Über CATCH THE FAIR ONE von Josef Kubota Wladyka.
About CATCH THE FAIR ONE by Josef Kubota Wladyka.

CATCH THE FAIR ONE by Josef Kubota Wladyka
CATCH THE FAIR ONE by Josef Kub­o­ta Wla­dy­ka

ENGLISH VERSION BELOW

Wir sind in der Stadt Buf­fa­lo im Staat New York. Kaylees (Kali Reis) ist eine junge Box­erin, ihr näch­ster Boxkampf ste­ht bevor. Sie bekommt die tätowierten Hände massiert und gelock­ert, ihr Schmuck, Wan­gen- und Zun­gen­pierc­ing, wird ihr abgenom­men, damit sie sich nicht ver­let­zt. Sorgfältig bekommt sie die Hände ban­dagiert, die blauen Box­hand­schuhe ange­zo­gen und  gebun­den. Es wird nicht viel gere­det, ihre Trainer­in sagt nur das Nötig­ste. Kaylee boxt sich warm. Man hört die Fans in der Halle draußen jubeln und schreien. Let­zte Lockerun­gen. Kaylee ste­ht in ihrem glitzern­den, blauen Umhang, bere­it für den Kampf. Man hört die Stimme des Ring­sprech­ers, der den Kampf ankündigt. „Box­ing fans, make some noise!“ Kaylee kni­et sich nieder auf den roten Tep­pich back­stage und konzen­tri­ert sich. Dann ver­hallt die Stimme des ring announc­ers. Überblende auf die in ein­er Fraue­nun­terkun­ft aufwachende Kaylee. Sie blutet aus dem Mund. Vom Kampf haben wir nichts gese­hen. Rück­blende? Traum?

CATCH THE FAIR ONE by Josef Kubota Wladyka
CATCH THE FAIR ONE by Josef Kub­o­ta Wla­dy­ka

CATCH THE FAIR ONE begin­nt zutief­st beein­druck­end. Man spürt die Anspan­nung vor dem Kampf, wir sind ganz eng dabei, sehen jede Haut­pore Kaylees, es sind dun­kle, düstere Bilder. Ton, Musik, Bild, Set­de­sign, die bei­den Darstel­lerin­nen. Die Szene prägt sich uns tief ein. Und sie wird später wieder aufgenom­men wer­den.

Die näch­ste Szene, auf die überge­blendet wird, wird uns zunächst ver­wirren, ver­stören. Sind wir in einem Gefäng­nis? In ein­er Obdachlose­nun­terkun­ft? Sind wir im Ver­hält­nis zur ersten Szene in der Zukun­ft? In der Ver­gan­gen­heit? War die Szene der Boxvor­bere­itung eine Fan­tasie? Ein Traum? Warum blutet Kaylee aus dem Mund? Sie hat, als sie aufwacht, eine Rasierklinge im Mund. Wozu? Nur allmäh­lich erfahren wir mehr über sie. Sie arbeit­et in einem Din­er, um ein biss­chen Geld zu ver­di­enen. Sie muss sich dabei von Gästen auch noch schlecht behan­deln lassen. Aber sie boxt seit Län­gerem nicht mehr, erfahren wir von einem jun­gen Fan, der auf sie trifft. Sie hätte es im Rück­en und könne nicht kämpfen, bringt Kaylee als Ausrede vor.

Die Wahrheit liegt woan­ders: Sie hat­te mit Dro­gen zu tun, erfahren wir irgend­wann. Deswe­gen ist sie abgerutscht, aber jet­zt ist sie wieder clean. Aber es stimmt noch etwas anders nicht: Vor einiger Zeit ist Wee­ta, ihre jün­gere Schwest­er, ver­schwun­den. Wie so viele junge indi­gene Frauen in jen­er Gegend. Die Mut­ter der bei­den, Jaya (Kim­ber­ly Guer­rero), leit­et eine Selb­sthil­fe­gruppe für Ange­hörige ver­schwun­den­er Per­so­n­en. Kaylees Mut­ter wollte in den let­zten Jahren nicht viel mit ihr zu tun haben, eben wegen der Dro­gengeschicht­en. Und nun ist aus­gerech­net jene Tochter ver­schwun­den, auf die sie so viel Hoff­nung geset­zt hat. Aus­gerech­net die liebe Tochter Wee­ta, aus der etwas wer­den kön­nte, ist ver­schwun­den, die nicht­snutzige Kaylee ist noch da.

