SOLO SHOW von Julius Weigel beim achtung berlin Filmfestival

Mit dem Zug ist Roy unter­wegs. Ams­ter­dam und so. Kurz wird er nervös, als der Zoll nach der Gren­ze durch den Zug geht und die eine oder andere Tasche kon­trol­liert. Er hat Glück, seine Tasche wird nicht kon­trol­liert. Die übergibt er näm­lich seinem Auf­tragge­ber. Näch­sten Dien­stag nochmal, ein neuer, lukra­tiv­er Auf­trag für ihn. Erstaunlich cool wirkt er da. Denn eigentlich ist er ange­hen­der Kün­stler, und er ver­sucht ein­er wichti­gen Galerie seine Werke anzu­bi­eten, und da ist er alles andere als ruhig. Seine weißen Hand­schuhe hat er vergessen. Soll er schon mal Kaf­fee holen, obwohl die Galeristin noch gar nicht da ist? Bess­er nicht. Und dann kommt Bar­bara, die Galeristin. Arno, der Fotograf, will seine Werke vorstellen, Roy ist der Assis­tent, Kun­st­stu­dent, er rollt die Bilder aus, um Frei­heit gehe es, meint Arno. „Span­nend”, sagt Bar­bara. Wie oft schon verkauft? Das Gespräch ver­läuft reich­lich pein­lich. Was denn Roy so mache, fragt Bar­bara. Seine erste Soloausstel­lung hat er bald.

Aber die Welt der Kun­st ist Roy noch recht fremd. Redet er den richti­gen Jar­gon? Wie ver­hält man sich so? Welche Fach­be­griffe muss man drauf haben? Er übt das reden, wenn er alleine ist. Awk­ward. Span­nend ist wohl das meistver­wen­dete Adjek­tiv der Branche. Und gle­ichzeit­ig das nichtssagend­ste. „Was bedeutet diese Per­for­mance für dich?” – „Vorne gerne ganze Sätze.” – „Wie sehr kön­nen wir dem Sta­tus quo ver­trauen?” Blablabla. Lauter leere Floskeln, lauter Worthülsen. Das ist bisweilen wun­der­bar satirisch, nimmt den Kun­st­be­trieb und ‑jar­gon auf den Arm, her­rlich. Span­nend! Und dann ste­ht wieder ein­mal eine Schmuggelfahrt nach Ams­ter­dam und zurück an, doch dies­mal dro­ht etwas schief zu gehen.

Und schließlich, in der näch­sten Episode, tre­f­fen wir auf eine andere mod­erne Floskel- und Worthülsen­welt: die des Mak­ler­tums…

„Die Kam­era in Solo Show mäan­dert eigen­ständig durch diese per­for­ma­tiv­en Momente”, erzählt der Regis­seur Julius Weigel. „Sie beobachtet das Geschehen als Außen­sei­t­erin, mit eige­nen Inter­essen, vielle­icht sog­ar mit einem gewis­sen Unbe­ha­gen. Dieser psy­chol­o­gis­che Ansatz war für uns eine Art Katalysator am Set, wo die Schaus­pie­len­den oft nicht wussten, für wen oder was sich diese Kam­era ger­ade inter­essiert. Ich inter­essiere mich für diese per­for­ma­tiv­en Sit­u­a­tio­nen, weil ich finde, dass sie etwas über unsere Dis­tanz zueinan­der erzählen.”

Julius Weigel ist 1991 in Berlin geboren. Er studierte Bild­hauerei und Video­kunst in Berlin, Jerusalem und Leipzig, er zeigte seine Werke bere­its auf der Berli­nale, in Ober­hausen und beim Max-Ophüls-Preis gezeigt. Im Jahr 2025 machte er seinen Abschluss in Regie an der ZHdK (Zürcher Hochschule der Kün­ste). Sei­ther arbeit­et er als freier Autor und Filmemach­er in Berlin und Zürich. Weigel erzählt seinen Film ele­gant und ungewöhn­lich, die Musik ist großar­tig son­der­bar. „Solo Show” ist eine her­rliche Satire auf mod­erne Kun­st-Wel­ten, erforscht Ober­fläch­lichkeit­en, ins­beson­dere die Szene mit der Galeristin ist wun­der­bar, sehr beson­ders und schräg.

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