IM HAUS MEINER ELTERN von Tim Ellrich beim achtung berlin Filmfestival

IM HAUS MEINER ELTERN von Tim Ell­rich –

Holle macht irgen­deine Fort­bil­dung als Ther­a­peutin, irgend­was Eso­ter­isches, irgend­was, wo man Kräfte durch seine Hände überträgt. Offen­bar ori­en­tiert sie sich beru­flich neu, will eine Prax­is eröff­nen. Da muss ja mehr sein. Holle ste­ht in engem Kon­takt zu ihren schon recht gebrech­lichen Eltern, die immer mal wieder Hil­fe brauchen, beim Einkaufen und so – und zu ihren Geschwis­tern. Aber da ist ein­er, ihr Brud­er Sven, von dem immer nur gere­det wird. Schnei­dest du noch ein Stück Kuchen ab für Sven? Hier ist das Geschirr von Sven. Aber wo ist Sven? Dann kommt eines Tages Holles Mama ins Kranken­haus, ihr war schwindlig. Blut­druck. Nun muss sich ihr Vater erst mal alleine um sich küm­mern – und um Sven. Das macht son­st die Mut­ter. Sven lebt im Eltern­haus. Seit Jahrzehnte, zurück­ge­zo­gen, isoliert, schweigt. Kein­er weiß, was in ihm vorge­ht, was er denkt, fühlt. Holle hat das nie ganz akzep­tiert. Aber sie spürt, dass es Sven nicht gut geht, spätestens seit die Mut­ter im Kranken­haus liegt. „Aus dem Jun­gen hätte so viel wer­den kön­nen”, sagt der Vater, als sie ein altes Fam­i­lien­al­bum anschauen. Svens einzige Kon­tak­tver­suche sind Briefe an Men­schen, die es früher ein­mal gab. Und die alle wieder zurück­kom­men, weil es die Empfänger nicht mehr gibt. Dieter, Holles Mann, ist der – naja – Real­ist in der Fam­i­lie. Er lehnt die kindis­chen Rit­uale ab. Er zitiert Max Weber, der gemeint habe, dass man seine Fam­i­lie gar nicht lieben müsse. Er kri­tisiert, dass Holle ihren Eltern hil­ft, nur weil’s die Eltern sind.

Doch was passiert, wenn die Eltern sich irgend­wann gar nicht mehr um Sven küm­mern kön­nen? Die Fam­i­lien­mit­glieder haben unter­schiedliche Strate­gien für den Fall: Die einen ver­drän­gen die Real­ität und wollen erst gar nicht darüber nach­denken, was dann wäre. Der Vater will Sven voller Wut aus seinem Schweigen her­auszwin­gen. Holle ist sich im Klaren, dass sie wohl die wäre, die sich um ihn küm­mern müsste. Aber was geht in Svens Kopf vor? Was erwartet er noch vom Leben? Holle ver­sucht es zunächst mit Hil­fe von einem Ther­a­peuten. Aber wie kann die Fam­i­lie eine Lösung find­en? Was kön­nte der Weg sein, der Sven hil­ft?

Tim Ell­rich, geboren 1989 in Osnabrück legt mit „Im Haus mein­er Eltern” seinen Abschlussfilm an der Fil­makademie in Baden-Würt­tem­berg vor. „IM HAUS MEINER ELTERN basiert auf mein­er eige­nen Fam­i­lie und dem Leben meines schiz­o­phre­nen Onkel, der bis zu seinem Tod bei meinen Großel­tern auf dem Dachbo­den lebte”, erzählt Ell­rich. „Er ver­weigerte jede Behand­lung und brachte meine Fam­i­lie dazu, sich an ihn anzu­passen, anstatt irgen­det­was zu ändern. Als meine Großel­tern älter wur­den, wurde die Frage unauswe­ich­lich, wer seine Pflege irgend­wann übernehmen würde. Meine Mut­ter, eine von vier Geschwis­tern, wurde nach und nach in diese Ver­ant­wor­tung hineinge­zo­gen, obwohl sie dies nicht wollte.” Man spürt dem Film in jed­er sein­er Minuten an, dass es eine per­sön­liche Geschichte ist, ein aut­ofik­tionales Dra­ma. Dem Cast, ins­beson­dere Jen­ny Schi­ly in der Haup­trol­le als Holle, gelingt eine beein­druck­ende Darstel­lung dieser schwieri­gen Fam­i­lienkon­stel­la­tion. Tim Ell­rich zeich­net mit den zarten Schwarzweiß­far­ben des Films eine bedrück­ende, per­sön­liche Geschichte nach. Die Charak­tere sind mit weni­gen Strichen ent­wor­fen, Ell­rich verzichtet auf eine dra­matur­gis­che Über­höhung, man spürt von vorne bis hin­ten die Glaub­würdigkeit des Films. Der einzige Kun­st­griff ist die inhaltliche Klam­mer, die am Anfag des Filmes geöffnet wird.

„Die Geschichte konzen­tri­ert sich sozusagen auf die ‚gesun­den’ Fam­i­lien­mit­glieder, die mit einem psy­chisch kranken Ver­wandten kon­fron­tiert sind, den sie nie voll­ständig ver­ste­hen kön­nen” sagt der Regis­seur. „Die Pro­tag­o­nistin Holle verkör­pert dabei diesen Kon­flikt. Sie ist gefan­gen in ihrer Hel­fer­rolle inner­halb der Fam­i­lie, während ihre eige­nen Bedürfnisse dabei überse­hen wer­den. Als der Tod ihres Brud­ers näher rückt, scheit­ert Holle mit all ihren verzweifel­ten Ver­suchen, ihm zu helfen.” Und weit­er: „IM HAUS MEINER ELTERN ist ein Film für alle, die das Gefühl der Hil­flosigkeit ken­nen, wenn Ange­hörige mit einem psy­chisch erkrank­ten Fam­i­lien­mit­glied umge­hen müssen, das Pflege und Hil­fe benötigt.”

https://achtungberlin.de/2025/im-haus-meiner-eltern

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Deutsch­land | 2025 | 96 Min.
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Regie, Buch Tim Ell­rich Schaus­piel Jen­ny Schi­ly, Ursu­la Wern­er, Man­fred Zap­at­ka, Jens Brock, Johannes Zeil­er, Kirsten Block, Peter Schei­der Kam­era Kon­stan­tin Pape Schnitt Tobias Wil­helmer Ton Johann Meis, Jonathan Rösch Szenen­bild Nad­ja Götze Kostüm­bild Lara Scher­pin­s­ki Cast­ingUlrike Müller Redak­tionBurkhard Althoff, Melv­ina Kotios (ZDF) Produzent:in Tan­ja Georgie­va-Wald­hauer, Jan Krüger, Leopold Pape Pro­duk­tion Elemag Pic­tures, Port-au-Prince Film & Kul­tur­pro­duk­tion, Coro­n­a­do Film Kopro­duk­tionFil­makademie Baden-Würt­tem­berg, ZDF – Das kleine Fernsehspiel Ver­leih Port-au-Prince Pic­tures 

Berlin Regie | Loca­tion | Pro­duk­tion

Urauf­führung 54. Inter­na­tion­al Film Fes­ti­val Rot­ter­dam

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