THE LAST REPUBLICAN von Steve Pink beim DOK.fest München 2025

Wo ist Hol­ly­wood, wenn es um Proteste gegen das Trump-Régime geht? Ich höre fast nichts. Immer­hin kommt nun ein Doku­men­tarfilm, THE LAST REPUBLICAN, der den repub­likanis­chen Abge­ord­neten Adam Kinzinger aus Illi­nois begleit­et. Kinzinger war schon als Kind Anhänger von Ronald Rea­gan, er war später in Afghanistan und Irak. Nach dem Sturm auf das Kapi­tol am 6. Jan­u­ar 2021 stimmte er als Repub­likan­er für die Amt­sen­the­bung von Trump. Er war Mit­glied im Unter­suchungsauss­chuss.

Bevor ich näher auf den Film und auf den Pro­tag­o­nis­ten der Doku­men­ta­tion einge­he ist es nun näm­lich inter­es­sant, zu erfahren, wer der Mach­er dieses Doku­men­tarfilms ist, näm­lich Steve Pink. Pink, Jahrgang 1966, auch er stammt aus Illi­nois, machte einen Abschluss in Friedens- und Kon­flik­t­stu­di­en in Berke­ley. Über Umwege geri­et er in die Film­branche und pro­duzierte und schrieb im Jahr 1997 den Spielfilm GROSSE POINTE BLANK, eine schwarze Komödie mit John Cusack, Min­nie Dri­ver, Alan Arkin und Dan Akroyd, Regis­seur war George Armitage. Im Jahr 2000 war er wiederum Pro­duzent und Autor der Nick Horn­by-Ver­fil­mung HIGH FIDELITY, manche erin­nern sich, wiederum mit John Cusack, Regie führte Stephen Frears. Sein Regide­büt absolvierte Pink mit dem Film ACCEPTED im Jahr 2006, wiederum eine Komödie, mit Justin Long und Blake Live­ly. In Deutsch­land trug der Film den Titel „S.H.I.T. – Die High­school GmbH”. Wie das eben so ist mit diesen Filmtiteln. Es fol­gten drei weit­ere Komö­di­en, HOT TUB TIME MACHINE Teil 1 und Teil 2, ABOUT LAST NIGHT und zulet­zt 2021 die Romanze, das Dra­ma THE WHEEL. Bis auf den let­zten Film hat sich Pink also einen Namen als Komö­di­en­spezial­ist gemacht, eher die schrillen Komö­di­en – der Hot Tub Teil 1 hieß übri­gens auf Deutsch: „Hot Tub – Der Whirlpool … ist ’ne ver­dammte Zeit­mas­chine!”, ich glaub ich habe keines dieser Werke gese­hen. Umso erstaunlich­er, dass Steve Pink mit seinem Doku­men­tarfilm THE LAST REPUBLICAN ins Poli­tis­che umsteigt.

Zurück also zu Adam Kinzinger. Nach­dem er für Trumps Amt­sen­the­bung ges­timmt hat, erhielt er bald Todes­dro­hun­gen, musste unter Polizeis­chutz leben und er ver­lor einen nen­nenswerten Teil seines Fre­un­deskreis­es. Ein Jahr lang, in seinem let­zten Jahr als Abge­ord­neter, begleit­ete Pink ihn – und der ist offen­sichtlich kein Repub­likan­er, eher ein pro­gres­siv­er Link­er. Der Film begin­nt damit, dass Kinzingers Abge­ord­neten­büro aus­geräumt wird, das Büroschild wird abgeschraubt, die Möbel zusam­mengeräumt, denn, natür­lich ist solch ein Ver­hal­ten gle­ichbe­deu­tend mit dem Ende sein­er poli­tis­chen Kar­riere bei den Repub­likan­ern. Und zu diesem Zeit­punkt fragt Kinzinger den Regis­seur sein­er Doku: Sag mal, Steve, unter nor­malen Umstän­den hättest du doch eher gegen mich demon­stri­ert, statt nun sog­ar einen Doku­men­tarfilm über mich zu machen? Und recht hat er. Und wir sprin­gen zurück in der Zeit, als Kinzinger ein kon­ser­v­a­tiv­er, erfol­gre­iche Repub­likan­er war, der mit großem Zus­pruch ins Amt gewählt wurde, der von allen repub­likanis­chen Seit­en her gelobt wurde, auch von Don­ald Trump: „He is doing a great job. He is doing a great job, thank you, Adam. Very much appre­ci­at­ed. Hand­some guy”, lautet die wie üblich skur­rile Belo­bi­gung durch Trump. Doch als Trump begin­nt, zu behaupten, die Wahl wäre ihm gestohlen wor­den, begin­nt er sich gegen ihn zu stellen und sagt, man solle sich auf den näch­sten Wahlkampf ein­stellen und nicht mit ein­er Lüge fort­fahren. Und dann set­zte er sich für das Impeach­ment gegen den Präsi­den­ten ein. „I think it’s not about a polit­i­cal view”, sagt Kinzinger im Inter­view mit Steve Pink. „It’s about what it is to turn against every­thing you ever belonged to. Because of some red line you can’t cross.” Und bere­its in diesem kurzen Inter­viewauss­chnitt erken­nt man, wie die bei­den Lager miteinan­der umge­hen hät­ten kön­nen, mit Respekt, dur­chaus mit Humor, mit Ver­ständ­nis füreinan­der. Von der Möglichkeit, diese Spal­tung, diese Hür­den zu über­winden, ist man heute Licht­jahre ent­fer­nt.

Auch Pink stellt Kinzinger eine Gegen­frage: Warum sagte Kinzinger aus­gerech­net ihm zu, eine Doku­men­ta­tion über sich drehen zu lassen? Seine Antwort: Er mochte HOT TUB TIME MACHINE. Und damit begin­nt der Blick zurück an den Beginn der Drehar­beit­en. Von Tag zu Tag wird Kinzinger isoliert­er in sein­er Partei, bis er schließlich als ein­er von weni­gen Repub­likan­er für das Impeach­ment stimmt, und von Nan­cy Pelosi in den Auss­chuss berufen wird – gegen seinen Wun­sch, eigentlich sagt er, wollte er das nicht. Und Nan­cy Pelosi benen­nt ihn, raf­finiert wie sie ist, bevor sie ihn über­haupt angerufen und gefragt hat. „Nicht ich habe mich geän­dert”, sagt er irgend­wann, „es war die repub­likanis­che Partei, die sich geän­dert hat.”

Und dann geht es um die Ver­brechen des 6. Jan­u­ar 2021, als das Kapi­tol gestürmt wird, der vielle­icht emo­tion­al­ste Teil des Films. Kinzinger kom­men die Trä­nen im Unter­suchungsauss­chuss, Hass und Häme wird danach über ihn aus­geschüt­tet. Ein Schaus­piel­er sei er. Und das ist erst der Anfang ein­er Has­skam­pagne – und das Drama­tis­che ist, dass diese auch aus seinem näheren Umfeld unter­stützt wurde. Steve Pink ist bei den Drehar­beit­en zu THE LAST REPUBLICAN nichts weniger als Zeuge des Nieder­gangs der US-amerikanis­chen Demokratie. Und er ist Zeuge des Auf­stiegs eines Regimes von Hass, Gewalt und Lügen. Und das war erst der Anfang.

Deutsche Pre­mière

Kam­era: Josh Salz­man. Schnitt: Ted Feld­man. Musik: Logan Nel­son. Pro­duk­tion: abcd. Produzent*in: Jason Kohn, Chapin Wil­son, Kevin Mor­ris, Steve Pink, Sara­fi­na DiFe­li.

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