DER SALZPFAD von Marianne Elliott ab 17. Juli 2025 im Kino

DER SALZPFAD erzählt eine wahre Geschichte und zwar die des Ehep­aars Raynor und Moth Winn. Die bei­den unternehmen eine 1000 Kilo­me­ter lange Wan­derung, durch Corn­wall, Devon und Dorset, ent­lang der britis­chen Küste. Es ist ein Wan­der-Road­movie, wir ken­nen sowas ja - aber es geht auch um den Ver­lust von Heimat. Der Film beruht auf dem gle­ich­nami­gen Buch, das Raynor Winn über diese Reise geschrieben hat.

Der Salzp­fad. Gillian Ander­son (Raynor) und Jason Isaacs (Moth) © British Broad­cast­ing Cor­po­ra­tion and Num­ber 9 Films Salt Path Lim­it­ed 2024 – pho­tog­ra­ph­er – Steve Tan­ner

1000 Kilo­me­ter wird die Wan­derung wohl lang sein. Naja, früher waren die bei­den schon ein­mal öfters wan­dern, aber das war Jahrzehnte her. Damals, als sie so um die zwanzig waren. In Mine­head, Som­er­set geht die Wan­derung los, am Meer. Die bei­den machen zunächst ein­mal, wie man das halt so macht, ein Self­ie, gemein­sam mit dem Meer. „Gehen wir?” – „Was sollen wir son­st tun?” Was ist so alter­na­tiv­los an dieser Wan­derung? Raynor ste­ht die Skep­sis ins Gesicht geschrieben. Moth, ihrem Mann, auch, noch dazu hat er Prob­leme beim Laufen, er hinkt. Ist d eine solch lange Wan­derung nich eine schlechte Idee? „Pad­dy” ist ihr Begleit­er. Also nicht wirk­lich: Pad­dy ist der Autor des Wan­der­führers, den sie dabei haben und der ihnen den Weg weist, aber was heißt schon „leicht bergauf”, wenn man es mit dem Gehen schw­er hat, wie eben Moth? Was soll denn dann passieren, wenn Pad­dy „ziem­lich steil bergauf” schreibt?

Naja, nach vier Kilo­me­tern sind sie schon ganz schön weit oben und kön­nen über das Meer blick­en, welch atem­ber­aubende Aus­sicht, welch wun­der­schöne Land­schaft. Aber Moth ist bere­its völ­lig am Ende. Wie um alles in der Welt soll er denn noch 996 Kilo­me­ter durch­ste­hen? Und warum um alles in der Welt nehmen sie über­haupt diese Stra­pazen auf sich? Nach Freude sieht das jeden­falls nicht aus. Früher als erhofft erfol­gt nun also die erste Über­nach­tung, im Zelt, nicht ger­ade der ide­ale Ort für ein Paar, das nun auch nicht mehr so richtig jung ist.

Tag 2. Die Land­schaft wird immer außergewöhn­lich­er und schön­er und während Raynor langsam unter­wegs ist, damit Moth sie ein­holen kann, hat sie Zeit, darüber nachzu­denken, was passiert ist, was sie dazu gebracht hat, die Stra­pazen dieser Wan­derung auf sich zu nehmen. Es ging näm­lich um ein ver­lorenes Gerichtsver­fahren. Um den Ver­lust ihres Haus­es, ihrer Heimat – und ihres Ver­mö­gens und Einkom­mens, weil sie das Land­haus näm­lich auch regelmäßig ver­mi­etet haben. Fünf Tage wür­den sie Zeit haben, sagte das Gericht, das Haus zu ver­lassen. Der feige Recht­san­walt hat sich gruß­los ver­drückt. Und dann ver­ste­hen wir, warum sie diese Wan­derung auf sich nehmen: Sie sind obdach­los. Heimat­los. Ihnen wurde das Zuhause weggenom­men. Wie entwürdi­gend war der Rauswurf. „Vielle­icht soll­ten wir ein­fach laufen?” frag Raynor in dieser verzweifel­ten Sit­u­a­tion. Und so sollte es sein. Nicht dass das eine Lösung wäre. Aber immer­hin ver­schiebt es die Dringlichkeit des Prob­lems nach hin­ten. Und so geschieht es. Aber wir erfahren noch mehr: Moth lei­det an ein­er unheil­baren Krankheit die sein Gehirn und seine Ner­ven angreift, die Gehbe­hin­derung ist ein erstes Anze­ichen davon.

Und so wech­selt die Erzäh­lung hin und her, zwis­chen den Tagen des Wan­derns und der Ver­gan­gen­heit, der Entwick­lung der Krankheit, dem Ver­lust des Haus­es etc. Und ich muss lei­der sagen: Diese Erzählweise ist in meinen sehr unfilmisch und anstren­gend, und man merkt ihr von vorne bis hin­ten an, dass sie der Anpas­sung ein­er Erzäh­lung an das Medi­um Film geschuldet ist. Ich mag dieses hin- und her­sprin­gen zwis­chen den Zeit­ebe­nen nicht, und mir fehlt die Innen­sicht ins­beson­dere Raynors, die ver­mut­lich im Buch auf wun­der­bare Weise vorhan­den ist – ohne dass ich das Buch gele­sen habe. (Immer­hin: Der Film weckt in mir die Lust, das Buch zu lesen.) Mich lang­weilt das lei­der über lange Streck­en, die Geschichte entwick­elt sich lange Zeit kaum weit­er – klar die Sit­u­a­tion der bei­den wird schwieriger, während sich wahrschein­lich im Buch die Innen­sicht Raynors per­ma­nent weit­er­en­twick­elt. Immer­hin hält uns der Film doch genug bei der Stange weil wir doch wis­sen wollen: Führen sie die Wan­derung zu Ende? Gibt es eine Lösung für die bei­den aus der dro­hen­den Obdachlosigkeit her­aus? Wie entwick­elt sich Moths Erkrankung? Um das­bzu erfahren, schaut man dann doch gerne den Film zu Ende. Oder man liest das Buch.

Der Salzp­fad. Jason Isaacs (Moth) © British Broad­cast­ing Cor­po­ra­tion and Num­ber 9 Films Salt Path Lim­it­ed 2024 – pho­tog­ra­ph­er – Steve Tan­ner

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