem Ehe­mann Hugo (Johan Helden­bergh) in einem schö­nen Haus mit großem Garten. Ein Gärt­ner küm­mert sich ums Gelände. Juliane trifft sich mit ihrer Fre­undin Fabi­enne, die sie länger nicht gese­hen hat. Lydia, Julianes jün­gere Schwest­er ist vor ein paar Jahren bei einem Autoun­fall gestor­ben. Juliane möchte ein Buch über sie schreiben – nicht wie son­st Krim­is, Fabi­enne soll ihr dabei helfen, weil sie Lydia bess­er gekan­nt hat­te. Sie erin­nern sich an sie, wie insta­bil sie war, wie sie schon mit 12 ein­mal abge­hauen war, wie sie ein­fach so nach Japan ging. Manch­mal macht Juliane sich Gedanken, ob sie nicht bess­er auf ihre Schwest­er auf­passen hätte müssen.

Juliane und Hugo haben auch eine kleine Stadt­woh­nung in Paris. Als Juliane eines Tages dort nach dem Recht­en sehen will, weil ihre Tochter Agathe dort eine Zeit lang bleiben will – so wohnt in Lon­don und ent­flieht ihrem Liebeskum­mer, find­et sie zwei Rotwe­ingläs­er und ein zer­wühltes Bett vor, dann ent­deckt sie Hugo, wie er draußen mit ein­er anderen Frau, Con­stance, ankommt und diese küsst. Im Bad ver­steckt muss sie verzweifelt mit anhören, wie ihr Mann mit der Frau schläft. Aber sie hört auch, wie er erzählt, dass er Juliane immer noch zutief­st liebt und es nicht fer­tig­brin­gen würde, sie zu ver­let­zen.

Hugo ahnt nicht, dass Juliane von ihrem Ehe­bruch weiß – und auch Agathe äußert ihr Erstaunen darüber, dass sie nach so ein­er lan­gen Ehe immer noch so sehr ineinan­der ver­liebt sind. Julianes Schw­er­mut und Nach­den­klichkeit inter­pretieren bei­de als Zeichen der Trauer über den fün­ften Jahrestag des Unfall­tods von Lydia.

Doch dann ent­deckt Juliane, dass Hugo nicht das erste Mal untreu war. Und nun nimmt die Hand­lung eine uner­wartete Wen­dung, die mit Hugo gar nichts zu tun hat…

„Une femme de notre temps” ist ein klas­sisch erzählter Thriller, der mich am meis­ten eigentlich an Chabrol gemah­nt. Die Ver­dachtsmo­mente gegen Hugo ent­fal­ten sich ganz allmäh­lich. Die Span­nungs- und Sus­pens­eszenen, eben jene zum Beispiel, als Juliane in der Stadt­woh­nung den Ehe­be­trug ihres Mannes ent­deckt bleiben unauf­dringlich und gebremst. Die Wen­dun­gen, die die Hand­lung nimmt, sind drama­tisch, über­höht, sie haben nicht immer nur die Glaub­würdigkeit, den Real­is­mus im Auge, das darf mein­er Mei­n­ung nach ein Gen­re­film ja aber auch. Was ich dem Film aber hoch anrechne ist die begren­zte Zahl an drama­tis­chen Wen­dun­gen, die Hand­lung beschle­u­nigt sich nicht gegen Ende immer mehr, das Tem­po wird beibehal­ten. Das überzeugt mich, das zieht mich immer weit­er hinein. Auch der orches­trale Sound­track geht damit ein­her, er begleit­et die Hand­lung, ver­stärkt sie, aber auch die Musik greift nicht zu über­drama­tisieren­den Mit­teln. Nach der alten Regel, dass in einem Film eine Waffe, die früh gezeigt wird, später auch ange­wandt wird, entwick­elt sich der Film schließlich auch zum Rachethriller, aber auch hier behält Regis­seur Jean-Paul Civeyrac die Zwis­chen­töne bei, hält das zurück­hal­tende Tem­po bei und bricht damit auch die Gen­rege­wohn­heit­en der let­zten Jahre und Jahrzehnte.

Bleibt Sophie Marceau zu loben, die die Rolle der Juliane überzeu­gend und ein­prägsam spielt. Das Zusam­men­wirken zwis­chen ihrem Spiel, der getra­ge­nen, gebrem­sten Insze­nierung Civeyracs und die Musik des ukrainis­chen Kom­pon­is­ten Valen­tyn Sylve­strov machen den Film zu einem überzeu­gen­den Dra­ma, der mich wieder ein­mal mit den Gen­re­film ver­söh­nt und der hof­fentlich auch auf ein Pub­likum trifft, das mit der Erzählweise des Films etwas anfan­gen kann.