CATCH THE FAIR ONE by Josef Kub­o­ta Wla­dy­ka

Und dann erfahren wir von Kaylees Plan: Sie will sich von einem Mäd­chen­händler­ring ent­führen lassen, der junge Mäd­chen als Sexsklavin­nen hält. Sie will her­aus­find­en, wo Wee­ta ist. Dafür bere­it­et sie sich mit aller Sorgfalt vor: Sie boxt gegen stärkere Män­ner. Sie gibt alles, geht aber zu Boden. Sie trainiert auch Ringkämpfe um sich wehren zu kön­nen. Und sie übt sich darin, sog­ar im Schlaf, im Mund eine Rasierklinke zu ver­steck­en, die sie im Zweifels­fall als Waffe ein­set­zen kann. Und deswe­gen passiert es manch­mal, dass sie mor­gens aufwacht und aus dem Mund blutet. Kaylees Fre­undin Brick (Shelly Vin­cent) weiß, dass das eigentlich viel zu gefährlich ist. Sie warnt sie, ihre Pläne in die Tat umzuset­zen. Aber sie weiß auch, dass es hoff­nungs­los ist, Kaylee von ihren Plä­nen abzubrin­gen.

Über einen verdeck­ten Ermit­tler und eine junge Frau, Lisa (Isabelle Chester), die Mäd­chen und junge Frauen akquiri­ert, kommt Kaylee an den Mäd­chen­händler­ring her­an. Und dann kommt der Tag, an dem sie sich eis­chleusen lässt. Sie wird mit anderen jun­gen Frauen mit einem Liefer­wa­gen mitgenom­men und in das Ver­steck des Ver­brecher­rings ver­bracht. Dort begeg­net sie das erste Mal dem Zuhäl­ter. Kaylee ist ihm fast zu alt, 29. Ob Lisa jet­zt schon Omas anschleppe, fragt er. Immer­hin sei sie „cute“, sagt Lisa. Er fragt sie aus, indi­gen sei sie, das habe er von Lisa gehört, aber nicht nur? Von den kapverdis­chen Inseln stamme ihr Vater, sagt sie. Der Typ spritzt ihr Dro­gen, obwohl sie ablehnt, weil sie clean sei. Aber sie muss es über sich erge­hen lassen. Er macht Fotos von ihr, heute Nacht solle sie das erste Mal auf einen Kerl tre­f­fen, näm­lich auf Bob­by, der auf indi­gene Frauen ste­he.

CATCH THE FAIR ONE by Josef Kubota Wladyka
CATCH THE FAIR ONE by Josef Kub­o­ta Wla­dy­ka

Schließlich bringt Lisa Kaylee zu Bob­bys Wagen. Bob­by fährt mit ihr weg, zu seinem „beson­deren“ Ort. Eigentlich ist er ganz fre­undlich. Sie fahren an einen düsteren Platz unter ein­er Auto­bahn­brücke. Doch dann gerät Kaylees Plan in Gefahr und die Hand­lung nimmt eine düstere Wen­dung. Kaylee muss zunächst ein­mal ihr eigenes Leben ret­ten, bevor sie sich weit­er auf die Suche nach den Drahtziehern des Mäd­chen­händler­ringes und nach ihrer Schwest­er machen kann.

