FRISCH von Damian John Harper ab 3. Juli 2025 im Kino

FRISCH © Leon­hard Kairat / Port au Prince Pic­tures / Wey­de­mann Bros

Kai und sein großer Brud­er Mirko. Irgend­wo im Ruhrge­bi­et. Sichtlich gegen seinen eige­nen Willen lässt sich Kai in die krim­inellen Num­mern seines gewalt­täti­gen Brud­ers reinziehen. Das ist eigentlich nicht sein Ding, das sieht man ihm an. Aber so ein großer Brud­er hat halt was zu sagen, vor allem weil die bei­den eine gemein­same, schwere Kind­heit hin­ter sich hat­ten, mit früh gestor­ben­er Mut­ter, schlecht­en Vor­bildern, Aufwach­sen beim stren­gen Onkel. Immer­hin gab es Win­netou und der „Indi­anerethos”, der die bei­den zusam­men­hal­ten ließ. Damals ist Mirko dann bald das erste Mal der Polizei begeg­net. Jet­zt soll Kai die Kohle für Mirko auf­be­wahren, immer­hin 10.000 Euro. Und aus­gerech­net jet­zt ist es soweit: Mirko wird erwis­cht, lan­det im Knast. Schnitt.

Jahre später. Kai wird von nächtlichen Alp­träu­men geplagt, und das hat seinen Grund. Inzwis­chen ist er ver­heiratet, mit Ayse und er hat eine Tochter, die vier­jährige Jen­ny. Doch wer so jung Vater wird hat bisweilen ein Prob­lem – und das heißt Geld, vor allem, da plöt­zlich Jen­nys teure Augen-OP dazwis­chenkam. Und große Pläne hat­ten die bei­den, als sie zusam­menka­men. Nach Berlin oder so. Oder sog­ar nach Ameri­ka. Aber er arbeit­et in einem Großschlachterei­be­trieb, Schweine zer­legen, da wo auch sein Onkel Andy arbeit­et, und da ver­di­ent man nicht gut. Und trotz bil­liger Woh­nung in ein­er herun­tergekomme­nen Gegend hat das Geld nicht gere­icht. Und so war die Ver­lock­ung groß, die drin­gend­sten finanziellen Löch­er mit der geklaut­en Kohle zu stopfen, die ihm sein Brud­er zur Auf­be­wahrung übergeben hat. Heute wollte er eigentlich mit Fam­i­lie einen gemütlichen Abend zu Hause ver­brin­gen, chillen. Aber heute, erfährt er über­raschend, ist es soweit: Mirko soll vorzeit­ig aus dem Knast freikom­men. Und wie soll er nun von jet­zt auf gle­ich an Geld kom­men? Vorschuss bekommt er bei Arbeit jeden­falls keinen. Und Ayse soll von der Geschichte sowieso nichts erfahren, das sei eine Geschichte zwis­chen Kai und Mirko. Die Zeit läuft ihm weg und was das Geld bet­rifft, so wird Mirko auch seinem Brud­er gegenüber keinen Spaß ver­ste­hen. Eine Idee muss her, ein Plan und vor allem das Geld. Doch Kai ahnt nicht, dass das vielle­icht noch nicht ein­mal das größte Prob­lem sein würde, mit dem er kon­fron­tiert sein würde…