„Une femme de notre temps“ läuft Ende Novem­ber beim Inter­na­tionalen Film­fes­ti­val Mannheim Hei­del­berg.

Screen­ings

Fre­itag, 25.11.2022 18:00

Mannheim Stadthaus N1

Sam­stag, 26.11.2022 21:00

Mannheim Stadthaus N1

Son­ntag, 27.11.202215:00

Hei­del­berg Lux­or (Crown)

https://www.iffmh.de/festival/unser-filmprogramm/filme/a‑woman/index_ger.html

Coun­try: France

2022 | 96 mins | French

Actors: Sophie Marceau, Johan Helden­bergh, Cristi­na Flu­tur, Héloïse Bous­quet, Michaël Erpeld­ing Screenplay_ Jean-Paul Civeyrac Camera_ Pierre-Hubert Mar­tin Producer_ Frédéric Nie­der­may­er, Oury Mil­shtein Rights_ Kinol­o­gy

France, near Paris. Juliane Ver­beke (Sophie Marceau) is a police com­mis­sion­er and a pas­sion­ate markswoman with a bow and arrow. She lives hap­pi­ly with her hus­band Hugo (Johan Helden­bergh) in a beau­ti­ful house with a large gar­den. A gar­den­er takes care of the grounds. Juliane meets up with her friend Fabi­enne, whom she has­n’t seen in a while. Lydia, Juliane’s younger sis­ter died in a car acci­dent a few years ago. Juliane would like to write a book about her – not like usu­al crime nov­els, Fabi­enne should help her because she knew Lydia bet­ter. They remem­ber her as unsta­ble, how she left once when she was 12, how she just went to Japan. Some­times Juliane won­ders if she should­n’t have tak­en bet­ter care of her sis­ter.

Juliane and Hugo also have a small city apart­ment in Paris. One day when Juliane wants to check on things there because her daugh­ter Agathe wants to stay there for a while – she lives in Lon­don and escapes her lovesick­ness, she finds two glass­es of red wine and a rum­pled bed, then she dis­cov­ers Hugo, like him out­side anoth­er woman, Con­stance, arrives and kiss­es her. Hid­den in the bath­room, she des­per­ate­ly has to over­hear her hus­band sleep­ing with his wife. But she also hears him say­ing that he still loves Juliane deeply and would not bring him­self to hurt her.

Hugo has no idea that Juliane knows about her adul­tery – and Agathe also express­es her sur­prise that after such a long mar­riage they are still so much in love with each oth­er. Both inter­pret Juliane’s melan­choly and thought­ful­ness as a sign of sad­ness over the fifth anniver­sary of Lydia’s acci­den­tal death.

But then Juliane dis­cov­ers that Hugo has not been unfaith­ful for the first time. And now the plot takes an unex­pect­ed turn that has noth­ing to do with Hugo…

“Une femme de notre temps” is a clas­si­cal­ly told thriller that actu­al­ly reminds me most of Chabrol. The sus­pi­cions against Hugo unfold very grad­u­al­ly. The ten­sion and sus­pense scenes, for exam­ple the one when Juliane dis­cov­ers her husband’s cheat­ing in the city apart­ment, remain unob­tru­sive and slowed down. The twists and turns that the plot takes are dra­mat­ic, exag­ger­at­ed, they don’t always have cred­i­bil­i­ty and real­ism in mind, but in my opin­ion a genre film should do that too. But what I give the film a lot of cred­it for is the lim­it­ed num­ber of dra­mat­ic turns, the plot does­n’t accel­er­ate towards the end, the pace is main­tained. That con­vinces me, that pulls me fur­ther and fur­ther in. The orches­tral sound­track also goes hand in hand with this, it accom­pa­nies the action, inten­si­fies it, but the music does not resort to over­dra­mat­ic means either. Accord­ing to the old rule that in a film a weapon that is shown ear­ly is also used lat­er, the film even­tu­al­ly also devel­ops into a revenge thriller, but here too direc­tor Jean-Paul Civeyrac keeps the nuances, keeps the restrained pac­ing and breaks the genre habits of recent years and decades.

All that remains to be com­mend­ed is Sophie Marceau, who plays the role of Juliane con­vinc­ing­ly and mem­o­rably. The inter­ac­tion between her act­ing, Civeyrac’s solemn, slowed-down stag­ing and the music by the Ukrain­ian com­pos­er Valen­tyn Sylve­strov make the film a con­vinc­ing dra­ma, which once again rec­on­ciles me with genre films and which hope­ful­ly also finds an audi­ence that is famil­iar with the nar­ra­tive style of the film.

„Une femme de notre temps” will be screened at the Mannheim Hei­del­berg Inter­na­tion­al Film Fes­ti­val at the end of Novem­ber.

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