Die zweite Hälfte des Films ist geprägt von Kaylees Ein­satz, an die Ver­ant­wortlichen her­anzukom­men – und er wird an Dra­matik noch zunehmen. Trotz allem verzichtet der Film auf eine lediglich der Span­nung geschuldete Dra­maturgie. Dadurch gewin­nt er an Ern­sthaftigkeit und Glaub­würdigkeit. Immer wieder wagt der Film es, lose Hand­lungsstränge offen ste­hen zu lassen und Dinge nicht voll­ständig zu erzählen. Man kön­nte dem Film vielle­icht vorhal­ten, dass er dadurch die Geschlossen­heit ein­büßt, ich meine aber, dass genau diese Offen­heit dafür sorgt, dass man am Ende nicht mit der Zufrieden­heit eines Hap­py Ends hin­ter­lassen wird, son­dern dass man sich weit­er mit genau diesen ungelösten Fra­gen beschäftigt. Darin, dass die Hand­lung dieses Films nicht kom­plett dur­chor­gan­isiert ist, erin­nert er mich an einen Film mit ein­er ganz ähn­lichen The­matik: Mar­co Kreuz­paint­ners „Trade – Willkom­men in Ameri­ka“ mit Kevin Kline aus dem Jahr 2007. Es ist die Geschichte der 13-jähri­gen Adri­ana (Pauli­na Gai­tan), die in Mex­i­co City von Men­schen­händlern ent­führt wird, um sie in den USA als Sexsklavin zu verkaufen. Ihr Brud­er Jorge (Cesar Ramos) ver­fol­gt die Täter und beg­ibt sich auf die Suche nach sein­er Schwest­er. Ähn­lich wie CATCH THE FAIR ONE prof­i­tiert TRADE eben davon, dass die Struk­tur des Drehbuchs nicht per­fekt durch­struk­turi­ert ist und die Glaub­würdigkeit damit ein­er äußeren Span­nung geopfert wer­den würde.

CATCH THE  FAIR ONE ist der zweite Lang­film Josef Kub­o­ta Wla­dy­ka, der japanis­che und pol­nis­che Wurzeln hat und in New York studierte. 2014 kam sein Film MANOS SUCIAS in die Kinos, der im kolumbian­is­chen Dro­gen­m­i­lieu spielt. Wla­dy­ka wurde dafür beim Tribeca Film Fes­ti­val 2014 als „Best New Nar­ra­tive Direc­tor“ aus­geze­ich­net und für zwei Inde­pen­dent Spir­it Awards nominiert. Danach fol­gte die Regie bei Episo­den der Esco­bar-Serie NARCOS und bei der Expe­di­tions-Serie THE TERROR. Auch CATCH THE FAIR ONE gewann erfreulicher­weise beim Tribeca-Fes­ti­val wieder einen Preis: den Pub­likum­spreis.

CATCH THE FAIR ONE by Josef Kub­o­ta Wla­dy­ka

Pro­duziert wurde der Film von Dar­ren Aronof­sky, der mit seinem beein­druck­enden Film THE FIGHTER (2010) auch schon im Box­film­genre unter­wegs war, dessen Film THE WHALE ver­mut­lich zu den High­lights des aktuellen Kino­jahres gehören wird, deutsch­er Start des Films ist der 27. April 2023.

Das Herz – und wohl auch die Ent­deck­ung dieses Films – ist aber seine Haupt­darstel­lerin: Kali Reis. Kali Reis ist 1986 in Prov­i­dence, Rhode Island geboren. Wie die Kaylee des Films ist sie zur Hälfte amerikanis­che Ure­in­wohner­in und zur anderen Hälfte Kapver­dianer­in. Und: Sie ist Profi­box­erin – und zwar nicht nur irgen­deine son­dern gle­ich eine mehrfache Welt­meis­terin, seit 2020 WBA-Welt­meis­terin im Halb­wel­tergewicht, seit 2021 die WBO- und IBO-Welt­meis­terin im Halb­wel­tergewicht und im Jahr 2016 WBC-Welt­meis­terin im Mit­tel­gewicht. Am Drehbuch von CATCH THE FAIR ONE hat sie mit­geschrieben und diesem einiges an Authen­tiz­ität mit­gegeben. „This film tells a fic­tion­al sto­ry, but it’s very real to a lot of dif­fer­ent fam­i­lies. It could have gone dark­er“, sagt sie in einem Inter­view mit rogerebert.com. Dass sie in ihrer ersten Rolle als Schaus­pielerin (von ein, zwei TV-Episo­den abge­se­hen) gle­ich mit ein­er Haup­trol­le solch einen Ein­druck hin­ter­lässt ist beein­druck­end. Prompt wurde sie für die Inde­pen­dent Spir­it Awards nominiert, für die beste weib­liche Haup­trol­le. Regis­seur Wla­dy­ka hat sie für den Film ent­deckt, über einen Fre­und, der ein Box­ing Gym besitzt. Kali ist Aktivistin für Frauen­rechte, sie set­zt sich für die Vere­ini­gung VAWA (Vio­lence Against Women’s Act) ein, und sie set­zt sich für die Rechte indi­gen­er Men­schen ein, ins­beson­dere als aktive Unter­stützerin der Bewe­gung für ver­mis­ste und ermordete indi­gene Frauen und Mäd­chen (MMWIG).

