Mühlenhaupt / Schinkel / Schadow

© Kurt Müh­len­haupt Muse­um, Fotograf: Karl Rin­ge­na

An einem der ungewöhn­lich­sten Berlin­er Ausstel­lung­sorte zeigt das Berlin­er Kurt-Müh­len­haupt-Muse­um derzeit noch für ein paar Tage die Ausstel­lung MÜHLENHAUPT TRIFFT SCHINKEL UND SCHADOW. Die Ausstel­lung wurde gemein­sam mit dem Bezirk­samt Friedrichshain-Kreuzberg geplant und find­et statt anlässlich gle­ich dreier run­der Geburt­stage: 100 Jahre Müh­len­haupt, 100 Jahre Kreuzberg und 200 Jahre Nation­aldenkmal. Der erstaunliche Ort befind­et sich im Vik­to­ri­a­park, auf dem Kreuzberg – und zwar im bish­er sel­ten zugänglich gemacht­en Sock­elgeschoss des Nation­aldenkmals auf dem Kreuzberg, jenes Denkmal, das dem Hügel – und schließlich auch dem gesamten Bezirk seinen Namen gab, eben wegen des Kreuzes, das sich darauf befind­et. Die Ausstel­lung verknüpft Werke des Kreuzberg­er Malers Kurt Müh­len­haupt, des Architek­ten Karl Friedrich Schinkel und des Bild­hauers Johann Got­tfried Schad­ow.

In dem etwa 1.500 Quadrat­meter großen Gewölbe, das seit Jahrzehn­ten in den Win­ter­monat­en von Fle­d­er­mäusen bevölk­ert ist und vor allem als Kun­st­de­pot dient, entste­hen ungewöhn­liche Per­spek­tiv­en: Den ger­man­is­chen Helden vom abgeris­se­nen Tiele-Winck­ler Palais im Tier­garten stellen wir Müh­len­haupts Hauswarts­frau aus der Blüch­er­straße gegenüber und zwis­chen den Reliefs vom berühmten Schad­owschen Münzfries und weit­eren nahezu fast vergesse­nen Schätzen Berlin­er Bild­hauerkun­st, tum­meln sich Müh­len­haupts leicht­bek­lei­dete Mäd­chen vor der Siegessäule. Geschickt illu­miniert entste­hen Zwiege­spräche von Gestal­ten, die auf den ersten Blick nichts gemein­sam haben.

Auch gibt es erst­ma­lig die Wieder­begeg­nung ein­er Serie groß­for­matiger Gemälde, Szenen aus­gewählter „Bezirks­bilder“, wie Tier­garten, Reinick­endorf, Span­dau, Wed­ding, Schöneberg und Steglitz. Kurt Müh­len­haupt malte sie 1979 für das Pressezen­trum des ICC – jet­zt kehren sie befris­tet nach Kreuzberg zurück. Geboren vor genau 100 Jahren in ärm­lichen Berlin­er Ver­hält­nis­sen, gilt der Maler, Bild­hauer, Schrift­steller und Leben­skün­stler, als Sym­bol­fig­ur der Kreuzberg­er Bohème der 1960er-Jahre. Als »Maler der Liebe« und des »Milieus« gehört er zu den bekan­ntesten Berlin­er Kün­stlern der Nachkriegszeit. Haupt­mo­tive waren für ihn die “kleinen Leute”, wie Putzfrauen, Kell­ner, Bet­tler, Straßen­feger, Dirnen sowie spie­lende Kinder, wodurch Müh­len­haupt gern mit Zille ver­glichen wurde.

Kreuzberger:innen ken­nen seinen Feuer­wehrbrun­nen am Mar­i­an­nen­platz. Vie­len ist Kurt Müh­len­haupt auch im Zusam­men­hang mit der Trödel­hand­lung in der Blüch­er­strasse, dem Leierkas­ten in der Baruther Straße oder seinem Ate­lier am Chamis­so­platz bekan­nt. Mit seinen Porträts, All­t­ags- und Straßen­szenen hat er das West-Berlin­er Lebens­ge­fühl einge­fan­gen.

Alleine der Ort lohnt den Besuch der Ausstel­lung, Müh­len­haupts Arbeit­en erzeu­gen in mir eine wohlige Atmo­sphäre – und vor allem: Es hat sich allen­falls gelohnt, die Ausstel­lung mit meinem sech­sjähri­gen Sohn aufzusuchen. Der mochte Bilder und er mochte den Ort. Wir hof­fen auf weit­ere Ausstel­lun­gen an diesem beson­deren Ort.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert