Emily Atefs neuer Film im Kino ab 15.10.26: CALL ME QUEEN

Eliane Umuhire (QUEEN)
© FIRUL MAITHYA, Ringel Film, 2026

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Emi­ly Atef hat einen recht glob­alen Hin­ter­grund, geboren wurde sie in Berlin, sie hat einen franzö­sisch-iranis­chen Hin­ter­grund, studiert hat sie in Berlin, nach­dem sie zuvor Sta­tio­nen in Los Ange­les, Frankre­ich und Großbri­tan­nien erlebte. Ihr Lang­filmde­büt hieß MOLLY’S WAY im Jahr 2005, es fol­gte 2008 der Film DAS FREMDE IN MIR. Ihr ver­mut­lich bekan­ntestes Werk ist 3 TAGE IN QUIBERON, jenes Porträt von Romy Schnei­der, das zur Berli­nale lief und mit diversen deutschen Film­preisen aus­geze­ich­net wurde, ich finde die Bilder dieses Filmes und dessen Atmo­sphäre haben sich mir irgend­wie in meine cineast­is­che Erin­nerung einge­bran­nt. Es fol­gte MEHR DENN JE im Jahr 2022 mit Vicky Krieps und IRGENDWANN WERDEN WIR UNS ALLES ERZÄHLEN, der 2023 im Pro­gramm der Berli­nale lief. Emi­ly Atef gehört damit zu den namhaftesten deutschen Regis­seurin­nen, samt inter­na­tionaler Ausstrahlung.

Am 15. Okto­ber 2026 startet nun ihr neuer Film in den deutschen Kinos, CALL ME QUEEN, erzählt nach wahren Begeben­heit­en, näm­lich die Geschichte von Queen Achun­go, ein­er allein­erziehen­den Mut­ter aus Nairo­bi, die sich öffentlich gegen Ungerechtigkeit stellt. „Ein­er der Gründe, weshalb mich dieses Pro­jekt so inter­essiert hat, ist, dass Queen eine sehr starke, kom­pro­miss­lose Frau ist, die sich für nichts entschuldigt”, erzählt Emi­ly Atef. „Das bringt automa­tisch Span­nung und Entwick­lung in die Geschichte. Die Gle­ich­berech­ti­gung zwis­chen den bei­den war für uns essen­tiell, dass sie sich gegen­seit­ig Impulse geben, ohne Berührungsäng­ste. Beson­ders wichtig war uns dabei, dass der Impuls für Verän­derung von Queen und ihrer Com­mu­ni­ty aus­ge­ht, nicht von Anna, dass nicht die weiße Pro­tag­o­nistin den Anstoß gibt und die Verän­derung ermöglicht. Das woll­ten wir auf jeden Fall ver­mei­den. Genau­so wichtig war uns, dass auch Anna ver­ste­ht: Sie kann an Queens Seite ste­hen und sie unter­stützen, aber sie muss loslassen und Queen und ihre Com­mu­ni­ty ihren eige­nen Weg gehen lassen, auch wenn sie mit manchem nicht ein­ver­standen ist.”

Wir befind­en uns im Jahr 1999 in Nairo­bi, der Haupt­stadt Kenias, damals gut 2 Mil­lio­nen Ein­wohn­er, heute hat Nairo­bi gut 5 Mil­lio­nen Ein­wohn­er, ein krass­es Bevölkerungswach­s­tum. Queen (eigentlich Quin­ta) Achun­go stammt aus der Stadt, sie ist eine allein­erziehende Mut­ter und sie ist vor allem über­aus charak­ter­stark und selb­st­be­wusst. Und: Sie braucht drin­gend Arbeit. Irgend­wann taucht sie daher bei der oben schon angekündigten Anna (Denise Gough) auf, ein­er irischen Jour­nal­istin, die entsandt wurde, um ihrer Heimat von den poli­tis­chen Unruhen und Umbrüchen in Ostafri­ka zu bericht­en. Eigentlich kann Anna gar nichts mit ihr anfan­gen, sie will auch gar nicht gestört wer­den, aber Queen ist ein kleines Argu­men­ta­tion­swun­der und hat eine Hand­voll Notlü­gen parat, bezüglich ihrer Beruf­ser­fahrung – und so passiert es, dass Anna sie als Haushalt­shil­fe anstellt, obwohl sie eigentlich gar keinen Bedarf hat­te – Absagen lässt Queen ein­fach nicht gel­ten.

Annas Fre­und Michael kommt der­weil von ein­er Recherchereise aus dem Kon­go zurück, viele haben dort AIDS. Aber in Europa inter­essiert dieses The­ma so gar nie­man­den derzeit, und so will Annas Chef auch gar nichts davon hören. Und vor allem: Es ist auch noch kurz davor, dass der Euro einge­führt wird und das ist ger­ade wichtiger.

Irgend­wie sind Queen und Anna so unter­schiedlich, aber dann auch wieder nicht, bei­de sind geprägt von Unab­hängigkeit und Selb­st­be­wusst­sein, und so ent­fal­tet sich mit der Zeit in der Tat eine ungewöhn­liche Fre­und­schaft zwis­chen den bei­den. Und: Queen erhält auch Ein­blick in Annas Job und in das, was sie so recher­chiert. Queen hat unglaublich viele Kon­tak­te und kann der Jour­nal­istin bei der Recherche helfen. Es geht Anna immer mehr um die AIDS-Epi­demie, die Waisenkinder und die damit ver­bun­dene Tragik. Doch dann geschieht in Annas Umfeld eine Tragödie – und als wäre das nicht schlimm genug, erfährt sie: Auch Queen selb­st ist HIV-pos­i­tiv – und irgend­wann wird auch sie ohne Medika­mente dem Tod gewei­ht sein.

