TRANSIT TIMES ab 2. Juli 2026 im Kino

Nach dem Ende der Sow­je­tu­nion in Chisin­au, Moldau, 1997. Sechs Jahre ist der Zusam­men­bruch der UdSSR mit­tler­weile her, doch die Begeis­terung der Men­schen schwindet und stattdessen steckt das Land in ein­er tiefen Krise. Man resig­niert, man ver­sucht das Land zu ver­lassen, man ver­sucht mit den schwieri­gen Bedin­gun­gen zurechtzukom­men. Alleine die Beschaf­fung von Lebens­mit­teln ist ein Kun­st­stück. Wer Kün­stler ist, hat es dop­pelt schwierig, kein­er kann sich Kun­st leis­ten – oder man muss gar das für die musikalis­che Kar­riere so notwendi­ge Piano verkaufen.

Zina ist 39, Büh­nen­bild­ner­in an einem einst lebendi­gen Kinderthe­ater, aber seit langem kann sie nicht mehr bezahlt wer­den. Kreativ ver­sucht sie, ihre kleine Fam­i­lie am Laufen zu hal­ten, doch ihr Mann Vic­tor, 51, Maler, versinkt in Selb­st­mitleid und Melan­cholie. Für die bei­den starken Frauen der Fam­i­lie ist er ein Ver­lust. Bald zieht er sich auch in das Kloster zurück, das in der Nähe wieder­eröffnet wurde. Das Sana­to­ri­um, das in dem Gebäude unterge­bracht war, wurde kurz­er­hand geschlossen. Vic­tors und Zinas Tochter Eva ist 17, und sie ist eine begabte Klavier­schü­lerin, die dabei ist ihre Kind­heit hin­ter sich zu lassen und ihren Platz im Leben zu find­en.

Eine ältere Frau im Dorf find­et bere­its eine Lösung für die schwierige Sit­u­a­tion: Sie lässt sich eine jüdis­che Ver­gan­gen­heit in den Reisep­a­ss fälschen und damit hat sie die Möglichkeit, in den West­en auszureisen. Wird das ein Vor­bild und ein Hoff­nungss­chim­mer für Zina und ihre Tochter Eva?

TRANSIT TIMES ist der zweite Lang­film nach ANISHOARA (2016, 106 Min.) der 1978 gebore­nen und in Moldau aufgewach­se­nen Ana-Feli­cia Scutel­nicu. Nie­mand habe damals wirk­lich darüber sprechen kön­nen, was ihnen passiert sei, weil man zu sehr mit Über­leben beschäftigt gewe­sen sei, erzählt Scutelicu in einem Inter­view. „Jet­zt haben wir genug Dis­tanz daüber nachzu­denken und zu ver­ste­hen, dass es einen Grund­mo­ment gab, zu dem ein Samen gepflanzt wurde, der jet­zt Früchte trägt, aber lei­der nicht nur gute Früchte.”

Für mich ist TRANSIT TIMES ein­er der wichtig­sten und bedeu­tend­sten Filme des Kino­jahres 2026 – und das ist vor allem drei Per­so­n­en zu ver­danken, die diesen Film zu einem kleinen Meis­ter­w­erk und zu ein­er regel­recht­en Neuent­deck­ung des Kinos machen: Das ist die ein­er­seits eben erwäh­nte Regis­seurin Ana-Feli­cia Scutel­nicu, die diesem Film so viel Kraft, so viel Erzähl­freude ver­lei­ht, wie ich es in jün­ger­er Zeit sel­ten gese­hen habe, zulet­zt vielle­icht bei Mascha Schilin­skis IN DIE SONNE SCHAUEN. Und die anderen bei­den Ent­deck­un­gen für mich sind die bei­den grandiosen Haupt­darstel­lerin­nen, Mari­na Palii als Zina und Ari­na Mura als Eva. Das Spiel der bei­den bren­nt sich einem ins Gedächt­nis ein. Mari­na Palii hat schon eine nen­nenswerte Fil­mo­gra­phie, aber wenn ich das recht sehe, ist TRANSIT TIMES Ari­na Muras Erstlings­film.

Man möge sich bitte beeilen und den Film in einem der hier aufge­lis­teten Kinos bald anse­hen: https://www.filmreederei.de/transit.html

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