
Jule (Ophelia Kolb) ist alleinerziehende Mutter dreier Kinder, Loic, Sami und Claire in einem kleinen Dorf in der französischen Schweiz. Eines Tages lädt sie die Kinder in der Nähe ihres Wohnortes in einer Autobahnraststätte ab, geht weg und kehrt stundenlang nicht wieder. Die Kinder wissen sich nicht so recht zu helfen und als die Gaststättenbetreiberin die Sicherheit ruft, suchen die drei das Weite. Hilflos wandern sie los in Richtung ihres Wohnhauses, dazu müssen sie aber die Autobahn überqueren, was gerade so gutgeht. Zu Hause ist niemand. Sie suchen sich im Haus etwas zu essen, legen sich schlafen, erst nachts kommt ihr Mutter nach Hause. Was hat sie getan? Wo war sie?
Fadenscheinige Ausreden hält sie parat, was sie denn in der Zwischenzeit gemacht habe. Überhaupt neigt sie zu sonderbaren Geschichten. Als sie die Kinder zur Schule fahren will, biegt sie plötzlich ab und zeigt den Kindern ein kleines, unrenoviertes Häuschen. Sie dringen ein, Jule meint, dass sie das Häuschen haben könnten, doch plötzlich hört sie draußen Stimmen – nun müssen sie durch das Fenster fliehen.
Vor allem Loic bekommt wegen seiner Fehlzeiten allmählich Probleme in der Schule. Der Direktor fragt ihn seltsame Dinge, was denn seine Mutter beruflich mache, ob sie manchmal abends spät nach Hause käme. Immer deutlicher wird, das Jule ein Lügenkonstrukt aufbaut. Den Kindern gegenüber, der Schule gegenüber, dem Sozialamt gegenüber. Es finanziell nicht gut um die Familie gestellt und um mit der Situation zurecht zu kommen, nimmt sie es hin, es mit der Wahrheit nicht genau zu nehmen und mit dem Gesetz und den Behörden aneinanderzugeraten. Doch welche Rolle ihre Kinder dabei spielen müssen und wie sehr diese durch ihr Verhalten in Mitleidenschaft gezogen werden, das verdrängt sie vielleicht. Dennoch will sie alles versuchen, ihren Kindern zu zeigen, dass sie ihnen eine sichere Zukunft bieten kann.
„Les Courageux“ ist der Debütfilm der in Los Angeles geborenen Filmemacherin Jasmin Gordon. Sie studierte Literatur, Fotografie und Dokumentarfilm in Frankreich und in den USA und lebt in der Schweiz.
„LES COURAGEUX ist eine Auseinandersetzung mit meinem tiefen Interesse an der Zerbrechlichkeit der individuellen Freiheit angesichts gesellschaftlicher Konventionen“, erklärt sie. „Es ist eine Suche nach Antworten auf die Fragen, die ich mir täglich stelle: Was verlieren wir, wenn wir uns den Erwartungen der Norm anpassen? Was geschieht mit unserer moralischen Integrität, wenn wir mit Widrigkeiten konfrontiert werden? Und wie weit sind wir bereit zu gehen, um den Schein zu wahren?
Mit dem Porträt einer wahrhaft komplexen Frau und Mutter – unsicher, unvollkommen, zärtlich und faszinierend – erzählt LES COURAGEUX eine Geschichte darüber, wie wichtig es ist, anders zu sein und anders zu bleiben, selbst im Auge des Sturms.“
Jasmin Gordon gelingt ein außergewöhnlicher, beeindruckender Film über die Rollen, die man in unserer Gesellschaft zu spielen gezwungen ist, wenn man am sozialen Abgrund steht. Jule wird zur Lügnerin, sie macht ihren Kindern etwas vor, sie versucht den äußeren Anschein zu wahren, obwohl das Lügengebäude kurz vor dem Zusammenbruch steht. Ophelia Kolb in der Hauptrolle spielt diese zerbrechliche, zwiespältige Figur unglaublich überzeugend. Man darf gespannt sein auf weitere Arbeiten der Regisseurin.
Jasmin Gordon – Filmografie
2005 PARIS 1951 (KF, Dok)
2006 MONSIEUR BORGES ET MOI (KF, Dok)
2015 BONNE POIRE (KF)
2018 EMPREINTES (KF)
2024 LES COURAGEUX (SF)
Regie
Jasmin Gordon
Buch
Julien Bouissoux
Kamera
Andi Widmer
Montage
Jan Mühlethaler
Musik
Mirjam Skal
Ton
Jürg Lempen
Ausstattung
Ivan Niclass, Rekha Musale
Kostüm
Linda Harper
Casting
Glaus & Gut Casting
Cast
Ophelia Kolb, Jasmine Kalisz Saurer, Paul Besnier, Arthur Devaux
Produzenten
Brigitte Hofer, Cornelia Seitler
Produktion
maximage
Redaktion
Celya Larré (RTS), Sven Wälti (SRF)
Förderung
BAK, Zürcher Filmstiftung, Pro Cinéma Bern, MediaDesk u.w.
Verleih
MetFilm (Großbritannien), New Mountain Films (Kanada)
Altersfreigabe
FSK ab 12