CATCH THE FAIR ONE by Josef Kubota Wladyka
CATCH THE FAIR ONE by Josef Kub­o­ta Wla­dy­ka

Kali Reis‘ Präsenz in CATCH THE FAIR ONE ist atem­ber­aubend – genau mit dieser kör­per­lichen und schaus­pielerischen Kraft kann es sich der Film eben leis­ten, nicht per­fekt durch­struk­turi­ert zu sein. Reis gelingt es mit ihrer Darstel­lung, dem Film seine Geschlossen­heit zu wahren. Man wün­scht sich sofort, sie noch in vie­len weit­eren Haup­trollen zu sehen. „I fell in love with film as an artis­tic expres­sion“, sagt Kali Reis irgend­wann. Und: „I want to do this as a career now.“ Danke dafür.

USA 2021; Regie: Josef Kub­o­ta Wla­dy­ka; Pro­duzent: Dar­ren Aronof­sky; mit: Kali Reis; 85 min.; DCP 4K engl. OV/OmdU

DEUTSCHER KINOSTART: 26. Jan­u­ar 2023
https://dropoutcinema.org/archive/3597/

SPIELORTE:
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BAMBERG, LICHTSPIEL (26.1.2023 – 01.02.2023)
BERLIN, FILMRAUSCHPALAST (16.02.2023 – 22.02.2023)
KARLSRUHE, KINEMATHEK (27.01.2023 – 28.01.2023)
KASSEL, FILM-SHOP (09.02.2023 – 11.02.2023)
KIEL, STUDIO-FILMTHEATER (27.01.2023 – 28.01.2023)
KÖLN, LICHTSPIELE KALK (26.01.2023 – 01.02.2023)
MANNHEIM, CINEMA QUADRAT (26.01.2023 – 01.02.2023)
MANNHEIM, ASV (04.02.2023)
MÜNCHEN, WERKSTATTKINO (26.01.2023 – 01.02.2023)
MÜNSTER, CINEMA (26.01.2023 – 01.02.2023)
NÜRNBERG, KOMMKINO (26.01.2023 – 31.01.2023)
REGENSBURG, ANDREASSTADEL (27.01.2023 – 31.01.2023)

ENGLISH VERSION

We are in the city of Buf­fa­lo, New York State. Kaylees (Kali Reis) is a young box­er with her next box­ing match com­ing up. She gets her tat­tooed hands mas­saged and loos­ened, her jew­ellery, cheek and tongue pierc­ings are removed so that she does­n’t hurt her­self. Her hands are care­ful­ly ban­daged, her blue box­ing gloves are put on and tied. There is not much talk, her train­er only says what is nec­es­sary. Kaylee box­es her­self warm. You can hear the fans in the hall out­side cheer­ing and scream­ing. Last loos­en­ing. Kaylee stands in her glit­tery blue robe, ready for bat­tle. The ring announcer’s voice is heard announc­ing the fight. “Box­ing fans, make some noise!” Kaylee kneels down on the red car­pet back­stage and con­cen­trates. Then the voice of the ring announc­er fades away. Fade to Kaylee wak­ing up in a women’s shel­ter. She’s bleed­ing from her mouth. We did­n’t see any­thing of the fight. flash­back? Dream?