Doch Anna erken­nt ihr Schick­sal, ermöglicht ihr mit ihren Verbindun­gen den Zugang zu Medika­menten – und ret­tet Queen damit, im Gegen­satz zu ihren ganzen Fre­undin­nen, Nach­barin­nen etc., die weit­er­hin an den Fol­gen von AIDS ster­ben. Daraus erwächst sich ihr die innere Pflicht, sich für die Erkrank­ten einzuset­zen und dafür zu kämpfen, dass sie Zugang zu Medika­menten erhal­ten. Sie find­et uner­wartete Ver­bün­dete und stellt sich der Macht der inter­na­tionalen Phar­main­dus­trie, die auf ihren Paten­ten und ihren Gewin­nen beste­hen. Es entste­ht eine mutige Bewe­gung mit Queen an der Spitze, eine Bewe­gung, die sich ein­er­seits dafür ein­set­zt, dass das Stig­ma der Betrof­fe­nen durch­brochen wird und ander­er­seits sich mit der Macht der Phar­main­dus­trie anlegt.

„Ich bin mehrmals zur Recherche nach Nairo­bi gefahren und habe dort vor Ort sehr viele Men­schen getrof­fen, die alle eine ganz per­sön­liche Geschichte mit der Aids-Epi­demie ver­bun­den hat”, erzählt Emi­ly Atef. „Als ich dann zur Vor­bere­itung und zum Dreh fünf Monate in Nairo­bi war, zeigte sich in all den Gesprächen mit dem Team immer wieder das­selbe: Jed­er im keni­an­is­chen Team und der Schauspieler:innen hat­te eine eigene Geschichte von Ver­lust durch Aids zu erzählen. Dadurch wurde alles, was wir zuvor so inten­siv recher­chiert hat­ten, nochmal sehr konkret und real, und es hat mir noch ein­mal vor Augen geführt, wie nah dieses The­ma eigentlich immer noch ist. Und von Anfang an war es uns in der Entwick­lungsar­beit auch sehr wichtig, mit ein­er keni­an­is­chen Autorin zusam­men­zuar­beit­en. Hawa Essuman hat den authen­tis­chen Blick auf die Geschichte mit­ge­bracht und unzäh­lige Details einge­bracht, die der Erzäh­lung ihre Glaub­würdigkeit geben. Vor allem aber hat sie unsere Diskus­sio­nen mit einem gelebten Wis­sen angere­ichert, das keine noch so gründliche Recherche erset­zen kann. Und natür­lich hat sie gemein­sam mit George Mungai, der auch am Set immer vor Ort war, die Dialoge über­ar­beit­et.”

Eliane Umhire ist die beein­druck­ende, zutief­st überzeu­gende Haupt­darstel­lerin, ruan­disch-franzö­sis­ch­er Herkun­ft, geboren ist sie 1986 in Kigali. Ihren Durch­bruch feierte sie im Jahr 2017 mit dem Film BIRDS ARE SINGING IN KIGALI, für den sie gle­ich auf mehreren Fes­ti­vals aus­geze­ich­net wurde, in Karls­bad, Chica­go und New York. Zu ihren weit­eren Fil­men gehören AUGURE, PLANET B und schließlich A QUIET PLACE: TAG EINS aus dem Jahr 2024, in dem sie an der Seite von Lupi­ta Nyong’o spielte. „Ihr Spiel zeich­net sich durch Authen­tiz­ität und emo­tionale Band­bre­ite aus. Kri­tik­er heben ihre Fähigkeit her­vor, kom­plexe Innen­wel­ten zu ver­mit­teln – ins­beson­dere in Geschicht­en, die mit der Geschichte Ruan­das verknüpft sind”, schrieb ein­mal jemand über sie. Über ihre Rolle in CALL ME QUEEN sagt sie selb­st: „Ich bin außer­dem in einem Land aufgewach­sen, in dem Frauen beim Wieder­auf­bau und der Heilung ein­er ganzen Nation im Mit­telpunkt standen: Ruan­da. Und ich habe Videos von keni­an­is­chen Frauen gese­hen, die mit so viel Feuer im Bauch marschierten und Schutz für ihre Kör­p­er und ihre Rechte ein­forderten. Die Geschicht­en all dieser Frauen haben mich inspiri­ert und mich immer weit­er angetrieben. Queen zu spie­len war meine Art, ihnen Ehre zu erweisen.”

Emi­ly Atef erzählt ein berühren­des Dra­ma, das erzäh­lerisch nicht immer überzeugt, den­noch ist es span­nend, wie sehr der Film uns in eine Zeit zurück­ver­set­zt, die ein Viertel­jahrhun­dert hin­ter uns liegt. Es ist sehr inter­es­sant zu sehen, wie sehr uns der Film in die Stadt Nairo­bi hine­in­führt, Atef erzählt die Stadt mit ein­er Selb­stver­ständlichkeit und ein­er tiefen Ver­trautheit, so wie uns bisweilen New York, Berlin oder Istan­bul im Film erzählt wird. Eliane Umhire sorgt in der Tat dafür, dass CALL ME QUEEN uns schließlich überzeugt.

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