FRISCH © Leon­hard Kairat / Port au Prince Pic­tures / Wey­de­mann Bros

Dami­an John Harp­er, der bei FRISCH Regie führte, hat eine recht erstaunliche Quere­in­steigerkar­riere hin­ter sich. Harp­er wurde 1978 in Boul­der, Col­orado geboren, studierte Anthro­polo­gie und arbeit­ete schließlich als Eth­nologe im Süden Mexikos, eine beru­fliche Lauf­bahn die vielle­icht max­i­mal einen Doku­men­tarfilmemach­er erwarten ließe, nicht jedoch einen Gen­re­film­regis­seur. Seine näch­ste beru­fliche Sta­tion war die eines Höh­len­tauch­lehrers in Brasilien, bevor er dann, endlich ein­er­seits in Deutsch­land und ander­er­seits beim Film lan­dete, und zwar bei einem Regi­es­tudi­um an der HFF in München. Sein Lang­filmde­büt hieß LOS ÁNGELES, den er 2012, aha, in dem Dorf in Mexiko drehte, in dem er als Eth­nologe gelebt und gear­beit­et hat­te – nichts ist umson­st im Leben. Der Film erlebte seine Welt­premiere im Forum der Berli­nale und wurde mit diversen Preisen aus­geze­ich­net, unter anderem mit dem First Steps Award. Sein zweit­er Film, IN THE MIDDLE OF THE RIVER, spielte schließlich in den USA, es war das Fam­i­lien­dra­ma um einen Irak-Kriegsvet­er­a­nen. Der Film lief beim Film­fest München und erhielt dort den Preis für das Beste Drehbuch. Im Jahr 2024 startete seine Jugend­buchver­fil­mung WOODWALKERS in den Kinos, nach dem Roman von Kat­ja Bran­dis.

Mit FRISCH steigt Harp­er noch mehr ins Gebi­et des Gen­re­films ein, indem er ein Fam­i­lien­dra­ma mit Ele­menten des Krim­i­nal­films aber auch des West­ern verbindet. Ins­beson­dere Louis Hof­mann als Kai gelingt es, der Sto­ry des Films Tiefe zu ver­lei­hen und den Zuschauer mit in die Geschichte hineinzuziehen. Die düsteren Bilder, die Leon­hard Kairat ein­fängt, ver­lei­hen dem Film einiges an Atmo­sphäre, das passt unglaublich gut zur Gen­rewelt von FRISCH.

Dami­an John Harp­er gelingt ein mutiges Gen­re­ex­per­i­ment – sowieso gehöre ich nicht zu denen, die sich allzu sehr über den deutschen Gen­re­film beschw­eren, da gibt es, finde ich, dur­chaus eine Menge gelun­gene Exem­plare, und immer dann, wenn auch Attribute wie „mutig” verknüpft wer­den kön­nen, muss man wirk­lich dankbar sein, denn „brave” und „erwart­bare” Gen­re­filme sind schlicht und ein­fach zum Scheit­ern verurteilt. Ich zögere daher etwas, zwei Dinge anzus­prechen, um den Leser nicht in die falsche Rich­tung zu lenken, den­noch: Mich hat ein­er­seits etwas gestört, dass der Film allzu sehr in den Zeit­ebe­nen springt und mich hat gestört, dass der Film etwas zu sehr zwis­chen real­is­tis­chem Dra­ma und Gen­rever­frem­dung springt. Trotz­dem: Bitte geht ab 3. Juli 2025 ins Kino und schaut euch Dami­an John Harpers Film FRISCH an!

FRISCH © Leon­hard Kairat / Port au Prince Pic­tures / Wey­de­mann Bros

Inner­er Monolog: Ralf Richter
Kai: Louis Hof­mann
Mirko: Franz Pät­zold
Onkel Andy: Sascha Geršak
Ayse: Canan Kir
Ela: Pinar Erincin
Bodgan: Boži­dar Kocevs­ki
Selo: Zejhun Demirov
uvm.

Drehbuch & Regie: Dami­an John Harp­er
Roman­vor­lage „Fresh“ von Mark McNay
Kam­era: Leon­hard Kairat
Schnitt: Lor­na Hoe­fler-Stef­fen
Ton/Sounddesign: Jonathan Schorr
Musik: Emma Elis­a­beth Harp­er
Szenen­bild: Sylvester Kozi­olek
Kostüm­bild: Kat­ja E. Waf­fen­schmied
Masken­bild: Ska­di Lesske, Ben­jamin Wendl
Cast­ing: Suse Mar­quardt, Maren Friedrich
Kinder­cast­ing: Babet Mad­er
Pro­duzen­ten: Jakob D. Wey­de­mann, Jonas Wey­de­mann, Mile­na Klemke,
Yvonne McWellie (Wey­de­mann Bros.)
Kopro­duk­tion ZDF – Das kleine Fernsehspiel
Redak­teur: Clau­dia Tron­nier, Jakob Zim­mer­mann

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