CATCH THE FAIR ONE begins deeply impres­sive. You can feel the ten­sion before the fight, we’re very close, you can see every pore of Kaylee’s skin, it’s dark, somber images. Sound, music, image, set design, the two actress­es. The scene makes a deep impres­sion on us. And it will be resumed lat­er.

The next scene, which fades to, will ini­tial­ly con­fuse and dis­turb us. are we in a prison In a home­less shel­ter? Are we in the future in rela­tion to the first scene? In the past? Was the box­ing prep scene a fan­ta­sy? A dream? Why is Kaylee bleed­ing from her mouth? She wakes up with a razor blade in her mouth. What for? Only grad­u­al­ly do we learn more about them. She works in a din­er to earn some mon­ey. She also has to let the guests treat her bad­ly. But she has­n’t boxed for a long time, we learn from a young fan who meets her. She has it in her back and can’t fight, Kaylee gives as an excuse.

The truth lies else­where: it was relat­ed to drugs, we’ll find out at some point. That’s why she slipped, but now she’s clean again. But some­thing else is wrong: A while ago, Wee­ta, her younger sis­ter, dis­ap­peared. Like so many young indige­nous women in that area. Their moth­er, Jaya (Kim­ber­ly Guer­rero), runs a sup­port group for loved ones who have dis­ap­peared. Kaylee’s moth­er did­n’t want to have much to do with her in the last few years, pre­cise­ly because of the drug issues. And now, of all things, the daugh­ter on whom she placed so much hope has dis­ap­peared. Iron­i­cal­ly, the dear daugh­ter Wee­ta, who could become some­thing, has dis­ap­peared, the use­less Kaylee is still there.

And then we find out about Kaylee’s plan: she wants to be kid­napped by a ring of girls traf­fick­ers who keep young girls as sex slaves. She wants to find out where Wee­ta is. She pre­pares her­self for this with all due care: she box­es against stronger men. She gives every­thing, but falls to the ground. She also trains in wrestling to defend her­self. And she prac­tices hid­ing a razor in her mouth, even when she’s asleep, so that she can use it as a weapon when in doubt. And that’s why it some­times hap­pens that she wakes up in the morn­ing and is bleed­ing from her mouth. Kaylee’s friend Brick (Shelly Vin­cent) knows that’s actu­al­ly far too dan­ger­ous. She warns them not to put their plans into action. But she also knows there’s no hope of stop­ping Kaylee from her plans.

Through an under­cov­er cop and a young woman, Lisa (Isabelle Chester), who acquires girls and young women, Kaylee gets involved in the girl traf­fick­ing ring. And then comes the day when she lets her­self be smug­gled. She is tak­en with oth­er young women in a van and tak­en to the crime ring’s hide­out. There she meets the pimp for the first time. Kaylee is almost too old for him, 29. He asks whether Lisa is already bring­ing grand­mas with her. After all, she’s “cute,” says Lisa. He asks her that she is indige­nous, he heard that from Lisa, but not only that? Her father comes from the Cape Verde Islands, she says. The guy injects her with drugs, although she refus­es because she’s clean. But she has to put up with it. He takes pho­tos of her, tonight she is sup­posed to meet a guy for the first time, name­ly Bob­by, who likes indige­nous women.

Final­ly, Lisa takes Kaylee to Bobby’s car. Bob­by takes her away to his “spe­cial” place. Actu­al­ly he’s quite friend­ly. They dri­ve to a gloomy place under a high­way bridge. But then Kaylee’s plan is jeop­ar­dized and the plot takes a dark turn. Kaylee must first save her own life before she can con­tin­ue to search for the mas­ter­minds of the girl traf­fick­ing ring and for her sis­ter.

