ONE DAY, YOU WILL REACH THE SEA beim NIPPON CONNECTION-Filmfestival in Frankfurt

ONE DAY, YOU WILL REACH THE SEA von Ryutaro Nakagawa; NIPPON CONNECTION

Yagate Umi-heto Todoku
Regie: Ryutaro Nakagawa

Seit der Uni waren Mana (Yukino Kishii) und Sumire (Minami Hamabe) beste Freundinnen. Im März 2011 reiste sie in der Tohoku-Region, als sich das große Erdbeben und der Tsunami ereignete. Sumire ist seither verschwunden. Eines Tages bekommt Mana Besuch von Sumires Freund, Tono (Yosuke Sugino). Er will Sumires Mutter besuchen und ihr die Habseligkeiten ihrer Tochter zurückgeben. Tono fragt Mana, ob sie mitkommen möchte. Mana konnte Tono nie ausstehen, das sagt sie ihm jetzt auch.

Rückblende: Sumire und Mana sind Erstsemester, Sumire offen und resolut, Mana unsicher ob des einschüchternden Verhaltens der höheren Semester. Aber Sumire kümmert sich rührend um das Mädchen, sie gibt vor, ihre lesbische Freundin zu sein, um sie vor den Avancen der Studentin in Schutz zu nehmen. Sie freunden sich an, machen Ausflüge zusammen, reden über die Liebe. Und dann tritt Tono in Sumires Leben.

ONE DAY, YOU WILL REACH THE SEA von Ryutaro Nakagawa; NIPPON CONNECTION

Und nun – zurück im Heute – besuchen Mana und Tono Sumires Mutter. Gerührt schaut sie Sumires alte Sachen an. Da ist Sumires Videokamera. Keiner hat sich bisher getraut, die Aufnahmen, die darauf sind, anzusehen. Im Gegensatz zu Tono, der inzwischen verlobt ist, will Mana sich noch nicht mit dem Gedanken abfinden, dass Sumire tot ist. Verzweifelt geht sie zum Manager des Restaurants, in dem sie arbeitet, der ein Ohr für sie hat, der so etwas wie ein Mentor für sie ist. Und – sie traut sich, die alten Videoaufnahmen anzuschauen, bricht das aber ab, als sie merkt, dass die Filme nicht dazu gedacht waren, dass sie einfach jemand anschaut…

Auch wenn Rückblenden in meinen Augen meist eine etwas überkommene, unfilmische Erzählweise sind, und auch wenn der Film bisweilen etwas auf der Stelle tritt und man nicht so recht sieht, in welche Richtung er weitergeht, so ist ONE DAY YOU WILL REACH THE SEA doch eine wunderbar gespielte und inszenierte Geschichte um den Umgang mit Verlust, um die Vergänglichkeit, um Trauer, um unerfüllte Sehnsüchte. „At the heart of it is a feeling of longing. I don’t know if it is a feeling close to love or close friendship, but for Mana it is a feeling of longing”, sagt der Regisseur Ryutaro Nakagawa. Mana hat es nicht geschafft, mit Sumire über all ihre Gefühle zu sprechen. Der Tod kam dazwischen. “When the yearning is gone, one has to become a little more independent. In a world without that person, the person left behind begins a new life”, meint der Filmemacher.

ONE DAY, YOU WILL REACH THE SEA von Ryutaro Nakagawa; NIPPON CONNECTION

Was sich mir am tiefsten eingeprägt hat sind die kurzen Interviews mit Hinterbliebenen und Überlebenden der Tsunami-Katastrophe. „My father and grandmother are still missing from the Tsunami”, sagt eine junge Frau. “I don’t have too many recent memories of my dad, and it’s a bit sad.” Dann erzählt sie wunderbare, kleine und zärtliche Details, an die sie sich erinnert, an kleine Erlebnisse mit ihrer Großmutter und ihrem Vater. „I’ll always love them.“

Empfehlenswert.

Regie: Ryutaro NAKAGAWA
Besetzung: Yukino KISHII, Minami HAMABE, Yosuke SUGINO, Haya NAKAZAKI, Mayu TSURUTA
Drehbuch: Ryutaro NAKAGAWA, Eiji UMEHARA nach einem Roman von Maru AYASE

ONE DAY YOU WILL REACH THE SEA läuft am 29. Mai 2022, 12 Uhr beim NIPPON CONNECTION Filmfestival in Frankfurt am Main, im NAXOS Kino

Tickets: https://db.nipponconnection.com/de/event/1208/one-day-you-will-reach-the-sea Infos zum Festival: https://nipponconnection.com/

ONE DAY, YOU WILL REACH THE SEA von Ryutaro Nakagawa; NIPPON CONNECTION

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