„Auch wenn Narben bleiben” von Felix Rier beim achtung berlin filmfestival

„Dieser Film erzählt die mutige Geschichte von Thea, ein­er jun­gen Frau, die ver­sucht, ihr Leben nach einem Gewal­takt wieder in die Hand zu nehmen. Es ist eine Ein­ladung, sie auf ihrem zarten Weg der Heilung durch Tanz, Bewusst­sein und Liebe zu begleit­en”, sagt der Regis­seur Felix Rier über das The­ma seines Doku­men­tarfilms „Auch wenn Nar­ben bleiben”. Rier ist in den ital­ienis­chen Alpen geboren, studierte Wirtschaft und zog schließlich nach Berlin, um sich zum Medi­engestal­ter aus­bilden zu lassen. Danach studierte er in Bozen Kam­era und Licht und arbeit­et sei­ther als freiberu­flich­er Kam­era­mann und Ton­tech­niker. „Es war ein­mal ein klein­er Felix, der schon früh Freude am Doku­men­tieren hat­te”, schreibt er in sein­er Bio auf sein­er Web­seite. „Davon zeu­gen VHS-Auf­nah­men aus Kind­heit­sta­gen, in denen er neugierig seine Eltern inter­viewt. Es fol­gten die ersten selb­st geschnit­te­nen Videos mit Red Hot Chili Pep­pers Musik, bis er in sein­er Jugend die Natur für sich ent­deck­te – Land­schaft­sauf­nah­men und Zeitraf­fer­videos zu allen möglichen Tages- und Jahreszeit­en ließen sein Herz höher schla­gen. Als er schließlich das Klet­tern und die Aben­teuer­fo­tografie ent­deck­te, wurde diese Lei­den­schaft zu seinem Haupt­mo­tiv.”

„Ich weiß gar nicht, ob ich dir das jet­zt alles erzählen soll”, sagt Thea am Anfang des Films mit gebroch­en­er Stimme in ihren Sprach­nachricht­en. Sie erzählt, dass sie verge­waltigt wor­den ist. Das Bild bleibt schwarz dabei. „Ich fühlte so viel, dass ich aufhörte irgen­det­was zu fühlen, weil ich mich selb­st ster­ben sah”, schreibt Thea in ihrem Tage­buch. „Aber ich spreche offen, weil wir nicht über die wichti­gen Dinge schweigen soll­ten.” Dann heißt es in einem Zwis­chen­ti­tel: „Ein Jahr später haben wir gemein­sam beschlossen, ihre Geschichte zu teilen.” Thea ist eine junge Tänz­erin. Das erste Mal, als wir sie sehen, ist sie in einem leeren Gerichtssaal. Sie begin­nt mit ihren Chore­ografien den Schmerz, den sie erlebt, nachzustellen. Es ist der Ver­such, die Kon­trolle über ihr Leben zurück­zuer­hal­ten, selb­st zu bes­tim­men, was sie fühlen will.”

In der zweit­en Szene ist sie mit ihrem Hund unter­wegs, Mandin­ga. Der Hund und ihr Lebens­ge­fährte Thi­a­go geben ihr Schutz und Sicher­heit. Bei ihnen klingt sie entspan­nt, sie bekommt die Chance, ihre „zer­broch­ene Welt neu zusam­men­zuset­zen”, wie der Fes­ti­val­text sagt. Und ihr Hund ist so etwas wie ein sozialer Kon­takt zu ihr, mit dem sie aber nicht sprechen muss, erzählt sie.

Soft­ness – Pan­ic – Break – sind die Begriffe, die sie mit ihren Mit­tänz­erin­nen chore­o­graphisch darstellt. Der Tanz ist Theas Meth­ode, sich mit ihren Gefühlen, ihren Schmerzen auseinan­derzuset­zen. Der Tanz, aber auch ihre Ther­a­pie, in der sie mit ein­er bemerkenswerten Ruhe über ihre Gefüh­le spricht. Aber es gibt auch die Momente, in denen die Verge­wal­ti­gung sie bis in ihre Träume ver­fol­gt. Und dann kommt noch ein­mal ein beson­ders schw­er­er Tag: Es ist der Tag der Urteilsverkün­dung gegen die Täter.

Felix Rier gelingt ein beein­druck­ender wie berühren­der Doku­men­tarfilm, der den Schmerz der jun­gen Frau zeigt, aber auch den Opti­mis­mus, die Hoff­nung und das Abnehmen des Schmerzes im Lauf der Zeit. Was den Film so außergewöhn­lich macht, ist auch die Per­spek­tive, die der Regis­seur ein­nimmt, der so vieles über Theas Gefüh­le beobachtet und her­aus­find­et, der aber gle­ichzeit­ig auch ihr Ex-Fre­und ist, zu dem sie noch ganz nah ist. Irgend­wann erzählt sie, dass er der erste Junge war, den sie geküsst hat. Er war auch ein­er von denen, mit dem sie über die Tat sprechen kon­nte.

„Thea und ich ken­nen uns seit unser­er Kind­heit in den Südtirol­er Bergen – sie war meine erste große Liebe”, schreibt Felix Rier. „Jahre später lebten wir bei­de in Berlin. Kurz bevor ich die Stadt ver­ließ, musste Thea ein Tre­f­fen absagen. Sie schrieb mir aus dem Kranken­haus: Sie hat­te ger­ade eine Ent­führung, eine Grup­pen­verge­wal­ti­gung, eine Nacht über­lebt, die alles verän­dern würde. Dieser Moment hat uns bei­de geprägt, doch nur sie weiß wirk­lich, was er bedeutet.”

„Auch wenn Nar­ben bleiben” läuft beim achtung berlin film­fes­ti­val, am 17.4.26 im ACUD­ki­no und am 18.4.26 im Baby­lon 3.

https://achtungberlin.de/2026/auch-wenn-narben-bleiben

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