LOVE ME TENDER von Anna Cazenave Cambet ab 7. Mai 2026 im Kino

LOVE ME TENDER von Anna Cazenave Cam­bet

Vicky Krieps gehört ja mit­tler­weile zu den Schaus­pielerin­nen, deren Filme ich mir qua­si aus­nahm­s­los und unge­se­hen anse­he. Zulet­zt war sie in Jim Jar­muschs „Father Moth­er Sis­ter Broth­er” zu sehen, davor in „Hot Milk”, dem Regiede­büt von Rebec­ca Lenkiewicz, davor „The Dead Don’t Hurt”, „Inge­borg Bach­mann – Reise in die Wüste” und natür­lich „Cor­sage” von Marie Kreutzer, der ihr in Cannes in der Rei­he „Un Cer­tail Regard” den Darstel­lerin­nen­preis ein­brachte. Richtig bekan­nt wurde sie 2017 mit PT Ander­sons „Der sei­dene Faden”. Geboren ist sie in Hes­perin­gen, einem lux­em­bur­gis­chen Städtchen. Ihr Groß­vater, Robert Krieps, war im Zweit­en Weltkrieg ein Wider­stand­skämpfer, später ein lux­em­bur­gis­ch­er Poli­tik­er. Nach ein­er Zwis­chen­sta­tion in Südafri­ka studierte sie in Zürich und spielte bald bere­its am Schaus­piel­haus. Seit 2023 ist sie Mit­glied der Acad­e­my of Motion Pic­ture Arts and Sci­ences und seit 2025 gemein­sam mit Flo­ri­an Gal­len­berg­er Präsi­dentin der Deutschen Fil­makademie.

Ihr neuer Film „Love me Ten­der” kommt nun am 7. Mai 2026 in die deutschen Kinos. Die Regis­seurin des Films ist im Gegen­satz zur Haupt­darstel­lerin noch nicht so bekan­nt, Anna Cazenave Cam­bet heißt sie, nach „De l’or pour les chiens”, der 2021 in Cannes bei der Semaine de la cri­tique lief, ist es ist ihr zweit­er Lang­film. 1990 ist sie im Süd­west­en Frankre­ichs geboren, studierte in Toulouse Fotografie und danach in Paris an der Filmhochschule La Fémis.

LOVE ME TENDER von Anna Cazenave Cam­bet

Bemerkenswert vor­ab ist ein Inter­view, das Vicky Krieps der Vari­ety nach den Drehar­beit­en zu „Love Me Ten­der” gab: „Dieser Film hat mich an meine Gren­zen gebracht”, sagt sie. „Ich bin zwar nicht gescheit­ert, aber ich bin völ­lig am Ende mein­er Kräfte. Zwei weit­ere Filme dieser Art, und ich wäre in ern­sthaften Schwierigkeit­en. Mein Kör­p­er hat ver­sagt, ich hat­te grund­lose Muskelkater. Ich war völ­lig erschöpft. Um Wei­h­nacht­en herum kon­nte ich wed­er Arme noch Beine bewe­gen. Ich weiß nicht, ob es kör­per­lich oder psy­chisch war, aber mein Kör­p­er hat ein­fach abgeschal­tet, und ich brauchte zwei Monate, um mich zu erholen. Ich hoffe, ich kann endlich loslassen, wenn der Film erscheint, denn die Drehar­beit­en haben mir kaum Erle­ichterung gebracht.” Das erweckt große Span­nung auf den Film. Vor­ab aber noch eine weit­ere Infor­ma­tion von Belang: „Love Me Ten­der” basiert auf einem Roman, und zwar dem gle­ich­nami­gen Roman von Con­stance Debré, ein­er franzö­sis­chen Anwältin und Schrift­stel­lerin. Das Buch ist 2020 in Frankre­ich erschienen, 2024 auch auf deutsch, bei Matthes & Seitz. Eine The­at­er­adap­tion war 2025 im Roten Salon der Volks­bühne zu sehen.

