KURZKRITIKEN VOM MAX-OPHÜLS-FESTIVAL 2024

ZWISCHEN UNS GOTT

Regie: Rebec­ca Hirneise

| Öster­re­ich 2024 | 90 Min. | Keine Alters­freiga­be-Prü­fung (FSK) erfol­gt

Irgend­wie besitze ich den inneren Drang, Dokus über Men­schen mit extremen Glauben­saus­rich­tun­gen anzuse­hen, ins­beson­dere wenn’s um christliche Strö­mungen, Gemein­schaften und Sek­ten geht. „Eine Auseinan­der­set­zung kommt in Gang, die ein bre­ites Spek­trum von absoluter Bibel­treue, charis­ma­tis­ch­er Ekstase und tief­sitzen­der Gottes­furcht offen­bart. Und es öffnet sich ein Blick in christliche Gedanken­wel­ten und Kon­flik­te, die zwar anachro­nis­tisch anmuten, aber aktuell gelebt wer­den“, sagt der Fes­ti­val­text zu Rebec­ca Hirneis­es Doku­men­tarfilm ZWISCHEN UNS GOTT. „Seit neun Jahren lebe ich nun schon in Öster­re­ich und seit 15 Jahren nicht mehr in mein­er Heimat­stadt Müh­lack­er in Süd­deutsch­land“, erzählt die Regis­seurin. „Wegen der Pfle­ge­si­t­u­a­tion mein­er dementen Großel­tern nahm ich wieder Kon­takt mit mein­er Fam­i­lie auf und wurde dadurch in eine Welt zurück­ge­wor­fen, von der ich mich schon lange dis­tanziert hat­te. Ich habe Reli­gion immer als zwis­chen­men­schlich­es Kon­strukt wahrgenom­men, das haupt­säch­lich Kon­flik­te aus­löst. Ich bin eine der weni­gen Agnos­tik­erin­nen in mein­er Fam­i­lie. Doch mit zunehmender Dis­tanz stieg mein Inter­esse, den Glauben mein­er Fam­i­lie auf filmis­chem Weg bess­er ken­nen­zuler­nen. Während der Drehar­beit­en sprachen die Fam­i­lien­mit­glieder erst­mals wieder miteinan­der. Doch als ich unser Gespräch auf das The­ma Reli­gion lenk­te, wurde es kom­pliziert. Reli­gion scheint etwas zu sein, worüber man nicht gerne disku­tiert. Den­noch war und ist die Reli­gion in mein­er Fam­i­lie ständig präsent. Immer und über­all wird von Gott gesprochen, zu ihm gesun­gen, für ihn gebetet – außer im Haus mein­er Mut­ter.“

„Zwis­chen uns Gott“ gibt beein­druck­ende Ein­blicke in die ultra­religiösen Kreise der Fam­i­lie der Regis­seurin – ohne zu werten, ohne Stel­lung zu nehmen, ein­fach voller Neugierde und Inter­esse. Rebec­ca Hirneise gelingt eine berührende, per­sön­liche Doku­men­ta­tion über das Leben dieser Fam­i­lie. „Manch­mal denke ich, das war so ver­lorene Zeit“, erken­nt ein Fam­i­lien­mit­glied unter Trä­nen heute. Was wur­den Kinder damals unter dem Deck­män­telchen der Reli­gion drangsaliert, indok­triniert, eingeschränkt und in ihren Bedürfnis­sen beschnit­ten. „Zwis­chen uns Gott“ fasziniert darin, wie diese Wun­den der Ver­gan­gen­heit aus­ge­graben und aufgedeckt wer­den.

https://ffmop.de/film_detail/movie-65785ec4e17c8

ZWISCHEN UND GOTT gewann beim DOK.fest München 2024 den VIKTOR DOK.deutsch Wet­tbe­werb


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MILCHZÄHNE

Regie: Sophia Bösch | Deutsch­land 2024 | 97 Min. | FSK ab 12

„Milchzähne“ spielt in einem mys­ter­iösen, abgele­ge­nen Dorf, zu ein­er unbes­timmten Zeit, vielle­icht bald in der Zukun­ft. Skalde (Mathilde Bund­schuh) ist die Tochter ein­er Außen­sei­t­erin, Edith (Susanne Wolff), ein­er Frem­den, die irgend­wann zuge­zo­gen ist. Der Dor­fvorste­her ist Pesolt (Ulrich Matthes), er sorgt dafür, dass die stren­gen Regeln der Dor­fge­mein­schaft einge­hal­ten wer­den. Eines Tages taucht ein fremdes Kind aus dem Wald auf, doch Fremde sind nicht mehr geduldet. Erst ver­sucht sie, das Kind fortzuschaf­fen, doch es taucht wieder auf. Sie nimmt sie ein­fach mit nach Hause, doch daraus dro­ht Ärg­er zu entste­hen. Man dro­ht ihr mit schw­er­wiegen­den Kon­se­quen­zen, schließlich hat sie ein grundle­gen­des Gesetz gebrochen. Skalde geht nun ein großes Risiko ein… „Aufgewach­sen in einem Umfeld, das ihre Mut­ter ver­achtet, hat Skalde gel­ernt, dass sie nur dazuge­hören kann, wenn sie nicht so ist wie ihre Mut­ter. Sie hat sich an die Regeln und Werte der Gemein­schaft angepasst“, erk­lärt die Regis­seurin Sophia Bösch. „Erst als sie ein fremdes Kind vor den Geset­zen ret­ten will, denen sie selb­st sich zuvor unter­wor­fen hat, wird ihr klar, wovor ihre Mut­ter sie zu schützen ver­sucht hat. MILCHZÄHNE erzählt von Müt­tern und Töchtern, von der Angst vor dem Frem­den, und von der Sehn­sucht nach Zuge­hörigkeit.“ Sophia Bösch stammt aus der Schweiz, studierte in Stock­holm, Göte­borg und Babels­berg.

„Milchzähne“ ist eine beein­druck­ende Para­bel über die Angst vor dem Frem­den, Mathilde Bund­schuh in der Haup­trol­le der Skalde prägt diesen Film auf ein­drucksvolle Weise.

https://ffmop.de/film_detail/movie-6571e848641eb

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