THE LAST EXPEDITION – Was geschah mit Wanda Rutkiewicz? – ab 30.1.2025 im Kino

Berglandschaft_TLE┬®RiseandShine Cin­e­ma –

Es gab eine Zeit, in der ich Berg­steiger­büch­er en masse ver­schlun­gen habe. Ich habe die Geschicht­en über Rein­hold Mess­ner, über Edmund Hillary und Ten­z­ing Nor­gay, über Wal­ter Bon­at­ti, Ed Vies­teurs, Hans Kam­mer­lan­der, Edward Whym­per undun­dund geliebt. Das Dra­ma, die Todes­ge­fahr, der Erfolg, unglaubliche Geschicht­en. Auch Doku­men­tarfilme über Berg­steigen lasse ich kaum aus, der IMAX-Film „Ever­est – Gipfel ohne Gnade” aus dem Jahr 1998 ist mir zutief­st in Erin­nerung geblieben. Es sind Geschicht­en voller Mythen und Schick­sale. Und den­noch oder ger­ade deswe­gen liegt mir nichts fern­er, als selb­st einen Acht­tausender oder ähn­lich hohes zu besteigen. Für mich ist das extreme Berg­steigen ein Spiel mit dem Tod: Abstürze, Law­inen, Felsstürze, Gehirnödeme, Lun­genödeme, Erfrierun­gen, mir eine zu große Vielfalt an Möglichkeit­en, dabei ums Leben zu kom­men oder Zehen zu ver­lieren. Am Nan­ga Par­bat star­ben beispiel­sweise bis 2009 ins­ge­samt 68 Men­schen bei dann doch nur 326 erfol­gre­ichen Bestei­gun­gen. Eine solche Geschichte voller Dra­men und Mythen ist auch die Geschichte der Berg­steigerin Wan­da Rutkiewicz.

Wan­da Rutkiewicz war eine pol­nis­che Berg­steigerin, geboren 1942 in Litauen. Sie studierte Elek­trotech­nik in Bres­lau, sie begin­nt mit dem Berg­steigen, klet­tert zunächst in Polen, dann in Nor­we­gen, den Alpen, schließlich im Himalaya. Acht Acht­tausender bestieg sie, erfol­gre­ich auch den Nan­ga Par­bat, sie ist die erste Frau auf dem K2, den Cho Oyu, Anna­pur­na und mehr, zu ein­er Zeit, als in den Lis­ten fast nur Män­ner­na­men auf­tauchen.

Im Jahr 1992 fol­gt der schick­sal­hafte Ver­such, den Kangchendzön­ga zu besteigen, 8586 Meter, der drit­thöch­ste der Acht­tausender. Von diesem Berg wird sie nicht zurück­kehren. Ihre Leiche wird nie gefun­den. Gerüchte, Geschicht­en, Mythen begleit­en ihr Ver­schwinden, die besten Auskün­fte kann ihr let­zter Weg­be­gleit­er geben, der mexikanis­che Berg­steiger Car­los Car­so­lio, der sie auf dem Kangchendzön­ga begleit­et hat, es aber nicht schaffte oder nicht die Kraft hat­te, sie zum Absteigen zu bewe­gen. Ver­mut­lich ist sie abgestürzt, aber es gibt auch spin­nerte Geschicht­en, sie hätte sich auf ein Frauen­kloster auf der Rück­seite des Kangchendzön­ga zurück­ge­zo­gen. Diese Fan­tasie ziehen Men­schen aus den Tage­büch­ern, aus denen sie Sehn­süchte und Erschöp­fung her­ausle­sen.

Dreißig Jahre nach dem Ver­schwinden von Wan­da Rutkiewicz beg­ibt sich die Regis­seurin Eliza Kubars­ka (THE WALL OF SHADOWS) auf Spuren­suche und bereist dafür den Himalaya. Sie, selb­st eine erfahrene Alpin­istin, forscht in Archiv­en und in den Gassen von Kat­man­du, redet mit Ein­heimis­chen, Bauern, Non­nen in abgele­ge­nen Klöstern, zeigt den Men­schen dort Rutkiewiczs Foto.

