DIE FARBE DER LUFT von Oliver Moser beim achtung berlin filmfestival

Die Farbe der Luft – Copy­right Malte Siepen

Seit einem Jahr ste­ht das Eltern­haus der Geschwis­ter Fred­dy, Luise und Theo leer. Über­all befind­en sich Spuren der Erin­nerun­gen. Alte Büch­er, ein altes Bild, das eines der Geschwis­ter gemalt hat, die Marme­lade aus dem Keller, die man noch essen kann. Die drei kom­men zusam­men, samt Theos Fre­undin, um das Haus auszuräu­men, ein schw­er­er Plan. Das Haus soll verkauft wer­den. Was ste­ht da noch alles rum? Wer kann noch was brauchen? Wer nimmt was mit? Der alte Schreibtisch von Vater? Die Büch­er? „Wenn du was haben willst, sag Bescheid.” Zwei Tage Zeit haben sie nur für diese Fam­i­lien­an­gele­gen­heit. Die Kaufin­ter­essen­ten wollen näm­lich schon vor der Geburt des Kindes einziehen. Und Theo muss schon am näch­sten Mor­gen los, nach Brüs­sel, das schränkt die Zeit noch weit­er an. Und was sie da alles find­en, altes Par­füm von früher mit Gerüchen, die an die Kind­heit erin­nern, alte Kinder­bilder, wo ist das Not­fall­geld­ver­steck? Alte Kindervideos. Fan­tasia­land. Indi­en – „Slum­touris­mus”. Und wenn man die auch noch anschaut, frisst das natür­lich viel Zeit. Alle scheinen froh sein, sich wieder ein­mal gemein­sam zu sehen, doch hin­ter dieser Fas­sade tauchen ver­bor­gene Ani­mositäten auf, Mis­strauen.

In einem alten Buch, Karika­turen von Europas Fürsten, stößt Luise auf ein Foto: Es ist ihre große Liebe Sergei, der vor vie­len Jahren bei einem Autoun­fall ums Leben kam, auf der Auto­bahn ging er zu schnell in die Kurve und über­schlug sich. Ver­bran­nte im Auto. „Bratwurst” scherzt Luise zynisch. Doch warum steck­te das Bild in diesem alten Pracht­band? Wer hat es über­haupt aufgenom­men? Welche Rolle spielt dieses Bild für sie und die Fam­i­lie, schließlich sei Sergei der einzige gewe­sen, der sie je wirk­lich ver­standen habe, sagt sie. Theos Fre­undin redet mit den Geschwis­tern, sie ken­nt die alten Geschicht­en nicht. Aber eigentlich stößt sie auf viel Schweigen. Detek­tivisch begin­nt Luise zu forschen, wer das Bild über­haupt gemacht hat, ihr Ver­dacht fällt auf Theo. Doch was hat das über­haupt zu bedeuten? Was ver­birgt sich hin­ter der mys­ter­iösen Beziehung Luis­es zu ihrem längst ver­stor­be­nen Fre­und? Und welche Rolle spie­len die Geschwis­ter dabei? Die Schat­ten aus der Ver­gan­gen­heit kom­men allmäh­lich an die Ober­fläche. Ein famil­iäres Dra­ma, eine Geschichte von Priv­i­legien und Schuld ent­fal­tet sich.

„Als ich jung war, trieben sich in mein­er Nach­barschaft zwei unz­ertrennliche Jun­gen herum – der eine aus unser­er betreuten Wohn­sied­lung, der andere aus einem Kinder­heim am Rande der Stadt”, erzählt der Regis­seur Oliv­er Moser über seine Ideen, die ihn zur Geschichte des Films bracht­en. „Als die bei­den sich in Dro­gen und Kleinkrim­i­nal­ität ver­strick­ten, grif­f­en die Eltern des behüteten Jun­gen ein und schick­ten ihn auf ein Inter­nat in Eng­land. Der andere Junge ver­lor seine ganze Welt, ver­suchte sich nach ein­er Weile das Leben zu nehmen und ver­schwand still und leise von der Bild­fläche. Unser Leben ging weit­er, als ob nichts geschehen wäre, aber diese Erin­nerung hat mich nie wirk­lich los­ge­lassen und wurde zum Aus­gangspunkt für diesen Film. Er erzählt die Geschichte von denen hin­ter und denen vor den Mauern. Diejeni­gen, die drin­nen sitzen dür­fen, schauen durch das saubere Fen­ster hin­aus und kön­nen entschei­den, ob die tobende Welt draußen sie etwas ange­ht oder nicht. Wer draußen sitzt, ist darauf angewiesen, dass ihm der Zutritt gewährt wird. Und die Mauern, die uns voneinan­der tren­nen, wer­fen ihre Schat­ten in alle Rich­tun­gen.”

Oliv­er Moser studierte Kun­st an der HbK Braun­schweig und Regie an der Deutsche Film- und Fernse­hakademie Berlin (dffb). Er arbeit­et als Drehbuchau­tor und Regis­seur in Berlin und Köln. „Die Farbe der Luft” ist sein Erstlings­film, nach Kurz­fil­men wie „Ich geh jet­zt” und „Stein­brech­er” (https://www.olivermoser.de/shorts/). Moser gelingt ein überzeu­gen­der Erstlings­film mit ein­er Geschichte, die tief in die Ver­gan­gen­heit ein­er Fam­i­lie hinein­blickt.

Deutsch­land | 2024 | 88 Min.
Deutsch mit englis­chen UT
Berlin-Pre­mière

Regie Oliv­er Moser Schaus­piel Paul Boche, Bea Brocks, Odine Johne, Han­nah Schutsch Buch Lin­da König, Oliv­er Moser Kam­era Malte Siepen Schnitt Isabel­la Kohl, Oliv­er Moser Ton Louis Katz­mann Szenen­bild Ali­na Per­schall Kostüm­bild Muriel Cuis­sard Musik Matthias Petsche Produzent:in Lin­da König, Oliv­er Moser Pro­duk­tion Deutsche Film- und Fernse­hakademie Berlin Kopro­duk­tion Rausch Film, Jost Her­ing Filme

Berlin Regie | Pro­duk­tion

Urauf­führung 32. Film­fest Ham­burg

https://achtungberlin.de/2025/die-farbe-der-luft

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