
Ich weiß, ich bin parteiisch, weil ich mit Jörg Rubbert einerseits befreundet bin und andererseits die Ehre hatte, zu seinem aktuellen Bildband, das Vorwort schreiben zu dürfen („Jörgs Buch ist ein persönliches und authentisches Dokument, das uns alle an unsere eigene Italien-Biografie erinnert. Jörg Rubberts Italien-Buch erweckt in mir die Erinnerungen an die Hitze, die ich bei unserer ersten Italienreise gespürt habe, es weckt Erinnerungen an das Kindergeschrei in den Straßen Italiens, an die fußballspielenden Jungs, die mich mitspielen ließen …“).
Was mich aber besonders freut ist, dass Jörg gemeinsam mit dem fantastischen Buchdesigner Yunus Şems G. Pleger sowie dem großartigen PalmArtPress Verlag ein Buch gelungen ist, das auch von sich reden macht. Ausgerechnet eine meiner Lieblingsfotozeitschriften (hoffentlich hält die Zeit noch lange an, dass es solch wunderbare Zeitschriften gibt, wo doch das Gedruckte immer mehr aus der Mode kommt), nämlich die PhotoKlassik, hat eine Fotostrecke über Jörgs Buch veröffentlicht und darüber geschrieben, ich zitiere:
„In seinem Band ‚ITALY – Street Photographs 1978-1986‘ fängt er mit analoger Präzision und sommerlicher Leichtigkeit eine Welt ein, die längst vergangen scheint und doch in unseren Herzen weiterlebt. (…) Was die Bilder auszeichnet, ist nicht nur der feine dokumentarische Blick, sondern auch das sinnliche Eintauchen in eine entschleunigte Lebensweise.“
Wie wahr wie treffend. Es ist übrigens auch Zeit, mein Lieblingsfoto aus dem Band zu benennen. Die Auswahl fällt schwer, aus aktuellem Anlass, die Filmfestspiele von Venedig sind gerade zu Ende gegangen, entscheide ich mich ausgerechnet für ein Bild, in dem gerade nicht die Sonne scheint: „Kellner mit grimmigem Blick, Restaurant an der Rialto-Brücke, Venedig 1985“. Wer es sehen will, der besorge sich das Buch, entweder in der liebevoll ausgestatteten Buchhandlung um die Ecke, die es hoffentlich auch noch recht lange gibt, oder direkt beim Verlag: https://www.palmartpress.com/p/italy-1978-1986
Jedenfalls erzählt dieser Kellner mit seinem grimmigen Blick so viel über Italien, über Venedig, über das Verhältnis der Lagunenstadt zu ihren Touristen. Das Bild ist wie das Filmstill aus einem Siebzigerjahre Venedig-Film, man meint das Geschirrklappern der Gäste im Hintergrund zu hören, die Stimmen der deutschen Touristen, italienische Rufe der Gondoliere im Hintergrund. Eine kleine Italien-Story in einem einzigen Bild.
Aber das ist nicht alles, ich schwärme weiter: Wer je mit Fotografie zu tun hatte, weiß, dass der Bildband die eine Darreichungsform von Bildern ist, die Fotoausstellung jedoch eine ganz andere. Es sind dieselben Bilder, aber das Format der Ausstellung ist halt ein ganz anderes, ganze Aufsätze sind darüber schon geschrieben worden. Also: Am 12. September 2025 um 19 Uhr eröffnet Jörg Rubbert seine Ausstellung mit einer Auswahl an Italienbildern: „Italian Serenity – Fotografien aus Italien der Jahre 1978 – 1986“ in der Galerie für junge Künstler- und DesignerInnen in der Grunewaldstraße 15 in Schöneberg, eine wundervolle, kleine Galerie, unweit vom Kleistpark. Geführt wird die Galerie von einer wunderbaren Galeristin, Brigitte Stamm, und für Jörg ist das so etwas wie seine Hausgalerie, so oft konnte er dort seine Bilder schon zeigen, die Details gibt es hier: https://jkd-berlin.de/ . Die Fotografiewebseite „Photoscala“ ordnet die Bilder auf eine Art und Weise ein, die mir als Cineast besonders gefällt: „Der dokumentarische Blick erinnert dabei an die Bildsprache des italienischen Neorealismus“.
Wer Jörg Rubberts Bildbände kennt, ahnt, dass er auch diesem Italien-Band wieder eine ausführliche Textdokumentation beigefügt hat, aus der ich nun zum Abschluss noch kurz zitieren möchte: „Seinerzeit, als die Aufnahmen in diesem Buch entstanden, wurden die Italiener noch von den Deutschen für ihre Lebensart belächelt – dies wurde oft gar als Begründung für die wirtschaftliche Rückständigkeit Italiens herangezogen. Heutzutage gilt diese Lebensart als nachahmenswert und wird als Tipp in Esoterik-Ratgebern angepriesen. Fast ist man geneigt die Fotoserie als Anschauungsmaterial und Blaupause für eine gesündere Lebenseinstellung zu empfehlen: Das italienische ‚Dolce Vita‘ als kollektiv praktizierte Lebensphilosophie.“ Es wird Zeit, bald wieder nach Italien zu reisen…