LES COURAGEUX von Jasmin Gordon beim Max-Ophüls-Festival 2025

Jule (Ophe­lia Kolb) ist allein­erziehende Mut­ter dreier Kinder, Loic, Sami und Claire in einem kleinen Dorf in der franzö­sis­chen Schweiz. Eines Tages lädt sie die Kinder in der Nähe ihres Wohnortes in ein­er Auto­bah­n­rast­stätte ab, geht weg und kehrt stun­den­lang nicht wieder. Die Kinder wis­sen sich nicht so recht zu helfen und als die Gast­stät­ten­be­treiberin die Sicher­heit ruft, suchen die drei das Weite. Hil­f­los wan­dern sie los in Rich­tung ihres Wohn­haus­es, dazu müssen sie aber die Auto­bahn über­queren, was ger­ade so gut­ge­ht. Zu Hause ist nie­mand. Sie suchen sich im Haus etwas zu essen, leg­en sich schlafen, erst nachts kommt ihr Mut­ter nach Hause. Was hat sie getan? Wo war sie?

Faden­scheinige Ausre­den hält sie parat, was sie denn in der Zwis­chen­zeit gemacht habe. Über­haupt neigt sie zu son­der­baren Geschicht­en. Als sie die Kinder zur Schule fahren will, biegt sie plöt­zlich ab und zeigt den Kindern ein kleines, unren­oviertes Häuschen. Sie drin­gen ein, Jule meint, dass sie das Häuschen haben kön­nten, doch plöt­zlich hört sie draußen Stim­men – nun müssen sie durch das Fen­ster fliehen.

Vor allem Loic bekommt wegen sein­er Fehlzeit­en allmäh­lich Prob­leme in der Schule. Der Direk­tor fragt ihn selt­same Dinge, was denn seine Mut­ter beru­flich mache, ob sie manch­mal abends spät nach Hause käme. Immer deut­lich­er wird, das Jule ein Lügenkon­strukt auf­baut. Den Kindern gegenüber, der Schule gegenüber, dem Sozialamt gegenüber. Es finanziell nicht gut um die Fam­i­lie gestellt und um mit der Sit­u­a­tion zurecht zu kom­men, nimmt sie es hin, es mit der Wahrheit nicht genau zu nehmen und mit dem Gesetz und den Behör­den aneinan­derzuger­at­en. Doch welche Rolle ihre Kinder dabei spie­len müssen und wie sehr diese durch ihr Ver­hal­ten in Mitlei­den­schaft gezo­gen wer­den, das ver­drängt sie vielle­icht. Den­noch will sie alles ver­suchen, ihren Kindern zu zeigen, dass sie ihnen eine sichere Zukun­ft bieten kann.

„Les Courageux” ist der Debüt­film der in Los Ange­les gebore­nen Filmemacherin Jas­min Gor­don. Sie studierte Lit­er­atur, Fotografie und Doku­men­tarfilm in Frankre­ich und in den USA und lebt in der Schweiz.

„LES COURAGEUX ist eine Auseinan­der­set­zung mit meinem tiefen Inter­esse an der Zer­brech­lichkeit der indi­vidu­ellen Frei­heit angesichts gesellschaftlich­er Kon­ven­tio­nen”, erk­lärt sie. „Es ist eine Suche nach Antworten auf die Fra­gen, die ich mir täglich stelle: Was ver­lieren wir, wenn wir uns den Erwartun­gen der Norm anpassen? Was geschieht mit unser­er moralis­chen Integrität, wenn wir mit Widrigkeit­en kon­fron­tiert wer­den? Und wie weit sind wir bere­it zu gehen, um den Schein zu wahren?
Mit dem Porträt ein­er wahrhaft kom­plex­en Frau und Mut­ter – unsich­er, unvol­lkom­men, zärtlich und faszinierend – erzählt LES COURAGEUX eine Geschichte darüber, wie wichtig es ist, anders zu sein und anders zu bleiben, selb­st im Auge des Sturms.”

Jas­min Gor­don gelingt ein außergewöhn­lich­er, beein­druck­ender Film über die Rollen, die man in unser­er Gesellschaft zu spie­len gezwun­gen ist, wenn man am sozialen Abgrund ste­ht. Jule wird zur Lügner­in, sie macht ihren Kindern etwas vor, sie ver­sucht den äußeren Anschein zu wahren, obwohl das Lügenge­bäude kurz vor dem Zusam­men­bruch ste­ht. Ophe­lia Kolb in der Haup­trol­le spielt diese zer­brech­liche, zwiespältige Fig­ur unglaublich überzeu­gend. Man darf ges­pan­nt sein auf weit­ere Arbeit­en der Regis­seurin.

Jasmin Gordon – Filmografie

2005 PARIS 1951 (KF, Dok)

2006 MONSIEUR BORGES ET MOI (KF, Dok)

2015 BONNE POIRE (KF)

2018 EMPREINTES (KF)

2024 LES COURAGEUX (SF)

Regie

Jas­min Gor­don

Buch

Julien Bouis­soux

Kam­era

Andi Wid­mer

Mon­tage

Jan Müh­lethaler

Musik

Mir­jam Skal

Ton

Jürg Lem­pen

Ausstat­tung

Ivan Niclass, Rekha Musale

Kostüm

Lin­da Harp­er

Cast­ing

Glaus & Gut Cast­ing

Cast

Ophe­lia Kolb, Jas­mine Kalisz Saur­er, Paul Besnier, Arthur Devaux

Pro­duzen­ten

Brigitte Hofer, Cor­nelia Seitler

Pro­duk­tion

max­im­age

Redak­tion

Celya Lar­ré (RTS), Sven Wälti (SRF)

Förderung

BAK, Zürcher Film­s­tiftung, Pro Ciné­ma Bern, Medi­aDesk u.w.

Ver­leih

Met­Film (Großbri­tan­nien), New Moun­tain Films (Kana­da)

Alters­freiga­be

FSK ab 12

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