The sec­ond half of the film is marked by Kaylee’s strug­gle to get to those respon­si­ble — and it will only increase in dra­ma. Despite every­thing, the film dis­pens­es with a dra­matur­gy that is only owed to sus­pense. This gives him seri­ous­ness and cred­i­bil­i­ty. Again and again the film dares to leave loose plot lines open and not tell things in full. One could per­haps crit­i­cize the film for los­ing its uni­ty as a result, but I think that it is pre­cise­ly this open­ness that ensures that you are not left with the sat­is­fac­tion of a hap­py end­ing, but that you con­tin­ue to deal with pre­cise­ly these unsolved ques­tions . In that the plot of this film is not com­plete­ly orga­nized, it reminds me of a film with a very sim­i­lar theme: Mar­co Kreuzpaintner’s “Trade — Willkom­men in Ameri­ka” with Kevin Kline from 2007. It is the sto­ry of 13-year-old Adri­ana (Pauli­na Gai­tan), who is kid­napped by human traf­fick­ers in Mex­i­co City in order to sell her as a sex slave in the USA. Her broth­er Jorge (Cesar Ramos) pur­sues the per­pe­tra­tors and goes in search of his sis­ter. Sim­i­lar to CATCH THE FAIR ONE, TRADE ben­e­fits from the fact that the struc­ture of the screen­play is not per­fect­ly struc­tured and the cred­i­bil­i­ty would be sac­ri­ficed to exter­nal ten­sion.

CATCH THE FAIR ONE is the sec­ond fea­ture film by Josef Kub­o­ta Wla­dy­ka, who has Japan­ese and Pol­ish roots and stud­ied in New York. In 2014 his film MANOS SUCIAS, which is set in the Colom­bian drug milieu, was released in cin­e­mas. Wla­dy­ka won Best New Nar­ra­tive Direc­tor at the 2014 Tribeca Film Fes­ti­val and was nom­i­nat­ed for two Inde­pen­dent Spir­it Awards. This was fol­lowed by direct­ing episodes of the Esco­bar series NARCOS and the expe­di­tion series THE TERROR. For­tu­nate­ly, CATCH THE FAIR ONE also won anoth­er prize at the Tribeca Fes­ti­val: the audi­ence prize.

The film was pro­duced by Dar­ren Aronof­sky, who was already active in the box­ing film genre with his impres­sive film THE FIGHTER (2010), whose film THE WHALE will prob­a­bly be one of the high­lights of the cur­rent cin­e­ma year. The Ger­man start of the film is April 27, 2023.

But the heart – and prob­a­bly also the dis­cov­ery of this film – is its main actress: Kali Reis. Kali Reis was born in Prov­i­dence, Rhode Island in 1986. Like the film’s Kaylee, she is half Native Amer­i­can and half Cape Verdean. And: She is a pro­fes­sion­al box­er – and not just any but a mul­ti­ple world cham­pi­on, since 2020 WBA light wel­ter­weight world cham­pi­on, since 2021 the WBO and IBO light wel­ter­weight world cham­pi­on and in 2016 WBC mid­dleweight world cham­pi­on. She co-wrote the screen­play of CATCH THE FAIR ONE and gave it some authen­tic­i­ty. “This film tells a fic­tion­al sto­ry, but it’s very real to a lot of dif­fer­ent fam­i­lies. It could have gone dark­er,” she says in an inter­view with rogerebert.com. That she makes such an impres­sion with a lead­ing role in her first role as an actress (apart from one or two TV episodes) is impres­sive. She was prompt­ly nom­i­nat­ed for the Inde­pen­dent Spir­it Awards for Best Female Lead. Direc­tor Wla­dy­ka dis­cov­ered her for the film through a friend who owns a box­ing gym. Kali is a women’s rights activist, she cam­paigns for the asso­ci­a­tion VAWA (Vio­lence Against Women’s Act), and she cam­paigns for the rights of indige­nous peo­ple, par­tic­u­lar­ly as an active sup­port­er of the Miss­ing and Mur­dered Indige­nous Women and Girls Move­ment (MMWIG).

Kali Reis’ pres­ence in CATCH THE FAIR ONE is breath­tak­ing — pre­cise­ly with this phys­i­cal and act­ing pow­er, the film can afford not to be per­fect­ly struc­tured. With her por­tray­al, Reis man­ages to keep the film cohe­sive. One imme­di­ate­ly wish­es to see her in many more lead­ing roles. “I fell in love with film as an artis­tic expres­sion,” says Kali Reis at some point. And: “I want to do this as a career now.” Thanks for that.

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