Zahllose Inter­viewauss­chnitte mit Wan­da Rutkiewicz zeigt Kubarskas Film, Doku­mente über sie, Inter­views mit Rein­hold Mess­ner, mit ihrer Schwest­er, mit ihrer Man­agerin. Eliza Kubars­ka ist Absol­ventin der Akademie der Bilden­den Kün­ste (Bild­hauerei, Videokun­st) und der Waj­da-Schule für Film­regie in Warschau. Mit „The Last Expe­di­tion” gelingt der Regis­seurin eine beein­druck­ende und berührende Geschichte über das, was das extreme Berg­steigen so prägt – das Leben und der Tod. Diese Geschicht­en sind mir nicht unbe­d­ingt etwas Neues, aber die Biografie von Wan­da Rutkiewicz kan­nte ich noch nicht. Inter­es­san­ter­weise ist das, was mir am ein­dringlich­sten hän­gen geblieben ist, aus­gerech­net nicht der Teil, in dem Eliza Kubars­ka sich im Himalaya auf Spuren­suche nach der Berg­steigerin beg­ibt, son­dern jen­er, der mir über ihre frühen Jahre erzählt – über den All­t­ag und das Leben in Polen, über die Organ­i­sa­tion von Berg­touren aus dem Ost­block her­aus. Und um den Bogen zum Anfang wieder zu schließen, zu meinem in der reinen Beobach­tung gebliebe­nen Inter­esse an der Berg­steigerei: Es sind in der Tat die Büch­er und die Doku­men­tarfilme, die mich immer am meis­ten gefes­selt haben. Es waren nie die Spielfilme. Die echt­en Geschicht­en sind um Wel­ten bess­er, als die kün­stlich drama­tisierten. Am 4. Feb­ru­ar 2025, so lese ich, kommt Cliffhang­er, der Klet­ter­film mit Sylvester Stal­lone, nach 32 Jahren für einen Tag wieder in die Kinos. Meine Empfehlung: Gehen Sie lieber in „The Last Expe­di­tion”.
Empfehlenswert.

Regie: Eliza Kubars­ka
Mit: Wan­da Rutkiewicz | Rein­hold Mess­ner | Krzysztof Wielic­ki |
Car­los Car­so­lio | Jan­i­na Fies | Mar­i­on Feik

Polen / Schweiz 2024,  86 Min.

Englisch, Nepale­sisch, Pol­nisch, Deutsch m. deutschen UT
Deutsch­er Kinos­tart: 30. Jan­u­ar 2025

Ver­leih: RISE AND SHINE CINEMA

FILMOGRAFIE Eliza Kubars­ka
„What Hap­pened On Pam Island”
(alias „Moun­tain Love Sto­ry”, 63′, 201011, Grand Prix-Gewin­ner des Bergfilm­fes­ti­vals
Teplice n. Men­tu­ji und „Mario Bello”-Preis beim Film­fes­ti­val von Tren­to und mehr)

„Walk­ing Under Water”
(76′, 2014, Gewin­ner mehrerer Preise, ein­schließlich des Hot Docs
Jury-Preis­es (Toron­to, Kana­da), Gewin­ner des Palm Springs Fes­ti­val und
des Los Ange­les Film Fes­ti­val Hon­or­able Men­tion und mehr)

„K2 Touch­ing The Sky”
(72′, 2015, HBO), Pre­mière beim Film­fes­ti­val von Locarno (Schweiz),
Vorfhrung beim IDFA (Ams­ter­dam), Film­fes­ti­val Gold­en­er Enz­ian Tren­to, Preis fr den
besten Spielfilm in BANFF (Kana­da), Grand Prix Gewin­ner des Kendal Moun­tain Fes­ti­val
(Gross­bri­tan­nien), Preis fr die beste Regie beim Bil­bao Men­di Fes­ti­val (Spanien), Alpine
Kam­era in Gold in Graz (Öster­re­ich) und mehr.
Kurz­filme: „Mama, Tata I Ja”

(„Mama, Papa und ich”, 6′, 2003), Video-Instal­la­tion „Klat­ka”
(„Der Käfig”, 9′, 2004) , „Mexiko – eine andere Dimen­sion” (2007)

Son­der­vor­führun­gen:

München: Rio Film­palast, am 28.01.25 um 19.00 Uhr | zu Gast: Extrem-Berg­steigerin Bil­lie Bier­ling | in Koop.: Bay­erischen Rund­funk | Bay­ern und Berge Redak­tion

Hei­del­berg: Glo­ria Kino, am 02.02.2025 um 11.00 Uhr | zu Gast: Jan­i­na Fies (Schwest­er v. Wan­da Rutkiewicz) | Mod­er­a­tion: Till­mann Stein­hilber

Friedrichshafen: Film­tage im Kinosaal Kiesel K42, am 09.03.25 um 11.00 Uhr | zu Gast: Pro­duzent Kas­par Win­kler, TILT Pro­duk­tion

KINOTERMINE ab 30. Jan­u­ar 2025

Aachen: Apol­lo Kino, am 30.01. um 18.15 Uhr, 02.02. um 11.00 Uhr, 04.02. um 18.15 Uhr
Aalen: Kino am Kocher, ab 30.01.25
Bad Tölz: Capi­tol, ab 30.01. – 05.02.25
Berlin: Bali Kino, am 01.02., 02.02., 17.02.25
Berlin: Zeiss-Groß­plan­e­tar­i­um, 01.02., 05.02., 13.02., 20.02. 2025
Bonn: Neue Film­bühne, 02.02. um 11.00 Uhr, 03.02. um 14.00 Uhr, 04.02. um 16.00 Uhr
Det­tel­bach:
Cineworld, am 02.02.25
Dres­den: Zen­tralki­no, ab 30.01.25
Frank­furt: Mal Seh´n Kino, ab 02.02.25 und weit­ere Mati­neen
Freiberg: ePi-zen­trum, 22.04.25
Großhen­ners­dorf: Kun­st­bauerki­no, ab 30.01.25
Ham­burg: Zeise Kinos, am 04.02.25
Hei­del­berg: Glo­ria Kino, 01.02. um 16.45 Uhr, 02.02. um 11.00 Uhr, 4.2. um 16.45 Uhr
Karl­sruhe: Kine­math­ek, am 22.02.25
Kas­sel: Bali-Kinos, am 02.02.25
Köln: Odeon Licht­spielthe­ater, 02.02. um 12.15 Uhr, 05.02. um 17.00 Uhr
Köln: Weis­shaus Kino, am 09.02.25
Lüneb­urg: Scala, am 02.02.25, 23.02.25
München: Neues Rottmann, ab 30.01.25
München: Neues Max­im, 31.01. um 15.00 Uhr, 02.02. um 14.10 Uhr, 03.03. um 16.10 Uhr, 04.02. um 16.50 Uhr
Mün­ster: Cin­e­ma & Kurbelk­iste,  am 30.01. um 17.45 Uhr, 04.02. um 17.45 Uhr, + Mati­neen
Nürn­berg: Meisen­geige, ab 30.01.25
Ochsen­furt: Casablan­ca, 07.02. – 09.02.25
Offen­bach:
filmk­lubb, ab 30.01.25
Old­en­burg: Casablan­ca, ab 30.01.25
Regens­burg: Kinos im Andreasstadel, ab 30.01. – 05.02.25, ab 06.02. – 12.02.25
Rot­ten­burg: Kino im Wald­horn, am 23.02. + 26.02.25
Stuttgart: Ate­lier am Boll­w­erk, 30.01., 02.02., 05.02. jew­eils nach­mit­tags
Wein­garten: Kul­turzen­trum Linse, ab 30.01.25
Wies­baden: Cali­gari Film­bühne, am 20.02.25
Würzburg: Cen­tral im Bürg­er­bräu, ab 30.01.25

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