BERLINALE 2026: Ein Blick in alle Sektionen

Das Pro­gramm der 16. Inter­na­tionalen Film­fest­spiele Berlin ist nun also veröf­fentlicht wor­den. Ich möchte hier einen Blick in alle Sek­tio­nen der Berli­nale wer­fen und jew­eils drei Filme aus­suchen, die mich in dieser Sek­tion beson­ders inter­essieren.

© Internationale Filmfestspiele Berlin / Claudia Schramke, Berlin

Wet­tbe­werb

Ich gehöre nicht zu den Men­schen, die sich darüber beschw­eren, wenn im Berli­nale-Wet­tbe­werb allzu viele Filme laufen, die nicht von den ein­schlägi­gen Regi­es­tars stam­men. Im Gegen­teil, ich bin immer froh, Filme und Filmemach­er ent­deck­en zu kön­nen. Den­noch ist der erste Film, den ich hier nen­nen möchte, ein­er der schon sehr bald in den deutschen Kinos starten wird, und zwar GELBE BRIEFE von İlker Çatak, dem Regis­seur von „Das Lehrerz­im­mer”. „Gelbe Briefe” startet bere­its am 5. März 2026 in den deutschen Kinos. Der Film spielt in der The­ater­szene Ankaras unter Staatswillkür. „Die Abwä­gung zwis­chen ihren Ide­alen und den Leben­snotwendigkeit­en erweist sich als Her­aus­forderung für die Ehe der bei­den”, sagt der Fes­ti­val­text. Bei der Gele­gen­heit sollte ich mich selb­st daran erin­nern, dass ich unbe­d­ingt einige der früheren Filme von İlker Çatak nach­holen sollte, etwa „Es gilt das gesproch­ene Wort”, „Es war ein­mal Indi­an­er­land” sowie „Räu­ber­hände”. Ungern lasse ich auch Filme von Angela Schan­elec aus, die Berli­nale zeigt ihren neuen Film mit Vladimir Vule­vić, Agathe Bonitzer und Birte Schnöink mit dem etwas trau­ri­gen Titel MEINE FRAU WEINT. Es ist die Geschichte des 40-jähri­gen Kran­führers Thomas und dessen weinen­der Frau. Der dritte Film, den ich her­vorheben möchte, ist ROSE von Markus Schleinz­er, alleine schon deswe­gen, weil San­dra Hüller in der Haup­trol­le spielt, und zwar einen Sol­dat­en, der im 17. Jahrhun­dert in ein Dorf kommt und sich eben als Sol­dat­en aus­gibt, aber in Wahrheit eine Frau ist. Ich erhoffe, dass die Atmo­sphäre, die der Film widergibt, mich vielle­icht an „Des Teufels Bad” erin­nert. Es ist der dritte Film von Markus Schleinz­er, nach „Michael” und „Ange­lo”, die ich bei­de drin­gend nach­holen muss. „Ange­lo” kann man immer­hin auf Ama­zon Prime nach­holen, „Michael” gab’s oder gibt’s auf DVD.

Berli­nale Spe­cial

Im Berli­nale Spe­cial, inzwis­chen eine Sam­melkat­e­gorie für Filme, die nicht in den Wet­tbe­wer­ben laufen sollen, kön­nen oder dür­fen, sowie für TV-Serien, inter­essiert mich GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE von Gore Verbin­s­ki, dessen let­zter Film, „A Cure for Well­ness” mir dur­chaus gut in Erin­nerung ist – der ist aber schon zehn Jahre alt. „Good Luck” ist ein Cyber­punk-KI-Sci­ence-Fic­tion-Film, naja, nicht unbe­d­ingt mein Lieblings­gen­remix, aber ich bin den­noch sehr ges­pan­nt. Ins Kino kommt der Film auch bere­its am 12. März 2026. Für den sel­ben Tag ist Mona Fastvolds THE TESTAMENT OF ANN LEE im Kino angekündigt, nach „Der Bru­tal­ist” eine weit­ere Zusam­me­nar­beit der Nor­wegerin mit Brady Cor­bet, dieses Mal führt sie Regie, er ist im Drehbuch involviert. „Mit neu inter­pretierten mitreißen­den Hym­nen wird das außergewöhn­liche Leben von Ann Lee, Grün­derin der Shak­er-Bewe­gung und Kämpferin für geschlechtliche und soziale Gle­ich­berech­ti­gung, als neue Gesellschaft­su­topie erzählt”, kündigt das Fes­ti­val den Film an, mit Aman­da Seyfried in der Haup­trol­le. THE WEIGHT mit Ethan Hawke und Rus­sell Crowe ist der Debt­film des langjähri­gen Edi­tors Padra­ic McKin­ley. Der Film spielt 1933 in der Wild­nis von Ore­gon, wo Samuel Mur­phy darum kämpft, sein Kind wiederzuse­hen. Klingt span­nend, seine Welt­premiere wird der Film in Sun­dance erleben.

