CAUGHT BY THE TIDES ab 15. Mai 2025 im Kino

CAUGHT BY THE TIDES © X STREAM PICTURES —
Irgend­wo in ein­er ein­samen Land­schaft in Nord­chi­na. Ein Mann, ein Buschfeuer, ein Motor­rad. Punkmusik, der Vorspann: „Nicht mal ein Buschfeuer ver­nichtet jedes Unkraut. Im Früh­ling wächst es wieder nach”, heißt es. 2001, Frauen­tag in Datong City im Nor­den Chi­nas. Eine Frau soll in ein­er Gruppe mit anderen Frauen ein Lied sin­gen. Erst traut sie sich nicht, dann aber doch. Die Frauen haben großen Spaß miteinan­der. Eine nach der anderen traut sich vorzusin­gen.
Eine Gruppe Män­ner vor der Treppe der Parteizen­trale oder so. Sie sind zum Fototer­min ver­sam­melt.
Bergar­beit­er haben Feier­abend und kom­men von Untertage nach Hause.
Eine Dis­co oder ein Nacht­club, Dance­floor, skurille Auf­führun­gen, spür­bar ein Prov­in­zlokal. Pöbel­nde und zudringliche Jugendliche. Irgendwelche Laut­sprecher­durch­sagen, in denen es um die Han­dels­beziehun­gen zu den USA geht.
In dieser unwirtlichen Gegend ler­nen sich Qiao­qiao (Zhao Tao) und Guo Bin (Li Zhu­bin) ken­nen. Lange Kam­er­afahrten, Musik im Hin­ter­grund: Liebeslieder, Arbeit­er­lieder, Tech­no, Pop. Dann ein Jubelzug aus Anlass der kom­menden Olymp­is­chen Spiele.

Bin ist ein son­der­bar­er, schweigsamer Typ, der irgend­wie frus­tri­ert scheint. „Ich geh weg ich will mein Glück ver­suchen” simst er ihr irgend­wann. Und: „Wenn ich soweit bin, hol ich dich nach”.

Nun macht sich Qiao­qiao auf die Reise, auf die Suche nach Bin. Mit dem Zug, mit dem Boot, ein schweigsames, schein­bar ziel­los­es Road­movie. Durch die vielfälti­gen Land­schaften, Flusstäler, kar­gen Gegen­den. „Ich mache mir Sor­gen”, schreibt sie zwis­chen­durch. Gehört hat sie nichts von ihm. Gar nichts. Die Jahre gehen ins Land, die Land­schaften wur­den umgestal­tet, mit den neuen Däm­men wur­den viele Men­schen umge­siedelt, viele Dör­fer aufgegeben. Sprach­los set­zt sie ihre Reise fort. Wird sie Bin wiederfind­en?

Über die Entste­hung des Films sagt Regis­seur Jia Zhang-Ke: „Seit 2001 bin ich oft nach Datong gereist und habe die Stadt mit ein­er Kam­era gefilmt, die ich zu der Zeit genutzt habe. Datong war als Kohle­berg­baus­tadt bekan­nt, aber als ich dort hinkam, waren die Minen aus­ge­beutet und die Kohlepreise fie­len. Aber Chi­nas Wirtschaft öffnete und erholte sich schnell: über­all, wo ich hin­sah, war eine neue Vital­ität zu spüren. Ich hielt sin­gende Men­schen­men­gen mit mein­er Kam­era fest. Ich wirbelte mit den Tänz­ern herum. Ich fol­gte jun­gen Leuten zu ihren Lieblingsplätzen. Die Kam­era in mein­er Hand wurde über­flutet von unbekan­nten Vergnü­gun­gen. In den fol­gen­den zwanzig Jahren bin ich eini­gen dieser Men­schen immer wieder zu den Drei Schlucht­en am Jangtse, nach Zhuhai im äußer­sten Süden, in den Nor­dosten und Süd­west­en Chi­nas gefol­gt. Mit ihrem Älter­w­er­den entwick­el­ten sich auch die Kam­eras weit­er, die ich dabei­hat­te: von der ein­fachen DV-Kam­era zur Alexa und zur VR-Kam­era. In meinem Schnei­der­aum habe ich mir oft das Mate­r­i­al ange­se­hen, das ich im Laufe der Jahre aufgenom­men habe. Die Bilder rück­en in weite Ferne, denn ich spüre, wie die Zeit, die sie fes­thal­ten, ent­gleit­et. Die guten Zeit­en der Ver­gan­gen­heit ver­wan­deln sich fast in einen Traum. Die ganze Zeit über habe ich nach den Zusam­men­hän­gen inner­halb dieses Film­ma­te­ri­als gesucht. Erst im Jahr 2022, während der Covid-Sper­run­gen, fand ich her­aus, dass die Geschicht­en im Zeitrah­men der zwei Jahrzehnte, die seit Beginn der Auf­nah­men ver­gan­gen sind, zusam­men­find­en. Mir fiel auf, dass das Film­ma­te­r­i­al kein lin­ear­es Ursache-Wirkung-Muster aufwies. Stattdessen gab es eine kom­plexere Beziehung, die Din­gen aus der Quan­ten­physik nicht unähn­lich ist, in der die Rich­tung des Lebens von vari­ablen Fak­toren bee­in­flusst und let­ztlich bes­timmt wird, die schw­er festzustellen sind.”

Jia Zhang-Ke gelingt ein beein­druck­ender Film über die Verän­derun­gen Chi­nas in den let­zten Jahrzehn­ten. Es ist erstaunlich, wie er aus den wohl eher beiläu­fig ent­stande­nen Auf­nah­men der ver­gan­genen Zeit, gemein­sam mit den Spielauf­nah­men ein geschlossenes Werk kom­poniert, ein Film, von dem ein unglaublich­er Sog aus­ge­ht. Am Anfang erin­nert mich die Land­schaft und die Stim­mung an Hu Guans BLACK DOG – WEGGEFÄHRTEN, aber bald ver­lässt der Film die Pfade nar­ra­tiv­er Struk­tur und wird immer mys­ter­iös­er. Beein­druck­end.

CAST
Qiao ZHAO TAO
Bin LI ZHUBIN
Pan PAN JIANLIN
Blondie LAN ZHOU
SPECIAL APPEARANCE:
Zhou ZHOU YOU
Sänger auf dem Super­mark­t­platz in Datong REN KE
Gitar­rist auf dem Super­mark­t­platz in Datong MAO TAO


CREW
Regie JIA ZHANG-KE
Drehbuch JIA ZHANG-KE
WAN JIAHUAN
Kam­era YU LIK-WAI
ERIC GAUTIER, A.F.C
Mon­tage YANG CHAO
LIN XUDONG
MATTHIEU LACLAU
Orig­i­nal­musik IM GIONG
Sound Design ZHANG YANG
Art Direc­tor YE QIUSEN
LIU QIANG
LIU WEIXIN
LIANG JINGDONG
Pro­duzent CASPER LIANG JIAYAN
SHOZO ICHIYAMA
Co-Pro­duzen­ten ZHANG DONG
YU LIK-WAI
WANG LI, STEVEN XIANG
Pro­duk­tion­spart­ner JOSIE CHOU

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