DREAMING IN BETWEEN von Ryutaro NINOMIYA beim Nippon Connection Filmfestival in Frankfurt

©2022 „DREAMING IN BETWEEN” FILM PARTNERS

Herr Sue­na­ga ist stel­lvertre­tender Direk­tor ein­er Ober­schule und er ste­ht kurz vor sein­er Pen­sion­ierung. Er besucht seinen dementen Vater im Senioren­heim, will sich um das Grab sein­er Mut­ter küm­mern, führt den Hund Gas­si, unter­hält sich nett mit sein­er Nach­barin, inter­essiert sich für das Leben sein­er Tochter, ob sie einen Fre­und hat, macht Witze. Du machst mir Angst! Was ist los mit dir? Fragt seine Tochter nur. Denn sie ist sichtlich irri­tiert. Als fre­undlichen, ver­ständ­nisvollen, sozialen, kon­tak­t­freudi­gen Men­schen ken­nt sie ihn näm­lich gar nicht. Sofort hat sie den Ver­dacht, dass etwas Schlimmes mit ihm vorge­ht. Aber er wiegelt nur ab, was sie gle­ich wieder dazu bringt, sich gen­ervt abzuwen­den. Aber am meis­ten irri­tiert ist seine Frau, als er ihr plöt­zlich seine Liebes­bedürftigkeit und den Wun­sch nach kör­per­lich­er Nähe andeutet. Aber sie fragt ihn nur, ob er sich je vorstellen kön­nte, dass sie dazu ja sagen wür­den. Nein, kann er nicht. Zu lange ist das alles her. Zu lange, dass es keinen Sex mehr zwis­chen den bei­den gab. Nie­mand fragt bish­er ern­sthaft nach, was den wirk­lich los sei. Die bish­er einzige, die etwas zu hören bekommt, ist die junge Bedi­enung des Früh­stück­restau­rants auf seinem Weg zur Schule. Er ver­gisst zu bezahlen. Ich bin krank, ich vergesse, sagt er ihr kurz. Und die junge Frau ist in der Tat die erste, die sich ern­sthaft nach seinem Wohlbefind­en erkundigt. Und dann meldet der son­st so pflicht­be­wusste Sue­na­ga sich mit ein­er Ausrede sog­ar noch krank, um einen ganzen Tag lang ein­fach zu tun, worauf er Lust hat.

DREAMING IN BETWEEN von Ryu­taro Ninomiya lief im Jahr 2023 in Cannes. Ninomiya erzählt mit reduzierten Mit­teln, deutet vieles an und erzählt von ver­passten Möglichkeit­en und vor allem von ver­passter Kom­mu­nika­tion. Erstaunlich an der Geschichte ist es dann eben, dass nicht die ganzen Men­schen, die Her­rn Sue­na­ga eigentlich nahe sein müssten, seine Frau, seine ewig am Handy hän­gende Tochter, seine Arbeit­skol­le­gen sich wirk­lich für ihn inter­essieren, son­dern die junge Bedi­enung aus dem Café, die früher an sein­er Schule Schü­lerin war. Sie inter­essiert sich, sie hört ihm zu, sie ist ehrlich zu ihm.

Ryu­taro NINOMIYA stammt aus der Stadt Kamaku­ra in der japanis­chen Präfek­tur Kana­gawa. Geboren im Jahr 1986 ist er als Schaus­piel­er, Regis­seur und Drehbuchau­tor tätig. Für sein Lang­filmde­büt aus dem Jahr 2012, THE CHARM OF OTHERS, wurde beim tra­di­tion­sre­ichen Tokiot­er PIA Film Fes­ti­val aus­geze­ich­net. 2017 über­nahm er die Haup­trol­le in seinem eige­nen Film SWEATING THE SMALL STUFF, der beim 70. Locarno Film Fes­ti­val uraufge­führt wurde. Im Jahr 2019 wurde er für das Jugend­dra­ma MINORI, ON THE BRINK als bester Nach­wuch­sregis­seur mit dem FILMeX New Direc­tor Award Grand Prix aus­geze­ich­net.

DREAMING IN BETWEEN erzählt die berührende Geschichte dieses Mannes kurz vor der Rente. Das ist immer berührend und man sieht immer wieder Berührungspunk­te zum eige­nen Leben. Vielle­icht ist der Film erzäh­lerisch nicht immer sehr ein­fall­sre­ich, den­noch schaut man sich diese 96 Minuten sehr gerne an.

https://db.nipponconnection.com/de/event/1497/dreaming-in-between

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