Per­spec­tives

Per­spec­tives, der Wet­tbe­werb für junge Filmemach­er und Filmemacherin­nen wurde bisweilen schon als der eigentliche, viel span­nen­dere und vor allem mutigere Wet­tbe­werb ange­se­hen, mal schauen, wie das dieses Mal sein wird. Jeden­falls inter­essiert mich beispiel­sweise 17 von Kosara Mitic. Der Film spielt in Maze­donien, es geht um eine Klassen­fahrt und um sex­uelle Nöti­gung. „Das Unge­se­hene und Unaus­ge­sproch­ene spiegelt wider, wie Gewalt oft nor­mal­isiert oder ignori­ert wird”, sagt die Regis­seurin. DER HEIMATLOSE von von Kai Stänicke hat mich zuallererst vom Still­fo­to her ange­sprochen, wir find­en uns am Strand ein­er Insel wieder, die Dorf­bevölkerung ste­ht dort ver­sam­melt, es scheint ein his­torisch­er Stoff zu sein, wann genau das spielt, sagt der Fes­ti­val­text noch nicht, mir drängt sich natür­lich der Ver­gle­ich zu „Amrum” auf, mal sehen. Es klingt jeden­falls nach einem span­nen­den Dra­ma in der ländlichen, insu­laren Ein­samkeit. FORET IVRE spielt eben­falls in der Ein­samkeit ab (bei Gele­gen­heit werde ich ver­suchen festzustellen, ob das wirk­lich eine filmis­che Ten­denz ist: weg von der Großs­tadt hin aufs Land). Der Film ist von Manon Coubia und spielt auf ein­er bewirtschafteten Berghütte in den Alpen.

Panora­ma

Im Panora­ma spricht mich zum Beispiel ENJOY YOUR STAY von Dominik Locher und Hon­ey­lyn Joy Ali­pio an, die Geschichte der philip­pinis­chen Reini­gungskraft Luz, die ille­gal in einem Schweiz­er Luxus-Skiort arbeit­et. Seit einiger Zeit inter­essiere ich mich für den Schweiz­er Film, zwei Sub­gen­res fall­en mir da auf: Ein­er­seits Filme, die in Schweiz­er Abgele­gen­heit spie­len (ein­er mein­er Lieblings­filme dieser Gat­tung war „Drii Win­ter” von Michael Koch, den ich so toll fand, dass ich mir drin­gendst einen neuen Film von diesem Filmemach­er erhoffe) – und ander­er­seits Filme, die in Schweiz­er Luxu­sskiorten spie­len, „Win­ter­dieb” von Ursu­la Meier etwa. Der neue Film von Hong Sang­soo ist der näch­ste Film, den ich drin­gend sehen will, ver­mut­lich wieder ähn­lich ein­fach und zurück­hal­tend erzählt wie immer, und weitab vom erzäh­lerischen Main­stream, GEUNYEOGA DORAON NAL (THE DAY SHE RETURNS), über eine Inter­views gebende Schaus­pielerin. STAATSSCHUTZ von von Faraz Shari­at, ein deutsch­er Film mit span­nen­dem Cast, mit Chen Emi­lie Yan, Julia Jentsch, Alev Irmak, Arnd Klawit­ter und Sebas­t­ian Urzen­dowsky, erzählt von einem ras­sis­tis­chen Anschlag auf eine Staat­san­wältin.

Gen­er­a­tion

Wenn nichts dazwis­chen kommt und wenn wir Tick­ets bekom­men, wird diese Berli­nale bere­its die siebte meines zehn­jähri­gen Sohnes sein. Wir fin­gen damals mit den Kurz­film­pro­gram­men an, haben schon mehrere Doku­men­tarfilme aus dem Gen­er­a­tion-Pro­gramm gese­hen und sind auch schon mehrfach Check­er Tobi als Mod­er­a­tor der Vor­führun­gen begeg­net. Sog­ar im Coro­n­a­jahr sahen wir damals bei der Som­mer-Berli­nale zusam­men einen Film im Freiluftki­no Hasen­hei­de. Jet­zt kom­men möglicher­weise fol­gende Filme in Frage: DIE FABELHAFTE ZEITMASCHINE von Eliza Capai aus Brasilien kön­nte vielle­icht vor allem das the­ma­tis­che High­light für meinen Sohn darstellen. Viel ver­sprechend klingt auch ATLAS DES UNIVERSUMS von Paul Negoes­cu, ein rumänisch-bul­gar­isch­er Film, das Fes­ti­val­pro­gramm schreibt: „Eine über­raschende Reise voller Mut, Fre­und­schaft und Selb­stent­deck­ung.” Und der dritte, der vielle­icht in Frage kommt: HEUTE HEISSEN ALLE SORRY von Fred­erike Migom: „Eine zarte, fan­tasievolle Geschichte über Träume und einen eige­nen Platz im Leben.”

