
Nach dem Ende der Sowjetunion in Chisinau, Moldau, 1997. Sechs Jahre ist der Zusammenbruch der UdSSR mittlerweile her, doch die Begeisterung der Menschen schwindet und stattdessen steckt das Land in einer tiefen Krise. Man resigniert, man versucht das Land zu verlassen, man versucht mit den schwierigen Bedingungen zurechtzukommen. Alleine die Beschaffung von Lebensmitteln ist ein Kunststück. Wer Künstler ist, hat es doppelt schwierig, keiner kann sich Kunst leisten – oder man muss gar das für die musikalische Karriere so notwendige Piano verkaufen.
Zina ist 39, Bühnenbildnerin an einem einst lebendigen Kindertheater, aber seit langem kann sie nicht mehr bezahlt werden. Kreativ versucht sie, ihre kleine Familie am Laufen zu halten, doch ihr Mann Victor, 51, Maler, versinkt in Selbstmitleid und Melancholie. Für die beiden starken Frauen der Familie ist er ein Verlust. Bald zieht er sich auch in das Kloster zurück, das in der Nähe wiedereröffnet wurde. Das Sanatorium, das in dem Gebäude untergebracht war, wurde kurzerhand geschlossen. Victors und Zinas Tochter Eva ist 17, und sie ist eine begabte Klavierschülerin, die dabei ist ihre Kindheit hinter sich zu lassen und ihren Platz im Leben zu finden.
Eine ältere Frau im Dorf findet bereits eine Lösung für die schwierige Situation: Sie lässt sich eine jüdische Vergangenheit in den Reisepass fälschen und damit hat sie die Möglichkeit, in den Westen auszureisen. Wird das ein Vorbild und ein Hoffnungsschimmer für Zina und ihre Tochter Eva?
TRANSIT TIMES ist der zweite Langfilm nach ANISHOARA (2016, 106 Min.) der 1978 geborenen und in Moldau aufgewachsenen Ana-Felicia Scutelnicu. Niemand habe damals wirklich darüber sprechen können, was ihnen passiert sei, weil man zu sehr mit Überleben beschäftigt gewesen sei, erzählt Scutelicu in einem Interview. „Jetzt haben wir genug Distanz daüber nachzudenken und zu verstehen, dass es einen Grundmoment gab, zu dem ein Samen gepflanzt wurde, der jetzt Früchte trägt, aber leider nicht nur gute Früchte.”
Für mich ist TRANSIT TIMES einer der wichtigsten und bedeutendsten Filme des Kinojahres 2026 – und das ist vor allem drei Personen zu verdanken, die diesen Film zu einem kleinen Meisterwerk und zu einer regelrechten Neuentdeckung des Kinos machen: Das ist die einerseits eben erwähnte Regisseurin Ana-Felicia Scutelnicu, die diesem Film so viel Kraft, so viel Erzählfreude verleiht, wie ich es in jüngerer Zeit selten gesehen habe, zuletzt vielleicht bei Mascha Schilinskis IN DIE SONNE SCHAUEN. Und die anderen beiden Entdeckungen für mich sind die beiden grandiosen Hauptdarstellerinnen, Marina Palii als Zina und Arina Mura als Eva. Das Spiel der beiden brennt sich einem ins Gedächtnis ein. Marina Palii hat schon eine nennenswerte Filmographie, aber wenn ich das recht sehe, ist TRANSIT TIMES Arina Muras Erstlingsfilm.
Man möge sich bitte beeilen und den Film in einem der hier aufgelisteten Kinos bald ansehen: https://www.filmreederei.de/transit.html