LOVE ME TENDER von Anna Cazenave Cam­bet

Ein Schwimm­bad, irgend­wo in Paris. In ein­er Umk­lei­dek­abine hat Clé­mence nach dem Train­ing, zwei Kilo­me­ter Schwim­men, Sex mit ein­er Frau. Danach ruft sie ihren Mann an, um mit ihrem Sohn Paul zu tele­fonieren. „Wir sind am Place Dauphine. Draußen. Spät­som­mer. Ich tauche meine Pfef­fer­chips in Ketchup. Ich habe ein Club­sand­wich bestellt, er ein Croque Mon­sieur.” Clé­mence war Anwältin, jet­zt schreibt sie an ihrem Roman­de­büt, in den ihr Leben ein­fließt. Es geht um ihren Ex, Lau­rent, mit dem sie noch ver­heiratet ist. Zwanzig Jahre waren sie zusam­men, seit drei Jahren sind sie getren­nt und da ist noch ihr Sohn Paul. Es ist Clé­mences Stimme, die man aus dem Off hört – und von der man nicht weiß, ob das jet­zt ein Roman ist, oder ob sie auto­bi­ographisch von ihrem eige­nen Leben erzählt. Oder bei­des. Paul, acht Jahre, ist wech­sel­weise eine Woche bei ihm und eine Woche bei ihr, erzählt sie, das hat immer geklappt. Aber nun hat sie ihr Begehren gegenüber Frauen ent­deckt. Und das geste­ht sie Lau­rent bei einem gemein­samen Aben­dessen. Er nimmt das lock­er hin. Zunächst. Er erzählt, dass sein neues Laster das Cham­pag­n­er trinken sei. Entspan­nt spazieren sie an der Seine ent­lang, erzählen sich ihre Pläne.

Ihr Ver­hält­nis zueinan­der begin­nt sich zu ändern, als Clé­mence andeutet, dass sie sich schei­den lassen möchte – und als Paul sich eines Tages weigert, mit Clé­mence mitzuge­hen. Er wolle sie nicht sehen, er has­se sie, sagt er. Zunächst glaubt sie noch lange, dass das an ihr liege, aber dann deutet sich an, dass Lau­rent möglicher­weise dahin­ter­steckt. Er will vor Gericht das alleinige Sorg­erecht beantra­gen. Er wirft ihr „Inzest und Pädophilie” vor. Ein halbes Jahr hat sie ihren Sohn jet­zt nicht mehr sehen kön­nen. Eine hässliche Auseinan­der­set­zung über die Anwälte nimmt ihren Lauf. Clé­mences Lebensstil gefährde den Jun­gen, heißt es. Sie muss in eine kleinere Woh­nung ziehen, in der es kein Zim­mer für Paul mehr geben wird. Auch das wir ihr zum Vor­wurf gemacht. Ein Gutacht­en soll erstellt wer­den, unab­se­hbar, wie lange das dauern wird. Inzwis­chen hat sie nur hin und wieder Besuch­srecht, unter Auf­sicht – und diese Ter­mine lässt Lau­rent oft genug aus­fall­en. Um den Schmerz zu ertra­gen, mei­det sie Orte, an denen sie Kindern begeg­nen kön­nte. Die Behör­den leg­en ihr Steine in den Weg. Ihre Verzwei­flung wird immer größer. Immer mehr wird deut­lich, dass Lau­rent seinem Sohn gegenüber gegen Clé­mence agi­tiert hat, ein Fall der häu­fig auftritt, üblicher­weise sind aber nicht die Müt­ter die Lei­d­tra­gen­den, son­dern die Väter. Der Gutachter deutet jedoch an, dass der Fall sich über Jahre hinziehen kön­nte. Und in der Tat sind es inzwis­chen schon anderthalb Jahre, dass sie Paul nicht mehr sehen kon­nte…

Und dann erscheint Clé­mences Roman.

Anna Cazenave Cam­bet gelingt eine zutief­st schmer­zliche Lit­er­aturver­fil­mung mit ein­er beein­druck­enden Vicky Krieps in der Haup­trol­le. Das Lied „Love Me Ten­der” ertönt am Schluss kurz, aber eigentlich weist der Filmti­tel den Zuschauer natür­lich gnaden­los in die Irre. Hier geht es weniger um Liebe als um das Ver­schwinden der Liebe und um den Schmerz des Ver­lustes, den Schmerz darüber, dass Clé­mence ihren Sohn immer sel­tener sehen kann. Das tut zutief­st weh. Wir, die Zuschauer sind auf ihrer Seite, wir hof­fen darauf, dass ihr Kampf erfol­gre­ich ist. Aber unter­wegs gehen ihr auch Beziehun­gen zu Frauen ver­loren, die sie ken­nen­gel­ernt hat. Zwis­chen­durch, so in der Mitte, dachte ich, dass sich das aber ganz schön in die Länge zieht, aber ich glaube das ist Absicht, das zieht uns mit hinein in den Schmerz, in die Ungeduld – und am Ende sind die mehr als 130 Minuten auch nicht lang­weilig, nicht zäh. Diese mehr als zwei Stun­den lassen uns mit ihr mitlei­den und das ist neben der Haupt­darstel­lerin die große Stärke dieses Films.

Am 7. Mai 2026 startet „Love Me Ten­der” in den deutschen Kinos. Vor dem Film­start im Mai laufen schon im April Pre­views in 50 Städten im Rah­men der Queer­film­nacht.

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