Forum

Das Forum lasse ich lei­der viel zu häu­fig links liegen, aber auch dieses Mal nehme ich mir natür­lich fest vor, zumin­d­est ein paar Filme aus dieser Sek­tion zu sehen, gerne zum Beispiel Volk­er Koepps neuen Doku­men­tarfilm CHRONOS – FLUSS DER ZEIT über eine „Rück­kehr nach Litauen, Moldau und Czer­nowitz”. Im schwedis­chen Film DOGGERLAND von Kim Ekberg klingt alleine schon der Titel span­nend, wir bewe­gen uns in Schwarzweiß­bildern durch die Kul­turszene Nor­rköpings. LIEBHABERINNEN ist eine Jelinek-Ver­fil­mung von Koxi. Koxi? Zum Cast gehört Johan­na Wokalek. „Ständi­ge Unruhe durchzieht diese Jelinek-Adap­tion, genährt von tris­ten Ver­sprechen des Spätkap­i­tal­is­mus”, urteilt der Fes­ti­val­text.

Forum Expand­ed

Was für’s Forum gilt, gilt erst recht für Forum Expand­ed, den­noch nehme ich mir exem­plar­isch drei Filme vor: Ich picke mir EXPRMNTL 4 KNOKKE her­aus, ein Film aus dem Jahr 1968 über ein Fes­ti­val im bel­gis­chen See­bad Knokke. EL LEON stammt von Diana Bus­ta­mante, ein kolumbian­is­ch­er Film: „Eige­nar­tige Bilder über­lagern sich wie schwebende Geis­ter: ein tot­er Kör­p­er, ein Sänger, ein Pub­likum.” FILM NO. 4 (BOTTOMS) zeigt: Ärsche. Und ist: von Yoko Ono. Punkt.

Ret­ro­spek­tive

Aus der Ret­ro­spek­tive habe ich exem­plar­isch zwei Filme gewählt, die ich nach langer Zeit gerne wieder­se­hen möchte – und bei denen mich ins­beson­dere inter­essiert, wie sie geal­tert sind: Da ist zum einen BOYZ N THE HOOD von John Sin­gle­ton aus dem Jahr 1991 und SLACKER von Richard Lin­klater aus dem Jahr 1990. Außer­dem inter­essiert mich WILDWOOD, NJ, den ich noch nicht gese­hen habe, ein Super 8‑Dokumentarfilm aus dem Jahr 1994 von Ruth Leit­man, Car­ol Weaks Cas­sidy.

Berli­nale Clas­sics

HUKKUNUD ALPINISTI HOTELL, ein sow­jetisch-est­nis­ch­er Film aus dem Jahr 1979 klingt faszinierend und irgend­wie sehr west­lich: „In einem eingeschneit­en Bergho­tel geschieht ein Mord. Steck­en wom­öglich über­natür­liche Mächte hin­ter dem Ver­brechen? Ein gen­re­spren­gen­der Film noir mit fan­tastis­chen Ele­menten, nach Vor­lage des leg­endären Sow­jet-Autoren­du­os Arkady und Boris Stru­gatsky.” Aus der Tsche­choslowakei stammt die Sozial­satire PANELSTORY, auf deutsch: „Geschichte der Wände oder Wie eine Sied­lung entste­ht”. Und: LEAVING LAS VEGAS, es ist als wäre es erst neulich gewe­sen, dass ich diesen Film das erste Mal gese­hen habe – aber es ist in der Tat 30 Jahre her. Krass eigentlich. Und nach dem Film habe ich mir den Namen Elis­a­beth Shue gemerkt. Zeit, „den Film „Leav­ing Las Vegas” drin­gend wiederzuse­hen.

Son­der­vorstel­lun­gen

Eine weit­ere Rubrik mit gesam­meltem Aller­lei, in der sich den­noch Span­nen­des find­en lassen kön­nte sind die „Son­der­vorstel­lun­gen” – gab’s das früher schon als eigene Sek­tion? Jeden­falls habe ich mal notiert: LIEBE, EIFERSUCHT UND RACHE von Michael Bryn­ntrup, TUNTEN LÜGEN NICHT von Rosa von Praun­heim und THE WATERMELON WOMAN von Cheryl Dun­ye.

Berli­nale Shorts

Zulet­zte der Voll­ständigkeit hal­ber aber auch mit dem Wis­sen, dass ich die Kurz­filme unberechtigter­weise meis­tens aus­lasse, hier drei Berli­nale Shorts: DI SAN XIAN von Jingkai Qu, LES JUIFS RICHES von Yolande Zauber­man und PLAN CONTRAPLAN von Radu Jude und Adri­an Cioflâncă.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert